25. Juli 2008 Der Chiphersteller Infineon hat erneut rote Zahlen geschrieben und streicht jetzt Stellen im großen Stil. Konzernchef Peter Bauer kündigte am Freitag in München den Wegfall von etwa 3.000 Arbeitsplätzen an. Angesichts der aktuellen Marktbedingungen, der nachteiligen Wechselkursentwicklung und des Konzernumbaus sei ein Personalabbau unvermeidlich, erklärte der Konzern bei der Vorstellung seiner Quartalszahlen. Betroffen seien alle Standorte, Funktionen und Hierarchieebenen.
2000 Stellen in Deutschland betroffen
In einer Telefonkonferenz detaillierte Bauer die Pläne. Ich kann betriebsbedingte Kündigungen an manchen Standorten nicht ausschließen, sagte er. Bis Oktober wolle das Unternehmen 2000 Stellen in Deutschland aber vor allem über freiwillige Maßnahmen wie Abfindungsangebote abbauen.
In Regensburg sind 600 Arbeitsplätze bedroht. Dies hatte bereits Oberbürgermeister Hans Schaidinger (CSU) angekündigt. Der Dresdner Standort von Infineon ist offenbar nicht betroffen. Es drohten keine Personalreduzierungen über die bekannten Pläne hinaus, sagte eine Unternehmenssprecherin und fügte hinzu: Es kann für den Standort Entwarnung gegeben werden. Im Dresdner Werk sollen - wie bereits im Frühjahr angekündigt - rund 650 Arbeitsplätze abgebaut werden. An diesem Standort beschäftigt Infineon 2300 Mitarbeiter.
Die Aussichten sind alles andere als rosig
Wie Infineon mitteilte, betrug der Konzernverlust im bis Ende Juni laufenden dritten Quartal 592 Millionen Euro. Das war deutlich mehr als von Analysten erwartet. Erneut musste das Unternehmen Abschreibungen auf die kriselnde Speicherchiptochter Qimonda verbuchen. Im Vergleich zum Vorquartal ging der Fehlbetrag aber deutlich um fast 780 Millionen Euro zurück. Beim Umsatz musste Infineon gegenüber dem Vorquartal einen Rückgang um zwei Prozent auf 1,029 Milliarden Euro hinnehmen. Dagegen wuchs der Gewinn vor Steuern und Zinsen ohne Qimonda im Quartalsvergleich von 36 Millionen Euro auf 71 Millionen Euro.
Bauer sieht die Entwicklung in den Kernbereichen Auto- und Industriechips sowie Telekommunikationshalbleiter nicht gerade rosig: Im laufenden Quartal werde der operative Gewinn trotz leicht steigender Umsätze stagnieren oder zurückgehen. Zudem würden die Kosten für das Sparprogramm zu Buche schlagen. In den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres betrug der Gesamtverlust Infineons nach eigenen Angaben rund 2,4 Milliarden Euro. Im Vorjahreszeitraum hatte der Fehlbetrag bei 88 Millionen Euro gelegen.
Trennung von Qimonda wird weiter vorangetrieben
Bei Infineon arbeiten rund 43.000 Menschen, 13.500 davon beim Qimonda-Konzern, der dem Halbleiter-Hersteller zu mehr als drei Vierteln gehört und den er losschlagen will. Qimonda wird in den Infineon-Bilanzen mittlerweile als nicht fortgeführte Aktivität geführt. Damit will Infineon die Trennung weiter vorantreiben.
Text: FAZ.NET
Bildmaterial: ddp
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