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Unternehmen des Monats

Bauindustrie

Die Bauingenieur-Lücke droht




11. September 2006 
Allmählich wendet sich das Bild der Bauindustrie auch am Arbeitsmarkt. Branchenkenner halten es jedenfalls nicht für unmöglich, daß in einigen Jahren wieder deutlich mehr Arbeitskräfte gesucht werden. Das hängt indes davon ab, daß der gegenwärtige zarte Aufschwung anhält und sich verstärkt. Fehlt es an Gewißheit über eine robust steigende Nachfrage, werden die Bauunternehmen vorerst ihre Produktivitätsreserven vollständig ausschöpfen, bevor sie an Neueinstellungen denken.

Das zeigt sich auch am aktuellen Zahlenbild der Branche: Obwohl Auftragseingänge und Umsätze seit Jahresbeginn zunehmen, sinkt die Zahl der Mitarbeiter weiter. Der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB) schätzt, daß zum Jahresende 2006 nur noch rund 700.000 Beschäftigte übrigbleiben, 17.000 weniger als ein Jahr zuvor.

Weniger Studienanfänger

Speziell für Bauingenieure könnten die Zeiten wieder erheblich besser werden. Nach der langjährigen Branchenflaute sind gegenwärtig besonders viele von ihnen arbeitslos. Der HDB hält es für möglich, daß in einigen Jahren wieder von einer Bauingenieur-Lücke die Rede ist. Das hat vor allem zwei Gründe. Erstens profitieren auch die akademisch gebildeten Branchenkräfte, wenn die Baukonjunktur wieder anzieht. Zweitens zieht es immer weniger Abiturienten in das Bauingenieursstudium.

Noch vor gut zehn Jahren zählten die deutschen technischen Hochschulen und Universitäten sowie Fachhochschulen 12.500 Erstsemester. Gegenwärtig sind es rund 5.900 und damit nochmals 800 weniger als vor einem Jahr. Damit ist die Zahl der Studienanfänger noch unter den Stand von 1989 in Westdeutschland - also vor dem Beginn des Baubooms nach der Wiedervereinigung - gefallen. Somit zeichnet sich schon heute ab, daß in einigen Jahren die frischen Absolventen gute Chancen am Arbeitsmarkt haben - sofern der Aufschwung anhält.

Spektakuläre Pleiten schadeten der Popularität

Daß sich die Zahl des akademischen Nachwuchses inzwischen in engen Grenzen hält, liegt vor allem an dem generell negativen Bild der Branche: Da die Bauindustrie über zehn Jahre überwiegend über Umsatzrückgänge, Stellenabbau und spektakuläre Pleiten berichten mußte, litt auch ihre Attraktivität unter den Studenten.

Deshalb klagen Bauunternehmen durchaus offen darüber, daß die besseren angehenden Ingenieure der Branche den Rücken kehren - sie lassen sich lieber für die Autoindustrie oder den Flugzeugbau ausbilden, wo die Chancen am Arbeitsmarkt vermeintlich besser sind. Dies hilft aber den verbliebenen Akademikern in der Bauindustrie, da die Konkurrenz verhältnismäßig gering ist.

Text: pso. / F.A.Z., 9.9.2006
Bildmaterial: F.A.Z.
 
 
   
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