Kommentar

Geisterfahrer unterwegs

Von Katharina Iskandar

03. Juli 2008 17.745 – das ist eine Zahl, die auf den ersten Blick nicht unbedingt alarmierend klingt. Die Dimension begreift man erst, wenn man sich bewusst macht, was sie bedeutet: Fünfzig Mal an einem Tag hat sich im vergangenen Jahr ein Unfall im Stadtgebiet ereignet – so viele, wie schon seit Jahren nicht mehr. Ein Auto wird von einem anderen gerammt, ein Fußgänger angefahren, ein Radfahrer von einem Laster erfasst. Auf das Jahr gerechnet macht das sechzehn Tote und 397 Schwerverletzte, die 2007 im Straßenverkehr zu Schaden gekommen sind.

Erfreulich sind die Zahlen, die die Polizei gestern in ihrer Verkehrsunfallstatistik vorgestellt hat, wahrlich nicht. Dementsprechend mühselig ist die Suche nach Erklärungen. Sicherlich, es gibt immer mehr Autos in der Stadt, und die Verkehrsführung ist an vielen Straßen nicht optimal. Man könnte die Schuld auch bequem darauf schieben, dass man es heute als arbeitender Mensch immer eilig hat. Sich aber hinter diesen Gründen zu verstecken wäre falsch, denn der Statistik zufolge sind die Unfälle in den meisten Fällen selbstverschuldet.

Polizei muss verschärft kontrollieren

Sosehr sich Polizei und Straßenverkehrsamt auch bemühen, die Beschilderung zu verbessern und neue Abbiegespuren einzurichten, so liegt die Sicherheit im Straßenverkehr in erster Linie bei jedem Verkehrsteilnehmer selbst. Jemandem, der mit 90 statt 50 Kilometern in der Stunde durch die Innenstadt rast, muss man nicht erklären, dass er damit ein Risiko eingeht. Und demjenigen, der sich alkoholisiert hinters Steuer setzt, erst recht nicht.

Schon seit Jahren beobachten Polizisten, aber auch Verkehrspsychologen, dass Autofahrer nachlässiger geworden sind. Sie sind nicht angeschnallt oder blinken nicht beim Abbiegen. Und weil sie sich einreden, dass sie dann schneller sind, fahren sie bis auf wenige Zentimeter auf ihren Vordermann auf. Vor allem bei Jugendlichen hat sich zudem der irrtümliche Glaube festgesetzt, dass Cannabiskonsum die Fahrtüchtigkeit weniger einschränke als Alkohol.

Es ist deshalb notwendig, dass die Polizei verschärft kontrolliert. Denn am Ende geht es darum, den Erwachsenen jene Verkehrsregeln beizubringen, die inzwischen schon jedes Grundschulkind lernt. Und der beste Erzieher ist erfahrungsgemäß die Geldstrafe oder der Führerscheinentzug.



Text: F.A.Z.

 
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