Unfallstatistik

So viele Unfälle wie seit Jahren nicht mehr

Von Katharina Iskandar

03. Juli 2008 Auf Frankfurts Straßen haben sich im vergangenen Jahr so viele Unfälle ereignet wie schon seit zehn Jahren nicht mehr. 17.745 Zusammenstöße zwischen Autos, Radfahrern, Lastwagen, Fußgängern oder Mopeds wurden 2007 im Stadtgebiet registriert, wie die Polizei mitteilte – knapp 50 je Tag und gut 600 mehr als im Jahr zuvor.

Einen Grund für diese Entwicklung sieht die Polizei vor allem darin, dass in der Pendlermetropole Frankfurt immer mehr Fahrzeuge unterwegs seien. Rund 383.600 Kraftfahrzeuge seien allein in der Stadt zugelassen, und es würden immer mehr, sagte Polizeisprecher Jürgen Linker. Zudem seien Verkehrsteilnehmer einer „Reizüberflutung“ ausgesetzt: zu viele Ampeln, zu viele Schilder, zu viel Werbung in der Stadt, dies alles lenke Autofahrer oft ab.

Polizei: 22 Straßen besonders gefährlich

In 76 Prozent aller Fälle waren Autos an den Unfällen beteiligt. Sie machten entweder Fehler beim Abbiegen, fuhren zu dicht auf den Vordermann auf oder hielten sich nicht an die vorgeschriebene Geschwindigkeit. So ist auch die Zahl der Schwerverletzten leicht gestiegen: 397 Menschen mussten nach einem Unfall ärztlich behandelt werden. Die Zahl der Todesopfer ging hingegen zurück: 2006 starben 19 Menschen im Straßenverkehr, im vergangenen Jahr waren es 16. 22 Straßen sind nach Ansicht der Polizei besonders gefährlich, darunter der Katharinenkreisel, die Westendstraße und die Hamburger Allee. Um Unfälle zu verhindern, wurden im vergangenen Jahr zehn Straßen „überarbeitet“, wie Linker sagt. Unter anderem seien Ampelschaltungen geändert, Schilder abmontiert und separate Abbiegespuren eingerichtet worden.

Unfallverursacher sind der Statistik zufolge immer öfter auch Radfahrer. 970 Mal waren sie im vergangenen Jahr beteiligt. Sie ordneten sich entweder falsch ein, fuhren zu dicht auf Autos auf oder nahmen anderen Verkehrsteilnehmern die Vorfahrt. Mit der neuen Regelung, die es Radfahrern erlaube, in Einbahnstraßen gegen die vorgeschriebene Richtung zu fahren, habe man jedoch gute Erfahrungen gemacht, so Linker. Gerade dort gebe es die wenigsten Unfälle, „weil sowohl Auto- als auch Radfahrer besonders aufmerksam sind“.

Immer mehr Unfallverursacher begehen Fahrerflucht

Nicht nur im Stadtgebiet, auch auf den umliegenden Autobahnen haben die Unfälle im vergangenen Jahr zugenommen: 3.794 hat die Polizei registriert, das sind gut acht Prozent mehr als im Vorjahr. Fünf Menschen kamen ums Leben, 99 wurden schwer und 806 leicht verletzt. Allein am Frankfurter Kreuz ereigneten sich mehr als hundert Unfälle. Da viele Fahrer gerade auf Autobahnen rasen, wird in Zukunft verstärkt kontrolliert, wie Linker sagt. Das gelte auch für Lastwagen und Gefahrguttransporter. Diese fielen immer wieder auf, weil ihre Ladung nicht richtig gesichert sei.

Sorge macht der Polizei, dass offenbar immer mehr Unfallverursacher das Weite suchen: 5.805 Fahrerfluchten haben die Beamten im vergangenen Jahr registriert – das heißt, bei jedem dritten Unfall entfernt sich ein Beteiligter unerlaubt vom Ort des Geschehens. Linker vermutet, dass die Unfallverursacher entweder alkoholisiert gewesen seien und befürchteten, den Führerschein zu verlieren. Oder aber sie wollten verhindern, in eine teurere Versicherungsklasse eingestuft zu werden.

Allerdings, so Linker, gingen Unfallflüchtige „ein enormes Entdeckungsrisiko“ ein. In der Regel werde fast jede zweite Tat aufgeklärt: Die Polizei habe inzwischen die Möglichkeit, Autos und somit auch deren Besitzer anhand von Lacksplittern oder sonstigen fahrzeugspezifischen Merkmalen zu identifizieren.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: ddp

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