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Coaching Mit dem Lama ins Kloster Von Isa Hoffinger
Wer Erfolg haben will, braucht eine Vision. Davon ist die Künstlerin Monika Derstroff überzeugt. Einige ihrer Vorstellungen haben bereits Gestalt angenommen. Zum Beispiel die Vision vom Beduinen“. Dieser exotische Fremde ist schwarz, trägt eine weiße Stoffserviette als Kopfbedeckung und bleckt die Zähne. Biss Art“ nennt Monika Derstroff, die mit Künstlernamen Monique La Dent heißt, ihre Skulpturen aus Holzblöcken. Das hat seinen Grund: In der Mitte aller Figuren sind Gebissabdrücke der Künstlerin eingearbeitet. Monika Derstroff arbeitet jedoch nicht nur als Künstlerin, sondern auch als Coach. Auf einem alten Weingut im Rheingau bietet die 48-Jährige Seminare für Unternehmen an. Die Teilnehmer malen Bilder oder fertigen Figuren an. Das Ziel der Kurse ist, so steht es auf Monika Derstroffs Homepage, die Individualität der Teamplayer zu fördern“ und ihren persönlichen, mentalen Biss zu unterstützen“. Mit diesem Anspruch ist sie nicht die Einzige. Sogenannte Offsite-Seminare gibt es schon seit Jahren. In sportlichen Events oder künstlerischen Workshops sollen die Teilnehmer fernab vom täglichen Büromief Soft Skills entwickeln und mehr über sich selbst erfahren. Ein Klassiker ist beispielsweise das Klettern im Hochseilgarten. Früher wurden hauptsächlich Führungskräfte zu solchen Horizonterweiterungsmaßnahmen in die Natur geschickt. Heute bieten viele Unternehmen auch Mitarbeitern der unteren Ebenen Offsite-Tage an. Teambildung ist stark gefragt Nicht nur Konzerne, auch der Mittelstand zeigt zunehmend Interesse an entsprechenden Outhouse-Events“. Rund 70 Prozent der deutschen Unternehmen bieten grundsätzlich eine Weiterbildung an. Coachings zur Persönlichkeitsentwicklung, die gerne jenseits der Großstädte veranstaltet werden, liegen nach Angaben des Statistischen Bundesamts an der Spitze der Weiterbildungsmaßnahmen, noch vor Schulungen in den Bereichen EDV, Technik und Produktion. Vor allem der Bedarf an Teambildungsmaßnahmen ist in jüngster Zeit rasant gestiegen. Oft sind Abteilungen heute international besetzt, und trotz kultureller Unterschiede müssen alle Kollegen gut zusammenarbeiten. Außerdem nimmt die Projektarbeit zu. Viele Teams werden nur für eine gewisse Zeit gebildet. Auch das steigert die Nachfrage nach Konfliktlösungs-, Motivations- und Gruppencoachings. Das Problem: Je mehr Mitarbeiter ein Teamtraining außerhalb der eigenen Büroräume absolvieren sollen, desto weniger darf die Veranstaltung, die meist mit einer kleinen Reise verbunden ist, die Arbeitgeber kosten. Genau hierin besteht die Chance für die vielen semiprofessionellen Anbieter, die sich auf dem Markt tummeln. Das Billigangebot reicht von Wein- oder Lachworkshops in der Eifel über Trommelkurse an der Ostsee bis zum erlebnispädagogischen Wildnistraining im Bayerischen Wald. Schnitzeljagd im Kloster Eberbach Ein neuer Trend bei den Offsite-Tagen, die vor nicht allzu langer Zeit einfach Betriebsausflug“ genannt wurden, ist der Einsatz von Tieren. SAP führte im vergangenen Jahr einen Orientierungslauf“ mit Lamas in der Nähe des Klosters Eberbach am Rhein durch. Drei Teams mit jeweils drei Lamas sollten auf einer festgelegten Route im Wald Holz sammeln, um damit später eine Brücke zu bauen. Lamas sind störrische Tiere“, sagt der 40 Jahre alte Wirtschaftsingenieur Marcus Fischer, der an dieser Schnitzeljagd teilnahm. Wenn sie zu dicht hintereinander laufen, spucken sie. Es war gar nicht so leicht, die Tiere davon zu überzeugen, dass sie alle in die gleiche Richtung gehen müssen.“ Bei den Coach Dogs“ dienen Hunde als Sparringspartner. Die Teilnehmer kommen überwiegend aus dem mittleren Management und müssen einen Hund dazu bringen, ihnen ohne Leine durch einen Hindernisparcours zu folgen. Anschließend wird das eigene Verhalten im Gespräch mit Trainerin Patricia Elfert analysiert. Die Idee ist nicht neu. Spätestens seit dem Film Der Pferdeflüsterer“ ist bekannt, dass Tiere sensibel auf die innere Verfassung von Menschen reagieren und Schwächen aufdecken können. Trotzdem wurde Patricia Elfert auf der diesjährigen Bildungsmesse Didacta“ vom Bundesverband der Trainer, Berater und Coachs (BDVT) mit dem Internationalen Trainingspreis in Silber ausgezeichnet. Der Hund Checheni“ war einer der Publikumsmagneten auf der Messe. Urzeitliche Jägerrituale zelebriert Domset, eine Eventagentur mit Hauptsitz in Köln. Auf der Referenzliste stehen namhafte Kunden, etwa Hugo Boss, IBM, Henkel, die Deutsche Post AG oder die Commerzbank. Zu den Highlights“ von Domset gehört neben einer Jeepsafari das instinktive Bogenschießen“. Wie in der Seminarbeschreibung erläutert wird, geht es dabei um die Weiterentwicklung der eigenen unbewussten Fähigkeiten“. Als zusätzliches Erlebnismodul wird ein Bogenschützenwettbewerb à la Wilhelm Tell“ angepriesen. Jeder braucht seine Aufgabe im Team Das vielfältige Veranstaltungsangebot zeigt, dass es in den Unternehmen offensichtlich viel Nachholbedarf in puncto Teambildung gibt – und große Unsicherheit, wie sich die Teamarbeit verbessern lässt. Bei Gruppen kommt es auf eine sinnvolle Aufgabenteilung an“, sagt Tom Senninger. Damit ein Team zusammenwächst, muss jeder eine Rolle übernehmen, die seinen Stärken entspricht.“ Gemeinsam mit seinem Partner Alfried Weiß analysiert Senninger vor jedem Offsite-Coaching die firmenspezifische Situation. Erst nachdem geklärt wurde, wo es innerhalb eines Teams Probleme gibt, wird ein Programm entwickelt. Nach den Gruppenübungen finden Feedbackgespräche statt. Von Anbietern, die auf diese Vor- und Nachbereitung verzichten, hält Tom Senninger nicht viel. Der Psychologe Martin Emrich sieht das ähnlich. Er bietet mit seinem Unternehmen Emrich Consulting unter anderem eine Floßfahrt auf dem Neckar an. Die Teilnehmer sollen ihr Floß aus Plastiktonnen und Holzstämmen selbst bauen. Jeder muss eine Aufgabe übernehmen, die dem Team nützt. Anschließend müssen die Teams gemeinsam gegen die Strömung rudern. So kann man gut erkennen, wer sich schnell frustrieren lässt und wer seine Kollegen anspornt.“ Eine Hymne für den Arbeitgeber So unterschiedlich die Seminare auch sind, eines machen sie deutlich: Die Sache mit der Motivation scheint in deutschen Unternehmen nicht so einfach zu sein. Vielleicht sollten sich die hiesigen Personalentwickler ja ein Beispiel an ihren Kollegen in Asien nehmen. Dort haben viele Unternehmen ihre eigene Hymne. In einer Niederlassung des Versicherungskonzerns Axa heißt sie The Axa Way“. Die zwei Frauen, die dieses Lied in einem Video präsentieren, sehen zwar in ihrer grauen Firmenuniform nicht gerade wie Motivationskünstler aus. Aber wenigstens tragen sie keine Servietten auf dem Kopf. Text: F.A.Z.Bildmaterial: Fotolia
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