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Nanotechnologie

Die Kraft der kleinen Teilchen



Hauchdünner Bodenbelag in Marmoroptik - Degussa nutzt die Nanotechnologie
13. April 2007 
Auch nach der hundertsten Wäsche soll der Wagen so in der Sonne glänzen, als käme er frisch aus dem Autohaus. Im Bestfall sind die Waschgänge gar nicht nötig, weil der Lack gegen den Straßendreck resistent ist. Wird dann durch den glänzenden Schlitten jemand animiert einen Kratzer auf der Autotür zu hinterlassen, soll derjenige sich eher über einen stumpfen Schüssel ärgern müssen, anstatt sich an seinem destruktiven Werk zu erfreuen. Bis letzteres uneingeschränkt gilt, vergeht wohl noch Zeit, doch heute schon haben Ingenieure einen Autolack hergestellt, der das geliebte Auto optisch länger frisch halten soll.

Erreicht werden diese Erneuerungen vor allem durch die Nanotechnik, ein eher junges Gebiet des Ingenieurwesens. „Die Nanotechnik versucht die Struktur von Oberflächen und Materialien zu verändern, um ihnen bestimmte Eigenschaften zu verleihen“, sagt Hans-Jürgen Schäfer, Leiter des Kompetenzteams Werkstofftechnik des Vereines Deutscher Ingenieure (VDI). Um die Beschaffenheit eines Materials zu verändern, werden durch die Nanotechnik Moleküle in der Größe eines milliardstel Meters verändert. Die Branche bietet hervorragende Berufschancen, vor allem für Chemiker und Physiker, die sich in diesem Bereich spezialisiert haben. Einige Großkonzerne wie Degussa oder Daimler-Chrysler haben bereits eigene Nano-Abteilungen. Zudem gibt es in der Branche, laut Schäfer, viele junge Start-Up-Firmen. Nach einer Marktanalyse des VDI-Technologiezentrums wird sich der Umsatz der Branche in den nächsten Jahren verzehnfachen.

Marmor von der Rolle

Wegen ihres jungen Alters ist die Nanotechnologie noch ein sehr forschungslastiges Feld. Oftmals lässt sich für den Laien kaum nachvollziehen, was sie genau bewirken kann, weil sie auf der Kleinst-Ebene wirkt. Trotzdem werden ihre Effekte im Alltagsleben überall sichtbar. Neben dem längeren Glanz für den Autolack sorgt sie dafür, dass die Sonnencreme vor UV-Strahlung schützt oder verhindert in Form von feinsten Metalldämpfen auf der Linse ungewollte Spiegelungen beim Fotographieren.

Beim Chemie-Konzern Degussa wird derzeit eine Art Marmor von der Rolle hergestellt. „Der Belag ist flexibel und einfach zu verlegen. Er ist kratzfest und schmutzabweisend, hat genau die Eigenschaften eines Natursteines und wirkt von weitem wie echter Marmor“, sagt Frank Weinelt, Chemiker bei Degussa. Erst bei näherem Hinsehen erkenne man, dass es sich hierbei nicht um echten Marmor handele. Statt aus tonnenschwerem Gestein, entsteht der Bodenbelag mit dem Marmoreffekt aus einem dünnen löchrigen Fasergewebe, zarter als der Kokon einer Seidenraupe. Durch eine Gel-Beschichtung und so genannte silikatische Binder wird schließlich erreicht, dass ein robustes Material entsteht, dessen Oberfläche anschließend je nach Präferenzen veredelt und bedruckt werden kann.

Das Endprodukt soll ein leicht zu verlegender Bodenbelag sein, der die Eigenschaften eines tonnenschweren Natursteines besitzt, vom Kunden aber im Baumarkt von der Rolle geschnitten werden kann wie ein Stück Teppichboden. Dieser Eingriff in die Natur ist für Weinelt reizvoll. „Wir erzwingen Eigenschaften von Materialien, die es landläufig es nicht gibt. Dass man das durch die Veränderung und Reaktion kleinster Teilchen erreichen kann, macht die Nanotechnologie so beeindruckend“, so der Chemiker.

Text: mbol
Bildmaterial: Degussa
 
 
   
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