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Arbeitsmarkt Vorstandschefs sitzen auf einem heißen Stuhl
Immer häufiger tauschen die Unternehmen ihren Vorstandschef aus. Im vergangenen Jahr räumten 15,3 Prozent der Chief Executive Officer (CEO) ihren Posten, mehr als je zuvor, hat die Unternehmensberatung Booz Allen Hamilton herausgefunden. "Damit dürfte der Scheitelpunkt aber erreicht sein", sagte Klaus-Peter Gushurst, Managing Partner der Beratung, voraus. Er rechne aber damit, daß sich die Fluktuation auf Vorstandsebene bei 16 Prozent im Jahr dauerhaft einpendeln wird. Im deutschsprachigen Raum (Deutschland, Schweiz, Österreich) lag der Anteil bei 9,7 Prozent. Prominente Beispiele für Wechsel an der Unternehmensspitze waren hierzulande im vergangenen Jahr Siemens, die Deutsche Börse, Karstadt-Quelle und Daimler-Chrysler. Der Durchschnitt hält sich fünf Jahre Vor allem der Anteil derjenigen Unternehmenslenker, die wegen schlechter Leistungen vorzeitig aus dem Amt scheiden mußten, sei gegenüber den Vorjahren dramatisch gestiegen, erklärte Gushurst. Weltweit mußte ein Drittel, im deutschsprachigen Raum sogar mehr als die Hälfte der Abgänger wegen schlechter Leistungen den Platz räumen. Fusionen verursachten 17 Prozent der Führungswechsel, 31 Prozent erfolgten regulär aus Altersgründen. Die durchschnittliche Verweildauer eines CEO auf seinem Posten bezifferte Gushurst für den deutschsprachigen Raum mit 5 Jahren. Das Durchschnittsalter der CEO sowohl bei Einstieg ins Unternehmen als auch beim Wechsel sei extrem gefallen, erläuterte der Booz-Allen-Hamilton-Sprecher weiter. 2003 sei ein Vorstandschef bei Einstieg im Schnitt noch 52 Jahre alt gewesen, 2005 nur noch 45,8 Jahre. Ähnlich entwickelte sich das Ausstiegsalter: Von 58,6 auf 54,9 Jahre. "Die allermeisten CEO, die ein Unternehmen verlassen, haben das Pensionsalter nicht erreicht", sagte Gushurst. Man finde sie anschließend allerdings immer seltener auf dem Golfplatz, sondern häufig bei Private-Equity-Unternehmen, bei Hedgefonds oder in Investmentbanken wieder. Nachfolger mit Erfahrung weniger erfolgreich Die betroffenen Aufsichtsräte sollten sich intensive Gedanken über die Nachfolge eines ausgeschiedenen CEO machen. Denn dieser hat Einfluß auf den Unternehmenserfolg. Überraschenderweise schlagen sich beispielsweise solche Vorstandschefs, die zuvor noch keinen CEO-Posten innehatten, besser als solche mit CEO-Erfahrung. Und extern eingekaufte Unternehmenschefs können den Unternehmenswert stärker steigern als die Eigengewächse des Unternehmens - allerdings nur in der ersten Hälfte ihrer Amtszeit. Den "Total Shareholder Return (TSR)", also die Summe aus Aktienkurssteigerung plus Dividende, steigert ein extern angeworbener CEO in der ersten Hälfte seiner Amtsperiode um 8,6 Prozent, in der zweiten vermindert er den TSR jedoch sogar um 2,6 Prozent. Die Führungskraft aus dem eigenen Haus steigert den TSR dagegen über seine ganze Amtszeit hinweg (1. Hälfte 2,2 Prozent, 2. Hälfte 1,1 Prozent). "Outsider eignen sich vor allem dann, wenn ein Restrukturierungs- oder Transformationsprozeß ansteht", erläutert Gushurst. Er sieht das häufige Abwerben von CEO aus anderen Konzernen kritisch: "Erstens steigen dadurch die Gehälter, und zweitens hinterläßt der Abgeworbene stets kurzfristig eine Lücke in seinem alten Unternehmen." Text: nr., F.A.Z., 23.05.2006, Nr. 119 / Seite 16Bildmaterial: F.A.Z.
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