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| Das "Burn-out-Syndrom" nimmt stetig zu, warnen Mediziner. |
07. Oktober 2006
Die Symptome sind meist dieselben: permanente Erschöpfung, Lustlosigkeit und wenig Freude am Beruf. Was zunächst klingt wie eine kleine Krise, ist für viele Manager der Anfang vom Ende. Es sind klassische Anzeichen für das Burn-out-Syndrom. "Diese Krankheit nimmt zu", warnt Joachim Bauer, Leiter der psychosomatischen Ambulanz an der Uniklinik Freiburg. Unbehandelt führt die "kleine Krise" zu schweren gesundheitlichen Problemen bis hin zu Arbeitsunfähigkeit. "Es kommen Ohnmachtszustände, Hörstürze und Herz-Kreislauf-Probleme hinzu", sagt Manfred Nelting, Ärztlicher Direktor der Gezeiten Haus Klinik in Bonn. "Zum Schluß haben die Betroffenen eine Mischung aus Schmerzen, Bluthochdruck, Angst und Depression."
Dabei gibt es durchaus die Chance, einen drohenden Burn-out frühzeitig zu erkennen und gegen die drohende Erkrankung anzugehen. Oft fehlt den Betroffenen aber die Einsicht, daß es sich bei dauerhaften Schlafstörungen und chronischer Erschöpfung um Warnsignale handelt. "Je stärker die Symptome sind und je später man sie erkennt, desto schwieriger wird die Therapie, und eine stationäre Behandlung ist nötig", sagt Bauer. Werden die Betroffenen früh behandelt, reichten meist ambulante Hilfestellungen aus.
Stress ist auch ein Statussymbol
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| Burn-out sollte möglichst früh behandelt werden. |
Dort liegt die Tücke dieser Erkrankung. "Es ist schwierig für die Mitarbeiter zu bekennen, ausgebrannt zu sein oder unter Stress zu leiden", weiß Karin Goldstein, die in der Personalabteilung der Commerzbank für das betriebliche Gesundheitswesen zuständig ist. "Stress ist auch ein Statussymbol, und wer Stress hat, ist unglaublich wichtig." Die Bank setzt nach Goldsteins Angaben daher auf ein bundesweites Konzept zur Stressbewältigung und bietet den Mitarbeitern zum Beispiel finanzielle Unterstützung für den Besuch von entsprechenden Seminaren.
Der erste Schritt zur Vermeidung des Burn-out ist nach Einschätzung der Ärzte, sich einzugestehen, daß der Stress ins Ungesunde kippt. Wer erste Warnsignale bei sich entdeckt, sollte seinen Stolz und den Mythos vom ,Ich schaffe das schon' über Bord werfen und zugeben: Es wird mir zuviel. Einen ersten Selbsttest bietet auch Neltings Burn-out-Test im Internet. Dort wird nach Müdigkeit und Konzentrationsstörungen gefragt, nach Kreislaufstörungen ebenso wie nach persönlichen Zweifeln am Arbeitseinsatz, nach diffusen Ängsten, innerer Unruhe, schließlich nach Konflikten am Arbeitsplatz: www.gezeitenhaus.de/burn-out-test.html.
Mit Angst zur Arbeit
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| Klug ist, wer rechtzeitig aus der Spirale aussteigt, sagen Mediziner |
"Die persönliche Arbeitseinstellung ist ein erster Ansatz", betont der Freiburger Burn-out-Experte Bauer. Der Patient müsse erkennen, daß er nicht beliebig belastbar ist, und rechtzeitig Grenzen setzen. Manfred Nelting rät zu einer inneren Gelassenheit, die einen festen Halt gegenüber den Anfechtungen des beruflichen Alltags bietet. Dabei spielen auch die privaten Beziehungen eine sehr wichtige Rolle. Ferner müsse man sich als Führungskraft eine Arbeitsumgebung schaffen, in der Aufgaben delegiert werden können, und es müsse durchgesetzt werden, daß man telefonisch auch einmal nicht erreichbar sei.
"Rund 80 Prozent der Manager gehen mit Angst zur Arbeit", sagt der Mediziner. Daher seien Methoden, die eine abendliche Entspannung und einen gelassenen Start in den Tag ermöglichen, immer wichtiger. "Diese Voraussetzung brauchen Manager, sonst sind sie für den Job auf Dauer nicht geeignet." Auch in den Einstellungsgesprächen sollte die Frage eine Rolle spielen, was der Kandidat tue, um unter Stress gelassen zu bleiben. "Klug ist derjenige, der rechtzeitig sagt, ich will aus der Burn-out-Spirale aussteigen. Der müßte dafür ausgezeichnet und gelobt werden. An diesem Punkt sind wir aber noch nicht", bedauert Nelting. Große Unterschiede im Umgang mit dem Stress gibt es auch zwischen Frauen und Männern. "Männer neigen dazu, sich durchzuboxen, bis sie zusammenbrechen, Frauen hingegen spüren eher, daß etwas nicht stimmt", belegt Bauers Erfahrung. "Frauen schaffen es eher, mit jemandem darüber zu sprechen, daß es so nicht weitergehen kann", fügt Nelting hinzu. Wenn diese Gespräche aber im Unternehmen gesucht werden, reagieren die Vorgesetzten oft falsch.
"Selbst in deutschen Großkonzernen gibt es oft nur eine akzeptierte Diagnose für solche Erschöpfungszustände, und das ist der drohende Herzinfarkt", berichtet Nelting aus der Praxis. "Die Diagnose Burn-out gilt nicht." Burn-out werde oft so interpretiert, daß der Manager nicht in der Lage sei, mit seiner Energie hauszuhalten. Bei drohendem Herzinfarkt sei das anders: Der Mitarbeiter setzt sich für das Unternehmen ein, heißt es dann - Arbeiten bis zum Umfallen. Nelting vermutet, daß auch deshalb manche Präventivseminare so schlecht besucht sind. "Wer dort hingeht, gibt sich quasi zu erkennen. Es muß viel inkognito laufen." Nicht ohne Grund liege seine Klinik in einem Wald: "Die Patienten können kommen, ohne gesehen zu werden."
Lob hat Auswirkungen auf den Hormonhaushalt
Die abwehrende Haltung in den Unternehmen ist bedauerlich, denn gerade den Führungskräften kommt eine wichtige Rolle im Kampf gegen den Burn-out zu. So werde übertriebene Aufopferungsbereitschaft einzelner Mitarbeiter oft ausgenutzt. "Das ist für den Chef verführerisch, denn diese Angestellten sind häufig seine letzten Stützen. Wenn irgend etwas getan werden muß, dann macht es der Betroffene", sagt Bauer.
Der Arzt fügt hinzu: "Es ist bekannt, daß wir biologisch von Zuwendung und Anerkennung abhängig sind. Nur dann schüttet das Gehirn Botenstoffe aus, die uns Kraft geben. Wird uns dauerhaft soziale Bestätigung entzogen, fährt das Gehirn die Motivationssysteme herunter." Lob hat also direkte Auswirkungen auf den Hormonhaushalt, der die Arbeitsbereitschaft und -fähigkeit steuert. Genauso wichtig wie Nahrung sei die Zufuhr von Respekt und Zuwendung, betont der Experte. Führungskräfte können einen Burn-out so zwar nicht "wegloben", die Anerkennung für geleistete Arbeit der Mitarbeiter gehört aber zu den wirksamen Mitteln der Prävention.