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Karriere in Neuseeland Vorbeigehen, klingeln, fragen
6200 deutsche Deutsche sind im vergangenen Jahr nach Neuseeland ausgewandert, zehnmal mehr als im Jahr 2000. Doch der Bedarf des Inselstaates am anderen Ende der Welt - vor allem nach Informatikern - ist noch längst nicht gestillt. "Die Industrie benötigt 35 000 Informatiker in den kommenden zehn Jahren; so viele Fachleute kann Neuseeland gar nicht ausbilden", sagt Andrew Lockhart vom neuseeländischen Arbeitsministerium. Das Land hat bereits die niedrigste Arbeitslosenquote unter den OECD-Industrieländern. Da die Branche viel schneller wächst als der Rest der Volkswirtschaft, sollen mindestens 20 000 Fachkräfte aus dem Ausland in die drei Metropolen Auckland, Wellington oder Christchurch geholt werden. Tolle Landschaft, hohe Lebensqualität Neuseeland lockt mit einer traumhaften Landschaft, aber inzwischen auch mit hoher Lebensqualität. "In der IT-Branche liegen die Löhne 40 Prozent über dem Durchschnitt in Neuseeland", sagt Ian Riddle von der neuseeländischen Einwanderungsbehörde, der 100 offene Stelle schon einmal zur Computermesse Cebit nach Hannover mitgebracht hat. Gesucht werden vor allem Spezialisten für Systemanalyse, Anwendungsentwicklung und Marketing. Zwei Jahre Berufserfahrung sollten die potentiellen Neuseeländer mitbringen. Dann sei es sehr leicht, eine Stelle zu finden. "Vorbeigehen, klingeln, fragen", beschreibt Tobias Gefken die typische Suche nach einem Arbeitsplatz. Der Deutsche hat schon während seines Studiums der Mediensysteme an der Fachhochschule Darmstadt einen Teil der Ausbildung in Christchurch absolviert. Deutschland kein Thema mehr Nach seinem Abschluss stand seine Entscheidung für ein Land schnell fest. "Deutschland ist für mich kein Thema mehr. Mein Lebensstandard ist in Neuseeland viel höher", sagt Gefken. Die meisten Auswanderungswilligen benötigen allerdings rund 18 Monate von der Entscheidung bis zum Antritt der neue Stelle. Der Arbeitsmarkt sei völlig unbürokratisch organisiert. Viele Unternehmen stellten neue Arbeitskräfte erst einmal auf Probe ein. Wer etwas könne, dürfe bleiben. Die Kündigungsfrist betrage vier Wochen, aber eine neue Stelle sei schnell gefunden. "Dort wird die Arbeitsstelle viel häufiger gewechselt als in Deutschland", sagt Gefken. Auch die Arbeitsatmosphäre sei angenehmer als in Deutschland: "Natürlich gibt es dort auch Druck. Aber weniger Stress, sondern mehr Motivation." Zur Selbständigkeit gezwungen Er entwickelt heute in Christchurch interaktive Lernprogramme für Medizinstudenten. Noch ist er Angestellter der Hitlab NZ, gründet aber bald seine eigene Firma. "Man wird fast zur Selbständigkeit gezwungen, um Arbeitsplätze zu schaffen", sagt Gefken, der sich nach drei Berufsjahren zur neuseeländischen Mittelschicht zählt. Auslöser des Aufschwungs der Branche war der Kinofilm "Der Herr der Ringe", der in Neuseeland gedreht wurde. Die aufwendige Produktion des Films hat vor allem der Medientechnik einen Schub gegeben. Hauptprofiteur dieser Entwicklung ist die Hauptstadt Wellington, die am Südzipfel der wirtschaftlich dominierenden Nordinsel liegt. "Hier sitzen die Kreativen. In Christchurch haben sich eher die Softwareentwickler und Marktforscher angesiedelt. Die meisten internationalen Konzerne haben sich in Auckland niedergelassen - wegen der guten Verbindungen nach Sydney", sagt Campbell Hepburn vom neuseeländischen Personalberatungsunternehmen Hudson. Text: ht./F.A.Z., 19.03.2007, Nr. 66 / Seite 18Bildmaterial: picture-alliance / dpa/dpaweb |
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