Contergan

Nur eine einzige Tablette im Bus

In Deutschland liegt der Contergan-Skandal bald ein halbes Jahrhundert zurück. In Brasilien aber kommen immer noch missgebildete Kinder auf die Welt. Medikamente mit dem Wirkstoff sind dort auf dem Markt, weil sie Leprakranken helfen. Die Pillen schlucken jedoch auch Schwangere. Von Peter-Philipp Schmitt, São Paulo

Lesermeinungen zum Beitrag

11. Mai 2008 23:30

Gegen wen richtet sich die Anklage?

Michael Menzel (Galenos)

Wer ist Schuld daran, daß es zu den seit 50 Jahren bekannten Nebenwirkungen in manchen Ländern kommt? Grünenthal kann es nicht sein. Es ist auch nicht richtig immer wieder von dem "Contergan-Skandal" zu sprechen. Es gab nie einen "Skandal". Es gab nur Unwissenheit und bei einem damals neuen Medikament furchtbare Nebenwirkungen, die sich zu jener Zeit kein Pharmazeut oder Mediziner vorstellen konnte. Es hat leider sogar lange gedauert, bis der Zusammenhang zwischen der Substanz und den schrecklichen Nebenwirkungen vom Erfinder und ersten Hersteller sowie den Ärzten ganz Deutschlands erkannt wurde. Nachher war man natürlich klüger. Vorher war so etwas undenkbar und buchstäblich kein Mensch konnte diese Wirkung voraussagen. Die Phylogenese des Embryos ist sogar bis heute nicht völlig verstanden und daß Thalidomid innerhalb eines kleinen Zeitfensters genommen, so verheerend wirkt ist furchtbar aber in den 50ern zunächst unbegreiflich gewesen. Eine Substanz, die trotzdem so hilfreich bei schweren Erkrankungen ist, wäre NIEMALS wieder von der FDA freigegeben worden, wenn es eine Alternative gäbe. Gibt es nicht! Das Mittel wird gebraucht, gehört aber besser kontrolliert als manches tödliche Gift. Die Nicht-Kontrolle ist der Skandal!

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