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Karrieresprung Könige stolpern über Kieselsteine (I) - Die Bewerbung Von Sabine Raiser
Könige stolpern über Kieselsteine - sie scheitern nicht an Bergen. Das passiert nicht nur in der Politik oder in den Führungsetagen. Es ist gelebter Alltag. Überall und für alle. Insbesondere beim Start in eine neue Karriere gibt es immer wieder die kleinen, sogenannten Nebensächlichkeiten, über die so mancher stolpert, noch bevor er zeigen kann, wie gut er wirklich ist. Das ist schade und meist unnötig. Wer sich auf dem Karriereweg befindet, verliert mitunter den Blick für die scheinbar kleinen, aber nicht unwesentlichen Dinge. Konzentration und Engagement werden oft nur in die Hard Skills gelegt. Gemeint sind Fachkompetenz und Erfahrung. Arbeitgeber und Personalberater bestätigen, daß die Entscheidung für einen Kandidaten bis zu 80 Prozent von dessen Fachkompetenz getragen wird. Aber sie wissen auch, daß bereits bei dem Versuch, diese Fachkompetenz deutlich zu machen, die erste Hürde liegt. Oft verfehlen Experten wie auch Berufsanfänger diese erste Möglichkeit, mühsam erworbene Fähigkeiten vor Ort präsentieren zu können, weil ihre Bewerbungsunterlagen das frühe Aus bedeuten. Technologische Hilfsmittel präzisieren und beschleunigen heute die Darstellung individueller Lebensläufe. So hat etwa die apentia consulting group, eine Personalberatung, die sich der Vermittlung von SAP-Experten widmet, ihren ProfilScanner entwickelt, in den Kandidaten ihr detailliertes Profil online einpflegen können. Damit wird die gewünschte Deckungsgleichheit zwischen Kandidaten- und Anforderungsprofil ermittelt. Themenfremde Ausführungen fallen weg. Und damit auch jene Zeitdiebe, die von den vorhandenen und gesuchten Qualitäten ablenken. Wenn das Fachliche stimmt, wird eine Qualitätsprüfung vorgenommen. Nicht immer sind die gemachten Angaben über Fach- oder Sprachkenntnisse deckungsgleich mit dem aktuellen Stand. Zum einen kann es einen Bruch zwischen Selbsteinschätzung und Realität geben. Zum anderen erlauben es sich einige wenige Kandidaten zu schummeln. Durchaus mit dem Ziel, bis zum erhofften Termin diese Lücke zu füllen. Hauptsache erst einmal eingeladen werden. Klare Kommunikation - Kieselsteine, denkt manch Kandidat Kommt es zu einem persönlichen Gespräch, gilt es die zweite Hürde zu nehmen: Die angegebene Kompetenz muß unter Beweis gestellt werden. Das Versprochene und das Vorhandene sollten deckungsgleich sein. Zumindest weitgehend. Wer in der Bewerbung verspricht, was er beim Termin nicht halten kann, hat schlechte Karten. In einem solchen Fall wird die Arbeit des Personalentscheiders erschwert. Denn er muß herausfinden, ob die Angaben bewußte Falschaussagen sind oder ob der Kandidat aktuell einfach nicht in der Lage ist, die durchaus vorhandenen Qualitäten zu vermitteln. Die Präsentation vorhandener Kompetenzen funktioniert über klare Kommunikation. Die Konzentration liegt dabei auf der Wortwahl und auf der Körpersprache. Beides mußstimmig sein. Um das zu erreichen, gibt es zwei Wege. Der eine geht über weitgehend bekannte und allgemein gültige Regeln. Sie sind für jedermann anwendbar. Patentrezepte eben. Der zweite Weg geht über die Erkenntnis der eigenen Stärken und Schwächen. Sie sind individuell und damit unteilbar. Der erste Weg ist relativ einfach und sollte schnell zu erlernen sein. Denn er erfordert nur die Konzentration und Umsetzung dessen, was jeder eigentlich schon weiß, aber oft im entscheidenden Moment nicht parat hat. Jeder weiß doch, daß er beim Vorstellungsgespräch pünktlich und gepflegt erscheinen sowie gerade sitzen sollte, Blickkontakt mit dem Gegenüber hält und ihn ausreden läßt, bevor er antwortet. Die Realität in Vorstellungsgesprächen indes ist erschreckend oft eine andere. Nervosität, zu viele zu gute Ratschläge von zu vielen Seiten, mangelnde Kenntnis darüber, was man selbst verkraften kann, lassen die Kluft zwischen Theorie und Praxis mitunter weit auseinanderfallen. Es hat durchaus etwas Tragisches, wenn Verträge nicht zustande kommen, obwohl beide Seiten fachlich bestens zusammenpassen, nur weil Kandidaten die Konzentration nicht ausreichend auf das persönliche, das innere wie das äußere, Erscheinungsbild legen. Fachwissenwissen mit Leben füllen Und deshalb muß jedem Kandidaten klar sein, daß er sein Ziel kaum erreichen wird, wenn er bei der Vorbereitung auf den Termin und im Gespräch nur auf der Sachebene bleibt. Für die Präsentation der fachbasierten Schwerpunkte helfen elektronische Hilfsmittel wie Online-Bewerbungsunterlagen. Diese standardisierten Profile gilt es jedoch mit Leben zu füllen. Schon wieder ein Stolperstein. Gerade bei IT-fokussierten oder anderen Berufen, die hohes Spezialwissen erfordern. Mit Leben ausfüllen bedeutet, den Versuch zu wagen, weitgehend authentisch zu sein. Keine fremden Rollen zu spielen, die zu klein oder zu groß sind. Einige Kandidaten drehen völlig auf beim Vorstellungsgespräch, weil ihnen irgendwer gesagt hat, sie sollen nicht so introvertiert sein wie sonst. Andere wiederum, sind merkwürdig zurückgehalten. Warum? Weil sie von ihren Mitmenschen gespiegelt bekommen, daß sie sich zurücknehmen sollen im Dialog mit anderen. Und weil sie oft selbst nicht wissen, wo ihre Stärken und Schwächen liegen, oder wie diese im entscheidenden Moment zu steuern sind. Andere nehmen einen Termin wahr, obwohl sie am Tag zuvor beispielsweise von ihrem Partner verlassen oder krank wurden. Das steh ich durch. Die eine Stunde reiße ich mich zusammen, wenn nötig mit Tabletten, ist dann die Devise. Auch schon vorgekommen: Andere wollen ihren Kreislauf ein wenig in Schwung bringen und haben irgendwo gelesen, daß Sekt dazu dienlich sei. Daß ein Schlückchen den Geruchsinn des Gegenübers ebenso irritiert wie eine ganze Flasche, wird weggeblendet. Das sind Dinge, die jeder weiß, solange es andere betrifft. Sie passieren auch bei sehr klugen Menschen. Kieselsteine eben. Patentrezepte und Selbsterkundung Beispiele für das Stolpern über Kieselsteine gibt es so viele wie Absagen. Jede Situation ist anders. Jedes Unternehmen ist anders. Jeder Gesprächspartner ist anders. Und man selbst ist auch nicht immer und überall die oder der Selbe. Patentrezepte für das stets Wechselnde können nur bedingt helfen. Gelernt werden muß daher, heute mehr denn je, die Fähigkeit zur Konzentration auf die aktuelle Situation sowie das unbeirrbare Gespür für die eigenen Grenzen und Fähigkeiten. Dies ist der zweite, sehr viel schwierigere Weg. Er heißt Selbsterkundung und ist oft holprig. Aber er ist auch lustig und lehrreich. Und vor allem ist er unabdingbar für jeden, der Karriere machen will und für jeden, der Karrieren unterstützen will. Eine Landkarte für diesen Weg ist die Integrale Profil-Analyse (IPA). Sie vereint unterschiedliche Methoden und beschreibt, wie man aus Stolpersteinen beispielsweise eine Treppe bauen kann. Bis die jedoch fertig ist, sind unbedingt die folgenden allgemeingültigen Regeln zu beachten. Unbedingt beachten Erscheinungsbild: - Gepflegte, passende und angemessene Kleidung. Passend in Bezug auf Farbe und Stil. Angemessen je nach der zu besetzenden Position und der Unternehmenskultur. Weniger Farbe ist mehr Harmonie beim Vorstellungsgespräch. - Gerade und offene Körperhaltung, die Klarheit und Selbstbewußtsein vermittelt. - Mimik und Hände locker lassen und synchron zu den Aussagen bewegen. - Blickkontakt halten und loslassen. Kommunikation: - Lassen Sie Ihren Gesprächspartner jeden Satz beenden, bevor Sie Antworten. Auch wenn Sie glauben, die Fragen schon nach dem ersten Wort zu kennen. - Kommen Sie schnell auf den Punkt. Interessant ist hier nur, was unmittelbar mit der ausgeschriebenen Stelle zu tun hat. Nebenfähigkeiten können am Ende, wenn noch Zeit bleibt, thematisiert werden. - Sprechen Sie langsam und deutlich. - Machen Sie Pausen zwischen inhaltlich voneinander getrennten Themen. - Geben Sie dem Gesprächspartner eine Chance, dazwischen zu kommen, ohne Sie unterbrechen zu müssen. - Achten Sie auf den Gesichtausdruck und die Haltung Ihres Gegenübers. Lesen Sie daraus, ob er Fragen hat, ob er Ihnen noch folgen will und kann, oder ob Sie ihn schon verloren haben. - Wenn Sie glauben, daß Sie ihn verloren haben, machen Sie eine Pause und holen ihn wieder zurück. Unbedingt vermeiden Erscheinungsbild: - Kleidung, die von den eigentlichen Themen ablenkt und Ihr Äußeres in den Mittelpunkt stellt. - Sitzhaltung und Gesichtausdruck, die Unbehagen oder Mitleid beim Gesprächspartner auslösen. - Mimik und Haltung, die konträr zu den Aussagen sind. - Blickkontakt, der dominiert oder zu abschweifend ist. - Spielen oder klopfen mit Gegenständen wie Kugelschreiber, Kaffeelöffel, Zuckertütchen. Kommunikation: - Lassen Sie sich nicht treiben von dem Zeitdruck. Wenn die vorgegebene Stunde nicht reicht, wird man Sie ein zweites Mal kommen lassen. Sofern Sie in der ersten Stunde punkten. - Versuchen Sie nicht, Ihr ganzes Leben in eine Antwort zu packen. - Langweilen Sie ihn nicht mit Details aus der Schulzeit, wenn der Gesprächspartner Sie bittet, etwas aus Ihrem Leben zu erzählen. Es sei denn, diese Ereignisse stehen in enger Verbindung mit der Stelle, um die Sie sich bewerben. - Verspielen Sie Ihre Chancen nicht durch ein Aufblähen Ihrer Wissensvielfalt. Besser ist, Sie beherrschen zwei, drei Themen wirklich, als dass Sie sechs oder sieben angeben und dann den Qualitätscheck nicht bestehen. - Sagen Sie nicht, dass Ihre Fremdsprachenkenntnisse gut sind, wenn Sie es nicht schaffen, das laufende Gespräch in diesen Sprachen weiter zu führen. Sabine Raiser von Raiser Kommunikation & Strategie, Düsseldorf. Kontakt: www.raiser-komm.de |
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