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Reedereien

Kapitäne sind knapp



Hier locken gute Gehälter
23. Januar 2008 
Vor knapp zwei Wochen kündigte A.P. Møller-Mærsk, die größte Container-Reederei der Welt, den Abbau von bis zu 3000 Mitarbeitern an. Ist diese Hiobsbotschaft aus Dänemark ein Menetekel für die Branche? Nein, sagt Hans-Heinrich Nöll vom Verband Deutscher Reeder, der Kahlschlag bei Mærsk sei vor allem integrationsbedingt, mithin also eine verspätete Folge der Übernahme des Wettbewerbers P & O vor zwei Jahren. In Deutschland jedenfalls gehe es nicht um den Abbau, sondern um den Aufbau von Arbeitsplätzen, sagt Nöll und nennt Zahlen: Heute arbeiten 21.000 Menschen in den deutschen Reedereibetrieben - 4000 mehr als 1999. Und die Perspektiven sind weiterhin gut angesichts der hohen Wachstumsraten im internationalen Schiffsverkehr.

Viele Reeder haben große Schwierigkeiten, qualifizierte Leute zu finden. Seemännisches Personal ist sehr knapp. „Das ist ein erhebliches Problem“, sagt Burkhard Lemper von Institut für Seeverkehrswirtschaft und Logistik (ISL). Die Frachtschifffahrt ist ein zyklisches Geschäft. Jetzt rächt sich, dass die Ausbildungskapazitäten in der letzten Abschwungphase zurückgedreht wurden, zumal immer mehr Schiffe wieder unter deutscher Flagge fahren.

Seefahrtsschulen wurden zugemacht

Folglich benötigt man nun umso mehr deutsche oder deutschsprachige Offiziere. „Eine Zeitlang fehlten die Studienanfänger, und Seefahrtsschulen wurden zugemacht. Sogar Hamburg, der größte deutschen Schifffahrtsstandort, hat keine Seefahrtsschule mehr“, erläutert Lemper. Es fehlt auch an Kapitänen, weil die nicht unbegrenzt auf der Brücke stehen wollen. „Ein Kapitän ist mit 30 Jahren fertig ausgebildet. Dann fährt er zehn oder 15 Jahre zur See. Danach sucht er sich einen Land-Job, weil er keine Lust mehr hat, dauerhaft von zu Hause weg zu sein.“

7000 Euro Gehalt

Die Personalknappheit erhöht die Kosten: „Das Heuern von Seeleuten wird immer teurer. Unter den Reedereien herrscht ein riesiger Abwerbungswettbewerb“, sagt Verbandsgeschäftsführer Nöll. Manche Unternehmen lockten sogar mit studienbegleitenden Darlehen. „So wird versucht, qualifizierte Kräfte früh an das eigene Haus zu binden.“ Der Bremer Reeder Niels Stolberg hat aus der Not eine Tugend gemacht und die Beluga Sea Academy gegründet. Die bildet jedes Jahr 150 Kapitäne aus. Das reicht längst nicht aus, wie ISL-Experte Lemper betont: „Inzwischen gibt es viele Neueinsteiger. Aber es dauert acht Jahre, bis die ihre Ausbildung abgeschlossen haben. Bis dahin haben die Reedereien ein Problem.“ Für die fertigen Kapitäne ist diese Marktlage hervorragend: Sie verdienen 6000 bis 7000 Euro im Monat.

Text: rit., F.A.Z., 21.01.2008, Nr. 17 / Seite 23
Bildmaterial: dpa
 
 
   
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