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Karrieresprung

Berater in der guten Sache

Von Birgit Obermeier



Karrieresprung - bei FAZ.NET
02. April 2004 
Sie versorgen Leprakranke in den Slums von Kalkutta, unterrichten Waisenkinder im brasilianischen Dschungel oder bauen vom Bürgerkrieg zerstörte Hütten in Zentralafrika auf. Altruisten, Idealisten, Sinnsucher. Soweit die gängigen Klischees über Menschen, die ihren Job in der geordneten Heimat für ein paar Jahre gegen einen Projekteinsatz in der Einwicklungszusammenarbeit eintauschen.

Daß diese auch eine ganz andere Dimension aufweist, zeigt der Blick in den Online-Stellenpool der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ), einem Bundesunternehmen mit entwicklungspolitischem Auftrag. Gesucht wird: Ein Regierungsberater für armutsorientierte Haushalts- und Finanzpolitik in Kenia. Oder: Ein Sektorsprecher für die Wasserwirtschaftsplanung im Jemen. „Unser Geschäft ist die Beratung“, sagt GTZ-Sprecher Hans Stehling. Und zwar längst nicht mehr nur im technischen Bereich, wie der Name suggeriert.

Die Projekte der GTZ laufen durchschnittlich über drei Jahre und werden nach deutschen Gehaltsmaßstäben vergütet. Von den Bewerber wird viel verlangt: Einen Hochschulabschluß und mehrere Jahre Berufspraxis - möglichst auch in einem Schwellenland - sollen sie mitbringen, ebenso Managementqualitäten, Flexibilität, hohe interkulturelle Kompetenz sowie „Toleranz und Gelassenheit im alltäglichen Leben“.

Anleitung zur Selbsthilfe

Auch der Deutsche Entwicklungsdienst (DED), der im Auftrag des Bundes Entwicklungshelfer entsendet, sucht heute mehr Berater denn Helfer im Wortsinn. „Die geforderten Qualifikationen sind deutlich gestiegen“, sagt Gottfried Wirtz vom Bewerberreferat des DED. Dessen Fachkräfte arbeiten auf der Mikroebene mit den Einheimischen zusammen, vorwiegend in den Bereichen Agrar, Kommunalverwaltung, Wirtschafts- und Beschäftigungsförderung sowie Gesundheit. Mit dem geringeren Berater-Einfluß geht ein bescheideneres Einkommen einher: DED-Kräfte erhalten nach dem Entwicklungshilfegesetz unabhängig von ihrer Qualifikation 873 Euro monatlich. Zudem stellt der DED allerdings die Unterkunft, gewährt spezielle Beihilfen und zahlt auch für die mitgereiste Familie Unterhalt. Wirtz: „Insgesamt lebt man vor Ort damit einen Mittelklasse-Standard.“

An Interessenten für die Entwicklungszusammenarbeit mangelt es nicht. Gerade in Zeiten, in denen der heimische Arbeitsmarkt wenig Perspektiven bietet, gewinnt ein Auslandseinsatz mit Sinnkomponente an Attraktivität. „Wir verzeichnen deutlich mehr Bewerber als früher“, sagt GTZ-Sprecher Stehling. Interessante Möglichkeiten bieten GTZ und DED auch für Hochschul-Absolventen: Im zweijährigen Trainee-Programm der GTZ etwa arbeiten sie vor Ort in Projekten, in Workshops und Seminaren lernen sie zudem das Handwerkszeug eines Managers.

Börse für sinnstiftende Top-Jobs

Eine interessante Alternative zur staatlichen deutschen Entwicklungszusammenarbeit bietet das Centrum für internationale Migration und Entwicklung (CIM). Als spezialisierter Personaldienstleister vermittelt es sowohl hochprofilierte als auch Nachwuchs-Stellen in Entwicklungsländern, Mittel- und Osteuropa. Kooperationspartner sind staatliche und private Arbeitgeber, die eine wichtige entwicklungspolitische Bedeutung für ihr Land haben. Direkt mit ihnen schließen die deutschen Experten einen Arbeitsvertrag und sind als „Integrierte Fachkräfte“ damit fest in die Strukturen vor Ort eingebunden.

Ein lokaler Arbeitsvertrag - das klingt zunächst eher abschreckend. Allerdings: Das CIM stockt das ortsübliche Gehalt für eine Vertragsdauer von zwei bis sechs Jahren auf deutsche Verhältnisse auf. Der Zuschuß stammt - wie der Großteil der Gelder des CIM - aus den Töpfen des Bundesentwicklungsministeriums (BMZ) und ist in der Regel steuerfrei. Der Personalvermittler übernimmt zudem die Kosten für Reise, Vorbereitungsseminare sowie einen Teil der laufenden Versicherungen in Deutschland. Auf die Arbeitsbedingungen vor Ort hat er bei der Auswahl der Arbeitgeber ein Auge: „Ein Arbeitszimmer und Computeranschluß sind Standard“, sagt CIM-Sprecherin Rosemarie Füglein.

Kulturschock rückwärts

Persönlich bereichernd sind berufliche Erfahrungen in einem Entwicklungsland allemal. Inwiefern sie den Lebenslauf aufwerten - oder zumindest nicht abwerten - hängt vom Einzelfall ab. „Wer 15 Jahre im Busch verbracht hat, ist hierzulande schwer vermittelbar“, sagt GTZ-Sprecher Stehling. Völlig anders verhalte es sich mit Fachleuten, die drei Jahre lang in leitender Funktion in China tätig waren. Generell, so glaubt man bei der GTZ auszumachen, sind große Unternehmen dabei, ihre Klischees von der Entwicklungsarbeit zu revidieren.

Mit einer vorübergehenden Arbeitslosigkeit müssen die Rückkehrer freilich rechnen. Von den 221 CIM-Experten, deren Vertrag im vergangenen Jahr auslief, nahm knapp ein Drittel die angebotene Übergangshilfe in Anspruch, im Durchschnitt 6,5 Monate lang. Das CIM unterstützt Rückkehrer bis zu zwölf Monate lang finanziell, schließlich erwerben sie durch ihren lokalen Arbeitsvertrag hierzulande keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld. „Eine gewisse Ambiguitätstoleranz müssen unsere Leute schon mitbringen“, meint auch DED-Personaler Wirtz.

Um den Rückkehrern den beruflichen Wiedereinstieg zu erleichtern, plant die Zentralstelle für Arbeitsvermittlung (ZAV) der Bundesagentur für Arbeit (BA) derzeit eine eigene Stellenbörse im Internet. Diese müßte eigentlich zu einer Fundgrube für Arbeitgeber werden, meint Eva Maria Kuhn, Teamleiterin Internationaler Arbeitsmarkt bei der ZAV: „Wer in der Entwicklungszusammenarbeit tätig war, hat schließlich unter extremen Bedingungen Durchsetzungsvermögen und Soft Skills bewiesen.“

Linktips für Interessenten der Entwicklungszusammenarbeit:

www.cimonline.de

www.ded.de

www.gtz.de



Text: @rwi
 
 
   
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