28. August 2008 Kaum hatten die ersten Detektorempfänger den mysteriösen Schwingungen des Äthers näselnde Töne entlockt, inszenierte eine keimende Branche das bis dahin Unerhörte in einer Messe – der Funkausstellung in Berlin. Das war anno 1924. Seither hat sich die Institution unter dem historischen Funkturm immer wieder neu erfunden – bis zum heutigen Tag: Die Veranstaltung, als Internationale Funkausstellung (kurz IFA) längst zum globalen Mekka der Unterhaltungselektronik avanciert, tritt in diesem Jahr erst mal gleich als Doppelpack an: Neben den funkelnden Neuheiten aus den Umfeldern der elektronischen Medien und der Kommunikation präsentiert die Megaschau nun auch das Feinste und Neueste aus der Branche für elektrische Hausgeräte – Home Appliances haben hier endlich wieder eine angemessene internationale Plattform.
Die großen weißen Themen
Von den zehn meistgebrauchten Hausgeräten gehören je fünf zur weißen und zur braunen Ware, Fernseher und Kühlschränke führen die Ranglisten an. Die großen weißen Themen der Branche, die sich bei ihrem ersten Auftritt auf der IFA auf gut 30 000 Quadratmeter präsentiert, sind derzeit Lifestyle, Bequemlichkeit, Bedienkomfort, gesundes Kochen sowie Energieeffizienz und Ressourcenschonung, das gilt für alle großen Marken, für große wie für kleine Geräte. Und wenn die noch dazu attraktiv gestaltet und in schicke Materialien gekleidet sind, dann kann es zu der Emotionalisierung kommen, an der der Industrie so viel liegt. Mit der neuen HiFi-Anlage oder dem Superflachbildschirm wird immer aufgetrumpft, aber wer führt seine Gäste schon in den Keller, um ihnen die neue Superwaschmaschine oder die neueste Trocknertechnik zu zeigen? Dagegen hat es der Kaffeevollautomat, derzeit ein favorisiertes Thema, in den Rang eines Vorführgeräts geschafft, Bügeleisen oder Staubsauger eher nicht.
Die deutschen Verbraucher wollen zwar Energie sparen und dafür effiziente Geräte kaufen, aber leider meist erst, wenn die alten ihren Geist aufgeben. Das gilt vor allem für Kühl- und Gefriergeräte, die immerhin ein Drittel der Energiekosten in einem Durchschnittshaushalt verursachen. Einen 15 Jahre alten noch funktionierenden Kühlschrank auszumustern, obwohl ein neuer weniger als halb so viel Strom braucht, ist offenbar schwieriger als den Röhrenfernseher rauszuwerfen, weil es jetzt ein Flachbildschirm sein soll.
Bei knapp über 0 Grad Celsius und idealer Luftfeuchtigkeit
Side-by-side-Kühlschränke sind gegenwärtig auf dem Vormarsch, weil man darin nicht nur reichlich Lebensmittel verstauen kann, sondern dies auch immer länger. Denn Vielbeschäftigte kaufen nicht mehr im Zwei-Tage-Rhythmus im Supermarkt ein, sondern tun dies vielleicht nur noch einmal die Woche. In verschiedenen Klimazonen bieten moderne Kühlgeräte für jedes Lebensmittel die richtige Lagertemperatur: Bei knapp über 0 Grad Celsius und idealer Luftfeuchtigkeit bleiben Obst und Gemüse, Fisch, Fleisch und Milchprodukte bis zu dreimal so lange frisch wie im herkömmlichen Kühlteil. In den Schubfächern kann man außerdem die Luftfeuchtigkeit individuell einstellen.
Das gilt etwa für die neue Kombination SBSes 7273 mit Ice-Center von Liebherr. Der 1,21 Meter breite und 1,85 Meter hohe Bolide für etwa 3700 Euro fasst 243 Liter nebst 92 Liter im Gefrierfach. Ein in seine Tür integriertes Ice-Center liefert Eiswürfel, Crushed-Ice und kaltes Wasser zum Trinken. Eine angenehme Funktion der Premium-Plus-Geräte von Liebherr ist die Schließdämpfung: Von einem 30-Grad-Winkel an wird die Tür automatisch geschlossen. Das Riesending hat einen Jahresverbrauch an Strom von 460 kWh und ist in die Energieeffizienzklasse A+ einsortiert.
17-Zoll-LCD-Fernseher in dunkler Glasfront
Riesig sind auch die American Side-by-side-Kombis von AEG mit einem assungsvermögen von 550 Liter, die im Oktober für 3500 Euro in den Handel kommen. Bei Siemens gibt es einen neuen Kühlturm mit der ausgeklügelten Technik, dessen Name Coolmedia Programm ist: Er steht wie kein anderer für die Verbindung von weißer und brauner Ware, denn er hat in seiner dunklen Glasfront einen 17-Zoll-LCD-Fernseher eingebaut. Bei Miele heißt die neue Kühlgerätegeneration Master Cool und ist ebenfalls von amerikanischen Dimensionen inspiriert: Sie kommt mit einem Baukastensystem in Breiten zwischen 44 und 90 Zentimeter und ist vielfältig individuell einstellbar, auffallend ist ein neues Lichtsystem. Mit ihrer Gestaltung in Glas oder Edelstahl werden diese Kühlgeräte zu Designobjekten, prestigeträchtig sind sie ohnehin schon.
Strom sparen wollen die Kunden auch bei Wasch- und Trockenautomaten sowie Geschirrspülern, und mit den neuen Typen gelingt das auch. Wasser wird bis zum letzten Tropfen mehrfach genutzt, Wärme zurückgewonnen zum Aufheizen des Wassers. Eine ausgeklügelte Regelelektronik kümmert sich um die optimale Behandlung von Wäsche und Geschirr. Den Fortschritt kann man ermessen, wenn man sich vorstellt, dass der Lavamat von AEG, präsentiert vor 50 Jahren als erster Waschvollautomat auf dem Markt, für fünf Kilogramm Wäsche sage und schreibe 200 Liter Wasser und dazu noch Drehstrom brauchte. Heutige Modelle kommen mit 45 Liter für sieben Kilo aus, das gilt auch für das Jubiläumsmodell Lavamat 5.0, das Electrolux für 669 Euro samt 50 Monaten Garantie anbietet. Mit Anschluss an die Warmwasserleitung kann eine Waschmaschine heute ordentlich Energie sparen, die Waschprogramme sind bereits für mehr als ein Dutzend Fleckenarten optimiert. Kurze Dampfprogramme dienen dem Auffrischen verschwitzter Kleidung. Der Möglichkeiten bei Vollautomaten sind so viele, dass Miele mit einer neuen Baureihe etwas zurückrudert: Als Miele Klassik gibt es Waschmaschinen und Trockner, die sich auf die wichtigsten Programme beschränken, deren Beschriftung gut ablesbar und deren Bedienelemente bestens zu greifen sind. Danach fragen übrigens nicht nur ältere Herrschaften, wie es heißt.
Das erleichtert das anschließende Bügeln oder macht es sogar überflüssig
Wärmepumpen unterstützen das Energiesparen in den Wäschetrocknern. Beim EcoLogixx 7 von Bosch wirkt das Activeair-System so erfolgreich, dass es für seine ökonomischen Leistungen noch gar keine Klassifizierung gibt. Das klingt nach Maßstab, und das Öko-Institut hat es bestätigt. Gerade bei Trocknern kommt es auf das Fassungsvermögen der Trommel an, denn je mehr Platz die Kleidungsstücke darin haben, desto weniger knittern sie. Das erleichtert das anschließende Bügeln oder macht es sogar überflüssig. Der Wärmetauscher des EcoLogixx 7 ist dazu wartungsfrei, denn er reinigt sich selbst. Preis: 1099 Euro
Siemens setzt für seine neue Geschirrspülergeneration das Mineral Zeolith mit seiner extrem großen Oberfläche ein, das Feuchtigkeit speichern und dabei Energie abgeben kann und umgekehrt. Das macht man sich zunutze, um einen Durchgang im 50-Grad-Programm der Speedmatic-Geschirrspüler auf 125 Minuten zu verkürzen, und das kostet nur eine knappe Kilowattstunde Strom. Soll es noch schneller gehen, kann man den Trocknungsturbo einschalten, was freilich zulasten des Stromverbrauchs geht. Aber wenn es während der Party einmal besonders schnell gehen muss, ist das sehr nützlich. Kommt es auf die Zeit gar nicht an, kann man das Programm im Sparmodus mit 0,83 kWh in 140 Minuten ablaufen lassen. Zudem sind moderne Spüler flüsterleise, können Spezialprogramme ausführen, ihr Innenleben an alle Größen von Geschirr und Töpfen anpassen und ihre Tätigkeit etagenweise variieren.
Gespann aus Induktionskochfeld und Dampfabsauger
Kochen muss derzeit das Freizeitvergnügen Nummer eins sein, wenn man die Zahl der Kochshows im Fernsehen zugrunde legt. Dabei sind die Trends durchaus zwiespältig: Für den Alltag darf es immer öfter Convenience-Food, sprich Tiefkühl-, Dosen- oder Packungsfutter sein, aber am Wochenende wird gekocht, mit allen Schikanen und am liebsten mit Gästen. Groß in Mode sind Dampfgarer, in denen kein Vitaminchen verlorengeht, entweder als Einzelgeräte oder als Bestandteil des Backofens. Die Steigerung davon ist das Klimagaren bei der Backofen-Generation 5000 von Miele. Hier schlürft das Gerät für das entsprechende Programm Wasser in einen Tank, aus dem es dann genau dosierte Dampfstöße über Brot oder Braten schickt: auf dass das Ergebnis schön kross wird. Das Unternehmen hat auch der Dunstabzugshaube Intelligenz eingebaut: Zum Konzept Con@ctivity gehört ein Gespann aus Induktionskochfeld und Dampfabsauger: Der Herd spielt der Haube Daten über das Stromnetz zu. Und sobald die Kocharbeiten beginnen, schaltet die Haube Licht und Ventilator an. Je heißer es dann auf der Kochfläche zugeht, desto stärker legt er sich ins Zeug. Die Kochfelder werden immer breiter, 90 Zentimeter sind das Maß der Dinge, und es wird immer öfter mit Induktion gekocht. Deren Vorteile sprechen sich jetzt doch langsam herum, fast ein Drittel der neuen Mulden arbeitet nach diesem Prinzip. Beliebt sind auch individuelle Gerätezusammenstellungen für das Kochfeld.
Für effektives Staubsaugen ist die Wattzahl des Motors nicht der entscheidende Wert, hier ist reichlich Potential zum Energiesparen. Ein Hingucker ist die skulpturhafte Limited Edition des Akku-Staubsaugers Ergorapido black & white von Electrolux, der sich als Hand- wie als Bodenstaubsauger einsetzen lässt. Dem Thema Kaffeezubereitung widmet sich außer den großen Herstellern (Siemens zeigt eine nagelneue EQ7) eine ganze Reihe von Spezialisten, daher gibt es Kaffeevollautomaten in Hülle und Fülle und mit allen Graden von Raffinesse. Das reicht von der winzigen Padmaschine von WMF für eine einzige Tasse bis zu den Maschinen, die zwei Latte Macchiato gleichzeitig nach besonderen, wenn es sein muss über das Internet übermittelten Rezepturen zu einem bestimmten Zeitpunkt übereinanderschichten. Denn immer mehr Küchengeräte sind internetfähig, eines Tages machen sie (hoffentlich) die Hausarbeit unter sich aus. Dann können wir endlich im Brustton der Überzeugung den Schlager singen: Das bisschen Haushalt . . .
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Hersteller
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17:48Mal ehrlich, Herr Steinmeier, das war doch eine armselige Lachnummer !