FAZ.NET
FAZFINANCE.NET
Märkte
F.A.Z.-Archiv
Abo

FAZJOB.NET

Umwelttechnologie-Channel

04. Juli 2009

Mein FAZjob.NET:
FAZJOB.NET
NEU FAZjob.NET - Tour




FAZjob.NET >Beruf und Chance >Arbeitswelt >Wie war dein Tag, Schatz? >

   
 Beruf und Chance 
 
Arbeitswelt
Vergütung
Arbeitsrecht
Neue Köpfe
Personalprofi
Campus
Stellensuche
F.A.Z.-Community
 
   

F.A.Z.-Stellensuche

   (Hilfe)


Jobs der Woche

Kolumne

Engumschlungen mit der Sekretärin

Von Georg M. Oswald




24. Oktober 2008 
Als Öhrl pünktlich um fünf das Büro des Bereichsvorstands Dittmer betrat, um die dringend von ihm erwartete Vorlage abzuliefern, stand er unvermittelt vor Herrn Dittmer und seiner Chefsekretärin Frau Ehrmann, die sich engumschlungen küssten. Als sie im nächsten Augenblick seine Anwesenheit bemerkten, lösten sie sich ohne jedes Anzeichen von Aufregung voneinander, Frau Ehrmann ging, als sei Öhrl gar nicht anwesend, an ihm vorbei ins Vorzimmer, und Herr Dittmer sagte so knapp wie verbindlich: "Danke, Öhrl, ich weiß Ihr Engagement zu schätzen, legen Sie's hin." Öhrl tat es, vermied Blickkontakt, verließ Dittmers Büro und ging zurück zu seinem Arbeitsplatz.

"Wie war's beim Chef?", fragte ihn sein Tischnachbar.

Öhrl fragte sich, ob er erzählen sollte, was er da gerade gesehen hatte. War doch eine super Geschichte! Immerhin war Dittmer verheiratet und hatte Familie! Aber schließlich sagte er nur: "Ich war nur ganz kurz drin. Er war ziemlich beschäftigt."

Öhrl war der jüngste Mitarbeiter in einer riesigen Abteilung, auf den jeder, der sich auch nur ein bisschen Autorität verschafft hatte, ungeliebte Arbeiten ablud.

"Das macht Ihnen doch nichts aus, Herr Öhrl, nicht wahr?", "das schaffen Sie schon, Herr Öhrl", "ich leg's Ihnen rüber, Herr Öhrl", "ist vielleicht nicht ganz das, was in Ihrer Stellenbeschreibung steht, eilt aber sehr, Herr Öhrl", "sagen Sie bitte, wenn's Ihnen zu viel wird, Herr Öhrl".

Niemals wäre ihm eingefallen zu sagen, dass es ihm zu viel wird, denn er hatte gelernt, dass man in solchen Situationen zwar nein sagen kann, es aber besser nicht tut, und dass man außerdem an seinen Aufgaben wächst und sich durch Zusatzaufgaben auch zusätzlich empfiehlt.

Hinter seinem Schreibtisch versank er unter einer immer schneller anwachsenden Papierlawine, kopierte, faxte, mailte, was das Zeug hielt. Heute jedoch hätte er sich keinesfalls erlauben können, die Vorstandsvorlage unpünktlich abzuliefern, also hatte er alles andere liegenlassen. Dafür umlagerte ihn jetzt eine meuternde Horde von Kollegen: "Wie sieht's aus, Herr Öhrl?", "denken Sie an meine Anfrage, Herr Öhrl?", "Herr Öhrl, ich wollte mal nachfragen, ob Sie an mich denken, Herr Öhrl?", "Herr Öhörl!".

Sie alle waren der Meinung, er würde es nie zu etwas bringen. Er hatte doch keinerlei Durchsetzungsvermögen. Ließ sich von jedem alles sagen. Umso größer war die Überraschung, als Dittmer wenig später in einer Rundmail Öhrls Vorlage als Meisterwerk pries. Öhrl sagte nichts. Wenige Wochen später war er Dittmers persönlicher Referent.

Der Autor ist Schriftsteller und Rechtsanwalt und lebt in München



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z. - Cyprian Koscielniak
 
 
Lesermeinungen zum Beitrag [2]
@lurkius 03.11.2008, 12:38
Nette Story... 24.10.2008, 19:43
 
   
 Artikel-Service 
 
Seite drucken
Versenden
Lesezeichen
Vorherige Seite
 
   
   
 Neue Köpfe 
   
 
Brilliance: Cremer kommt - Hirtz geht  
 
   
     
  FAZ JOB-Blog  
 
Per Anhalter durch die Arbeitswelt
 
 
 
 
 
Coach Me If You Can
 
     
 


Impressum  |  Datenschutzerklärung  |  Nutzungsbedingungen  |  Preise  |  Über uns

Alle freien Jobs und Stellen  |  Stellenangebote nach Firmen und Unternehmen  |  Vorteile auf einen Blick  |  FAZjob.NET - Tour