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| Wer nur billig eine Vollzeitkraft ersetzt, kann sich wehren |
18. März 2008
Bundesarbeitsminister Olaf Scholz (SPD) plant eine gesetzliche Klarstellung, um eine angemessene Vergütung von Praktika zu erreichen. Ein vorgeschriebenes Mindestentgelt oder eine Höchstdauer für eine Beschäftigung als Praktikant seien aber nicht geplant, sagte Scholz am Dienstag in Berlin. Grundsätzlich hätten Praktika unabhängig von der Vergütung häufig eine positive Funktion für den Berufseinstieg, hob der Minister hervor. Scholz äußerte sich anlässlich der Veröffentlichung einer vom Arbeitsministerium in Auftrag gegebenen Studie, die auf eine häufig fehlende oder unzureichende Vergütung von Praktika hinweist.
Es ist offensichtlich, dass es ein Problem gibt, sagte Scholz zu der Untersuchung zu Praktika von Absolventen einer beruflichen Ausbildung. Grundsätzlich sei jedoch bereits im Berufsbildungsgesetz geregelt, dass es auch für Praktika eine angemessene Vergütung geben müsse. Allerdings bleibe diese offensichtlich vielfach unbeachtet. Daher plane er eine Klarstellung im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB), die auf diese bestehende Vorschrift hinweise. Auch solle deutlich gemacht werden, dass der Sinn eines Praktikums ein Beitrag zur beruflichen Ausbildung sei, nicht aber eine normale Arbeitnehmertätigkeit. Schließlich solle eine frühere Vorschrift wieder eingeführt werden, wonach auch für ein Praktikum ein schriftlicher Vertrag erforderlich ist.
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| Praktika führen eher selten zum direkten Einstieg in den ersten Job |
Scholz hob hervor, durch die Neuregelungen solle nicht das Kind mit dem Bade ausgeschüttet werden. Auch für ein längeres Praktikum von einem Jahr könne es gute Gründe geben. Die Höhe der Vergütung von Praktikanten solle der Markt regeln. Auf Wunsch könnten dabei auch die Tarifparteien tätig werden. Probleme mit dem Koalitionspartner CDU/CSU erwartet Scholz bei seinem Vorhaben nicht. Praktika sind sinnvoll, aber es gibt Missbräuche, sei die einhellige Auffassung. In diesem Sinne habe sich auch wiederholt Wissenschaftsministerin Annette Schavan (CDU) geäußert.
Mehr als die Hälfte nicht bezahlt
Der Untersuchung des Internationalen Instituts für Empirische Sozialökonomie (inifes) zufolge wurden 51 Prozent aller freiwilligen Erst-Praktika, die nach Abschluss der beruflichen Ausbildung absolviert wurden, überhaupt nicht bezahlt. Bei weiteren zwölf Prozent war die Vergütung aus Sicht der Betroffenen unangemessen niedrig, nur 37 Prozent sahen sich angemessen bezahlt. Dies legt die Vermutung nahe, dass die entsprechenden Unternehmen auch Interesse an einer unbezahlten Arbeitskraft hatten, heißt es in der Studie. 75 Prozent der Befragten lobten aber auch, sie hätten gute Einblicke in den Beruf erhalten.
Selten die Brücke ins Arbeitsleben
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| „Es ist offensichtlich, dass es ein Problem gibt”, sagt Scholz |
Der Studie zufolge sind von Praktika nach dem Abschluss einer Berufsausbildung nicht in erster Linie Studienabsolventen betroffen, sondern besonders Absolventen einer schulischen Ausbildung, in geringerem Maße auch einer beruflichen Ausbildung. Davon gaben 80 Prozent an, sie seien zu 50 Prozent oder mehr ihrer Praktikumszeit als normale Arbeitskraft eingesetzt worden. Die Funktion einer Brücke zu einem regulären Arbeitsverhältnis erfüllten Praktika vielfach nicht. Nur 22 Prozent der Praktikanten wurden anschließend vom selben Arbeitgeber übernommen, 13 Prozent von einem anderen Arbeitgeber. 36 Prozent absolvierten zwei oder mehrere Praktika, die zusammen teilweise länger als zwei Jahre in Anspruch nahmen.
Die Studie basiert auf computergestützten Telefoninterviews mit Berufseinsteigern im Alter zwischen 18 und 34 Jahren. Dadurch werde retrospektiv ein Zeitraum von bis zu 16 Jahren abgedeckt. Ausführlich befragt wurden insgesamt 2616 Berufseinsteiger.