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07. Oktober 2008

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Geschlossene Gesellschaft: In der Villa Bonn tagt das Netzwerk Zonta

Kontakte für den Aufstieg

Wo Frauen an ihrer Karriere stricken

Von Uta Bittner und Corinna Budras



10. Mai 2008 Es gibt wohl nur wenige Orte, die einst den Charme elitärer Männerbünde so sehr versprüht haben müssen wie die Villa Bonn im Frankfurter Edelviertel Westend. In dem altehrwürdigen Palais der Frankfurter Gesellschaft für Handel, Industrie und Wissenschaft geht es großbürgerlich zu: Dunkles Holz mit reicher Dekoration zeugt gleich in der gediegenen Eingangshalle von der feinen Gesellschaft. Über dem Kamin prangen in schwungvoller Schrift die Worte: "Wie der Brand sich entzündet am Brand/Wie die Glut zehrt von der Glut/So lernt der Mann vom Manne im Gespräch."

Es hat sich viel geändert seit den ersten Tagen der Villa Ende des neunzehnten Jahrhunderts: Inzwischen lernt auch die Frau von der Frau im Gespräch. Im konkreten Fall des Frauennetzwerkes Zonta an jedem zweiten Dienstag im Monat. Auch an diesem verregneten Abend haben sich wieder knapp 30 Damen aus den unterschiedlichsten akademischen Berufen zwischen 36 und 88 Jahren versammelt, die Atmosphäre ist freundschaftlich-entspannt. Während des Abendessens dreht sich das Tischgespräch um die vertrackte Situation nach der hessischen Landtagswahl. Eine spontane Versteigerung eines gespendeten Gestecks lässt die Geldscheine der Frauen für die Projektkasse durch die Luft flattern. Der anschließende Vortrag wird - durchaus nicht ungewöhnlich - von einem Herrn bestritten: Martin Apelt, Schauspieldirektor vom Staatstheater Darmstadt, zieht die Damen in seinen Bann.

Das älteste Frauennetzwerk der Welt

Zonta International ist das älteste Frauennetzwerk der Welt, das sich zum Ziel gesetzt hat, den Status der Frauen zu verbessern. Bereits 1919 schlossen sich berufstätige Frauen in den Vereinigten Staaten zusammen, um ein Gegengewicht zu den eingeschworenen Männerbünden des Rotary-Clubs und des Lions-Clubs zu bilden. Die erste deutsche Zonta-Gruppe entstand 1931 in Hamburg. Mehr als 70 Jahre später gibt es in Deutschland 120 Clubs mit knapp 4000 Mitgliedern, weltweit ist Zonta in fast 70 Ländern vertreten. Der Name stammt aus der Sprache der Sioux-Indianer und bedeutet ehrenhaft zu handeln, vertrauenswürdig und integer zu sein. Soziales Engagement gehört genauso zu den Zielen wie der gepflegte Austausch im Gespräch.

In den vergangenen Jahrzehnten hat sich in der Arbeit so manches verändert, erzählt die 88 Jahre alte Margarete Kayser, die von ihren Clubfreundinnen nur anerkennend "die Kaiserin" genannt wird. Die ehemalige Bankdirektorin durfte 1968 der Gruppe beitreten - allerdings erst nachdem sie von einer Handelsbevollmächtigten zur Prokuristin der Frankfurter Hypothekenbank avancierte. Damals war der Kreis etwas kleiner, und es wurde sehr viel Wert darauf gelegt, dass von jedem Beruf nur eine Vertreterin Mitglied werden konnte - um die Vielfalt zu wahren.

Mehr als nur beruflicher Aufstieg

Im Unterschied zu anderen Netzwerken zielt die Mitgliedschaft bei Zonta nicht in erster Linie auf den beruflichen Aufstieg ab. Doch schon allein durch die internationale Struktur können Frauen profitieren. Die 36 Jahre alte Rechtsanwältin Doreen Kirmse und Vizepräsidentin des Frankfurter Zonta-Clubs ist gerade erst aus Hongkong zurückgekehrt, wo sie beruflich mehrere Monate verbrachte. Dort fand sie durch den regionalen Zonta-Club sofort Anschluss an die Vizepräsidentin des Parlaments.

Der berufliche Erfolg steht dagegen seit mehr als zehn Jahren für die Europäische Akademie für Frauen in Politik und Wirtschaft Berlin e. V. (EAF) im Mittelpunkt. Sie will Frauen in Führungspositionen auf ihrem Weg ganz nach oben unterstützen. Mit Ratschlägen, Kontakten, persönlichem Austausch und Weiterbildungsangeboten begleitet sie Frauen auf ihrem Karriereweg. Über Kooperationsverträge mit deutschen Unternehmen ist die EAF eng im Wirtschaftsleben integriert. So unterstützen Konzerne wie die Deutsche Telekom, der Luxuswagenhersteller Porsche, der Energieversorger Eon, die Deutsche Bank oder auch die Deutsche Bahn ihr Anliegen. Ins Leben gerufen wurde der Förderverein 1996 von Frauen und - das mag verwundern - auch von Männern.

Doch wie nützlich sind solche elitären Frauennetzwerke? Sind sie ein Allheilmittel für beruflichen Erfolg? "Nur die Schiene Frauennetzwerke würde ich niemandem raten", sagt Helga Lukoschat. Für die promovierte Geschäftsführerin des Frauenbündnisses Femtec steht fest: "Frauennetzwerke stellen einfach eine zusätzliche Möglichkeit dar, an Informationen, Tipps oder Ratschläge zu kommen." Gerade ein früher Kontakt zu Netzwerken kann in der Karriereentwicklung sehr hilfreich sein: "Wenn man einmal netzwerken gelernt hat, kann man in vielen anderen Bereichen davon profitieren", weiß Lukoschat.

Ein Netz für Technikerinnen

Femtec ist 2001 zusammen von der Technischen Universität (TU) Berlin und der EAF gegründet worden. Das Ziel von Femtec - dem Hochschulkarrierezenrum für Frauen Berlin GmbH - ist ambitioniert: mehr junge Frauen zu ermutigen, technische oder naturwissenschaftliche Berufe zu erlernen. Studentinnen der Ingenieurswissenschaften können sich für das viersemestrige Förderprogramm bewerben, das von namhaften Unternehmen wie Bosch, Siemens, Deutsche Telekom, EADS, Daimler, Thyssen-Krupp, aber auch von dem Beratungsunternehmen Boston Consulting Group finanziert wird. Neben der TU Berlin sind auch noch weitere deutsche Universitäten Mitglieder des Netzwerkes. Zweimal im Jahr starten die Förderprogramme. Etwa 25 Teilnehmerinnen bilden sich dann in speziellen Seminaren wie Kommunikationstrainings weiter, knüpfen Kontakte auch zu älteren Femtec-Mitgliedern und - ganz wichtig - zu den Unternehmensvertretern.

Franka Schröder ist eine von dem Netzwerk geförderte Studentin. Die 22 Jahre alte Frau nimmt seit Februar 2007 an dem Programm teil. Sie hat über Bekannte von Femtec erfahren. In einem halbtägigen Assessment Center musste die Berlinerin ihre Fähigkeiten unter Beweis stellen, bevor sie schließlich aufgenommen wurde. Seitdem hat sie schon mehrere Schulungen und Seminare durchlaufen. Betreut wird Schröder dabei zusammen mit weiteren 24 Femtec-Studentinnen von Trainerinnen und Vertretern der Partnerunternehmen. Am meisten geholfen hätten ihr bisher Workshops wie Teamaufbau oder Karriereplanung. "Das waren tolle Orientierungshilfen", sagt Schröder, die nach ihrem Studium am liebsten in der Formel 1 als Renningenieurin arbeiten würde.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Claus Setzer
 
 
Lesermeinungen zum Beitrag [1]
Im Großraum München zahlen die Firmen für die Vermittlung eine Prozessingenieurs 10.05.2008, 14:48
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