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Unternehmen Existenzgründungen oft nur aus Not 
 | | Fleißig im Geschäft: Deutsche wüssten, wie´s geht, aber sie trauen sich nicht |
08. März 2007 Deutsche machen sich wesentlich seltener als die Bürger anderer Länder selbständig - und dann häufig aus Mangel an Alternativen. Sie sind pessimistischer, was die Chancen einer Existenzgründung angeht, und haben größere Angst zu scheitern. Zu diesem Ergebnis gelangt der aktuelle Global Entrepreneurship Monitor, den Ulrich Walwei vom Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) und Rolf Sternberg von der Universität Hannover in Berlin vorgestellt haben. Die Studie analysiert jährlich das Gründungsgeschehen in 42 Ländern und befragt dazu 150.000 Bürger und 1300 Fachleute. Deutschland erreichte in dem internationalen Vergleich nur Platz 16.
Gemessen am Anteil der Existenzgründer, lag Deutschland sogar auf Rang 37. Der Anteil der 18 bis 64 Jahre alten Personen, die sich in den zurückliegenden dreieinhalb Jahren selbständig machen wollten, sank 2006 weiter von 5,4 auf 4,2 Prozent. Mit ihrem Pessimismus über künftige Gründungschancen liegen die deutschen Existenzgründer auf Platz 38, mit ihrer Angst vor einem Scheitern auf Rang 37. Nur bei den Gründungsfähigkeiten ist die Position deutlich besser, kommt aber mit Rang 24 nicht über einen Mittelfeldplatz hinaus. Klassische Unternehmertypen rar West- und Ostdeutsche haben ein ähnlich großes Vertrauen in ihre Gründungsfähigkeiten, das Umfeld wird dagegen in den alten Ländern besser eingeschätzt. Den internationalen Spitzenplatz nimmt Deutschland nach der Studie in der öffentlichen Förderinfrastruktur ein, zu weiteren Stärken des Standorts zählen der Schutz geistigen Eigentums und das Angebot an unternehmensbezogenen Dienstleistungen. Bei den kulturellen Werten, der gründungsbezogenen Ausbildung und der Förderung der Selbständigkeit von Frauen rangiert die Bundesrepublik dagegen nur auf den Plätzen 34, 35 und 36. Der klassische Unternehmertyp aus Überzeugung, der nach Unabhängigkeit strebe, eine Idee verwirklichen und dabei ein hohes Einkommen erzielen möchte, sei in Deutschland seltener zu finden als anderswo, klagte Walwei. Dabei schüfen diese "Selbstverwirklicher" in der Regel mehr Arbeitsplätze als die "Existenzsicherer", die nur aus Mangel an Alternativen oder ökonomischer Not ins Unternehmertum getrieben worden seien. Während in den Vereinigten Staaten auf einen "Existenzsicherer" mehr als sechs "Selbstverwirklicher" kämen, seien es in Deutschland nicht einmal zwei. Der IAB-Vizedirektor forderte eine bessere gründungsbezogene Ausbildung, damit Selbständigkeit auch hierzulande als normale Alternative zu einer abhängigen Beschäftigung gesehen werde. Auch gelte es, die soziale Wertschätzung der Unternehmer zu verbessern. Text: F.A.Z., 08.03.2007, Nr. 57 / Seite 12 Bildmaterial: fotolia.com
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