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Karriere

Schönheit macht erfolgreich

Von Lisa Nienhaus und Stefani Hergert



Göttinnen verdienen einfach mehr
17. Januar 2008 
Ohne die Schönheitsoperationen, die neuen Zähne und die zehn Kilo weniger auf den Rippen hätte Nicole Jakob ihren heutigen Job nicht. "Ich hätte mich nie getraut, mich hier zu bewerben", sagt die Personalreferentin aus der Nähe von Krefeld. Drei Jahre ist es her, dass sie sich die Brust straffen, die Zähne richten und Fett absaugen ließ - vor einem Millionenpublikum. Nicole Jakob war eine der zwanzig Kandidatinnen der umstrittenen Verschönerungsshow "The Swan", die beim Fernsehsender ProSieben lief.

Vier Monate nach der Verwandlung wurde die Personalsachbearbeiterin zur stellvertretenden Gruppenleiterin befördert und bekam ein Gehaltsplus von 300 Euro monatlich. Ende 2005 bewarb sie sich bei einem anderen Unternehmen als Personalreferentin - und bekam den Job, der noch einmal 300 Euro mehr brachte.

Schönheit zahlt sich aus wie Berufserfahrung

Ob ihre Verwandlung wirklich der Auslöser für den beruflichen Aufstieg war, wird Nicole Jakob nie erfahren. Doch es ist wissenschaftlich erwiesen: Wer gut aussieht, hat es im Beruf leichter. Der Ökonom Daniel Hamermesh von der Universität Texas beschäftigt sich seit Jahren mit dem Zusammenhang zwischen Schönheit und Erfolg. So hat er beispielsweise herausgefunden, dass schöne Menschen mehr verdienen. "Gutes Aussehen wirkt auf das Gehalt etwa so stark wie eineinhalb Jahre Berufserfahrung mehr", sagt er.

In seiner Untersuchung ließ er Menschen die Schönheit von Personen bewerten und verglich dann den Verdienst der Beurteilten. Im Ergebnis erweist sich das Wirtschaftsleben als erstaunlich oberflächlich: Denn die unattraktiven Kandidaten in der Untersuchung verdienten fünf bis zehn Prozent weniger als die durchschnittlich attraktiven. Die Schönen dagegen verdienten etwa fünf Prozent mehr als der Durchschnitt. Hamermesh nennt das die Schönheitsprämie. Dieser Bonus wird dem Menschen in die Wiege gelegt, meint er.

Es sei nicht der Erfolg, der schön mache, weil man beispielsweise eine selbstsicherere Ausstrahlung bekomme oder sich mit dem verdienten Geld bessere Kleidung leiste. Vielmehr mache die Schönheit erfolgreich. Das hat er ermittelt, indem er Menschen alte Fotos von Jurastudenten vorgelegt hat, die mittlerweile schon seit fünf oder fünfzehn Jahren im Beruf arbeiteten. Die Einschätzung der damaligen Schönheit verglich er mit dem aktuellen Gehalt. "Der Zusammenhang war eindeutig. Die bei Studienabschluss Schöneren waren später auch die Erfolgreicheren."

Wir lieben die Durchschnittlichkeit

Das Dumme dabei: Schönheit ist nicht völlig subjektiv, auch wenn viele Menschen das gerne glauben würden. "Schönheit liegt im Auge des Betrachters", sagt Hamermesh. "Aber wir betrachten einander auf sehr ähnliche Weise."

Psychologen haben jahrelang erforscht, was wir als schön empfinden. Das Ergebnis ist überraschend, denn wir lieben die Durchschnittlichkeit. Damit ist nicht der Nachbar von nebenan gemeint, sondern ein Gesicht, das herauskommt, wenn man sehr viele Bilder von Gesichtern übereinanderlegt und eine Art Durchschnittsgesicht daraus schafft.

Außerdem mögen wir Symmetrie. Die Symmetrie des Körpers, ja selbst die Gleichförmigkeit der Hände kann eine Rolle spielen, vor allem aber die des Gesichts. Einer der ersten Attraktivitätsforscher, der Biologe Randy Thornhill, hatte dieses Streben nach Symmetrie zuerst bei Tieren beobachtet, bei Skorpionsfliegen. Diese Insekten hatten umso mehr Erfolg bei der Paarung, je symmetrischer sie waren. Thornhills Theorie, dass dies vielleicht auf alle Lebewesen zutrifft, auch auf die Menschen, hat sich bewahrheitet.

Die Forschung explodiert

Schon Säuglinge betrachten symmetrische Gesichter länger als asymmetrische. Später setzt sich die Vorliebe für Symmetrie fort, auch wenn nicht zwangsläufig das vollkommen symmetrische Gesicht als das schönste gilt. Kleine Abweichungen machen den Reiz aus.

Unsere Vorliebe für Schönheit ist seit langem bekannt. Dass das Aussehen aber die Karriere - auch abseits von Laufstegen und Filmsets - fördert, ist eine verhältnismäßig neue Erkenntnis. Erst in den neunziger Jahren explodierte die Forschung zum Thema. Wir wissen heute, dass schöne Kinder schon in der Jugend von den Lehrern besser behandelt und besser bewertet werden. Das setzt sich im Arbeitsleben fort.

Die von der Natur wenig Begünstigten mögen jetzt maulen. Doch es kommt noch schlimmer. Denn was ist der Grund für die Schönheitsprämie am Arbeitsplatz? Man könnte vermuten, dass die Schönen einfach selbstbewusster sind, da sie von Kindesbeinen an Bestätigung bekommen haben.

Auch Größe ist ein Erfolgsfaktor

Der Forscher Markus Möbius von der Universität Harvard stimmt dem zwar in seiner Studie "Wieso Schönheit von Bedeutung ist" zu. Er findet aber auch heraus, dass das lange nicht der einzige Grund ist. Wenn er nämlich das Selbstbewusstsein der "Arbeiter" in einer experimentellen Studie konstant hielt, wurden die Schönen trotzdem von den "Arbeitgebern" für fähiger gehalten - fälschlicherweise. Wer gut aussieht, sagt Möbius, hat soziale und kommunikative Fähigkeiten, die den Verdienst steigern, auch wenn diese Fähigkeiten für die zu lösende Aufgabe nicht von Belang sind.

Andere Forscher wollen herausgefunden haben, dass Schöne nicht nur selbst mehr Geld verdienen. Auch die Firmen, in denen sie arbeiteten, seien erfolgreicher. An der Universität Wien hat man beobachtet, dass Schöne besser verkaufen können.

Neben den ebenmäßigen Gesichtszügen sind weitere Merkmale bekannt, die schönen Menschen das Berufsleben erleichtern. Eine Untersuchung der Universität München zeigt zum Beispiel, dass große Menschen mehr verdienen als kleine: Pro Zentimeter mehr an Körpergröße sollen 0,6 Prozent mehr Bruttogehalt die Regel sein. Außerdem verdienen dicke Frauen weniger als schlanke. Adipositas, also sehr starkes Übergewicht, reduzierte die Verdienste der amerikanischen Frauen nach einer Studie von Charles L. Baum im Schnitt um 4,5 Prozent - im Vergleich zu normalgewichtigen Frauen mit gleicher Qualifikation. Für Männer gilt dieser Zusammenhang übrigens nicht.

Nachteile für Glatzköpfe

Dafür berichtet der Forscher Ronald Henss von der Universität Saarbrücken, dass Männer mit Glatze Nachteile im Job haben. Sie werden nämlich für weniger durchsetzungsfähig gehalten als ihre Kollegen mit voller Haarpracht. Außerdem gilt bei Männern generell, dass ihre von anderen wahrgenommene Schönheit ihr Gehalt stärker beeinflusst, als das bei Frauen der Fall ist.

Das scheinen jetzt auch die Männer erkannt zu haben, wie eine Studie von Sonja Bischoff, BWL-Professorin an der Uni Hamburg, zeigt. Sie hat von 1986 an in regelmäßigen Abständen Führungskräfte befragt, was den erfolgreichen Start in die Karriere begünstige. Die "äußere Erscheinung" halten dabei viel mehr Männer als Frauen für bedeutsam - quer durch alle Branchen. "Frauen achten sowieso schon mehr auf ihr Äußeres", vermutet Bischoff. "Deshalb ist es bei Männern noch entscheidender."

Bischoffs Studie belegt auch, dass die Optik in den vergangenen Jahrzehnten an Bedeutung gewonnen hat. 1986 nannten bloß sechs Prozent aller Befragten die äußere Erscheinung wichtig für den Berufseinstieg. 2003 waren es schon 27 Prozent. Damit überholte die Optik die Bedeutung von Sprachkenntnissen (26,6 Prozent) und war fast ebenso wichtig wie die persönlichen Beziehungen (28 Prozent).

Die Knochenstruktur verändern?

"Wir leben heute in einer Welt der Bilder", kommentiert Bischoff die Ergebnisse und erzählt von einem Fall aus einer großen Bank, die ein neues Vorstandsmitglied suchte. "Dort sagte man mir, es gebe zwar eine Frau, die qualifiziert genug sei für einen Vorstandsposten. Sie sei aber leider zu dick."

Kein Wunder, dass die Menschen an der Spitze der Hierarchie unter Druck stehen. Kaum ein Top-Manager ist übergewichtig, viele gehen täglich joggen oder laufen sogar Marathon. Sie sind nicht die Einzigen, die an sich arbeiten. Der Fitnessmarkt in Deutschland boomt (siehe Text unten), und mittlerweile cremen Frauen wie Männer gegen das Alter an oder färben ihre Haare. Es geht noch weiter: Das Bleichen der Zähne ist von Amerika nach Deutschland übergeschwappt, ebenso der Traum einer faltenfreien Haut mit Hilfe von Botox und die Schönheitschirurgie für jedermann.

Werner Mang zum Beispiel korrigiert in der Bodenseeklinik Schlupflider, verkleinert Nasen und strafft Falten. Er sagt, dass immer mehr Menschen, die zu ihm kommen, das Ziel hätten, mit dem Eingriff ihrer Karriere einen Schub zu geben (siehe Interview rechts). "Etwa ein Drittel meiner Operationen sind heute berufsbedingt. Gerade für Männer ist das ein wichtiges Thema."

Starke und teure Eingriffe

Doch ist wahre Schönheit machbar? Hier streiten sich die Forscher mit den Schönheitschirurgen. "Um wirklich schön zu sein, müsste man bei vielen Menschen die komplette Knochenstruktur ändern", sagt Hamermesh. "Das ist ein starker Eingriff und sicherlich auch sehr teuer. Ich glaube nicht, dass sich das lohnt."

Auch der Bewerbungsberater Gerhard Winkler rät verzweifelten Jobsuchenden ab: "Investieren Sie das viele Geld für eine Schönheitsoperation lieber in ein Fitnesstraining, in Ihr Outfit oder in einen Sprachkurs in New York oder Schanghai." Denn noch etwas konnten Wissenschaftler eindeutig beweisen: Glücklich macht Schönheit nicht.

Text: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 13.01.2008, Nr. 2 / Seite 36
Bildmaterial: fotolia
 
 
Lesermeinungen zum Beitrag [1]
schönheitschirurgie 20.01.2008, 19:03
 
   
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