01. September 2008 Samsung denkt nicht daran, sich Marktanteile abnehmen zu lassen. Bis zu 20 Prozent gehen die Preise jedes Jahr nach unten. Das wird auch so bleiben. Um trotzdem die Marge zu halten, sucht sich das Unternehmen neue Märkte. F.A.Z. sprach mit Jong Woo Park, Unterhaltungselektronik-Chef von Samsung.
Die Unterhaltungselektronik muss Jahr für Jahr einen kräftigen Preisverfall verkraften. Verdienen die Unternehmen überhaupt noch Geld?
Im besten Fall bleiben die Preise stabil. Aber normalerweise haben wir einen Preisverfall von mindestens 10 bis 20 Prozent im Jahr. Das lässt sich nicht vermeiden. Der Wettbewerb ist sehr hart, und alle Unternehmen versuchen mit immer niedrigeren Preisen, Marktanteile von der Konkurrenz zu gewinnen.
Und die Marge?
Es ist heute eine echte Herausforderung, die Marge wenigstens stabil zu halten. Die Preise gehen herunter, und gleichzeitig steigen die Kosten für Energie und Rohstoffe. Die Margen in der Branche liegen zurzeit zwischen 4 und 5 Prozent.
Und was verdient Samsung?
Auch unsere Marge liegt in dieser branchenüblichen Bandbreite. Wir versuchen, die Kosten zu senken und unsere Abläufe zu verbessern. Der Preiskampf führt aber auch dazu, dass wir mehr Geräte verkaufen und daher Volumenvorteile auf Seiten der Kosten realisieren können.
Sie setzen voll auf die Skaleneffekte der Massenproduktion?
Ja. Wenn sie nicht genug Geräte verkaufen, können sie keine guten Preise bieten. Kleine Mengen und hohe Preise sind etwas für Nischenanbieter. Nicht aber für Samsung. Wir bieten eine breite Produktpalette zu extrem wettbewerbsfähigen Preisen. Wir gehen mit den Preisen so weit runter, wie wir irgendwie können. Das ist das Geschäftsmodell. Wir brauchen hohe Volumina und wachsende Marktanteile.
Kann Samsung den Absatz trotz einer drohenden Rezession weiter steigern?
Ja. Wir haben im vergangenen Jahr mit den Produkten aus dem Bereich Digital Media einen Umsatz von rund 30 Milliarden Dollar gemacht. Im laufenden Jahr rechnen wir mit rund 40 Milliarden Dollar. Für das Jahr 2009 haben wir uns noch nicht geäußert, wir werden aber auf jeden Fall weiter wachsen.
Also fällt die Krise aus?
Nicht ganz. Wir bemerken in den Vereinigten Staaten durchaus, dass die wirtschaftliche Situation Auswirkungen auf unser Geschäft hat. Die Nachfrage geht herunter. Je nach Produktgruppe ist es zwischen 5 bis 10 Prozent weniger. Allerdings boomt dort auch weiterhin die Nachfrage nach den flachen Fernsehern.
Wo kommt denn das Wachstum her?
Wir suchen uns neue Märkte, auf denen es besser läuft. Während die Industriestaaten mit einem oder zwei Prozent Wachstum arbeiten, sprechen wir in Indien, China oder Russland von 10 Prozent oder mehr. Brasilien gehört zum Beispiel auch zu dieser Gruppe - und in all den Ländern bildet sich inzwischen eine Mittelschicht, die sich etwas mehr leisten kann und will.
Aber die Branche hat doch jetzt Bluray, die neue Speichertechnik für die hoch auflösenden Filme. Kommt da neuer Umsatz her?
Das hofft die ganze Branche. Die Frage ist nur: Wie überzeugen wir den Verbraucher? Dabei müssen die Gerätehersteller mit den Anbietern der Inhalte zusammenarbeiten.
Sony ist ganz stolz darauf, eigene Inhalte wie Musik und Filme zu haben, und verspricht sich davon einen Vorteil gegenüber den Wettbewerbern.
Wir sind nicht im Geschäft mit Inhalten aktiv. Wir setzen eher auf Kooperationen mit den Anbietern der Inhalte - so wie zum Beispiel mit Yahoo.
Samsung setzt auch auf die Vernetzung der Geräte und bringt das Internet auf den Fernseher. Warum gibt es eigentlich noch keinen einheitlichen Standard, der die Geräte verschiedener Hersteller problemlos miteinander vernetzt?
Warum es den Standard nicht gibt? Weil kein Unternehmen seinen Marktanteil kampflos preisgeben möchte. Darum gibt es keinen einheitlichen Standard. Bestes Beispiel ist Bluray. Auch dort hat die Branche die Standardisierungsstreitereien auf die Spitze getrieben. Man bekommt Kopfschmerzen, wenn man daran denkt. Nicht nur als Verbraucher, der mit den verschiedenen Lösungen zurechtkommen muss. Auch den Herstellern macht das keinen Spaß.
Und Samsung würde gerne - nur die anderen machen nicht mit?
Die meisten unserer Produkte arbeiten prima zusammen. Wir sind zudem offen, uns weiter in den Gremien der Standardisierung zu engagieren.
Alle Samsung-Geräte können schon miteinander kommunizieren? Sony will das bis zum Jahr 2010 für 90 Prozent des Angebotes erreichen.
Nein, nicht alle. Das ist nicht trivial oder so einfach, wie es sich anhört. Es wird noch ein paar Jahre dauern. Aber wir kommen gut voran und werden jedes Jahr etwas mehr zeigen.
Für die Fernseher darf es jedes Jahr ruhig etwas weniger sein. Sie werden immer dünner. Was hat der Verbraucher davon, dass sein Fernseher nicht mehr zwei, sondern nur noch einen Zentimeter dick ist?
Ja, das ist der Trick im Moment. Aber die Erklärung ist einfach: Die Kunden wollen ihre Fernseher immer häufiger einfach an die Wand hängen. Dafür sind die Geräte aber oft noch zu schwer. Also müssen wir sie abspecken. Da hilft es, wenn sie dünner werden.
Apropos dünn: Da kommt Ihnen die Technik mit Namen Oled doch ganz recht. Da sind die Bildschirme nur noch drei Millimeter dünn und ähneln eher einer Tapete.
Oled bringt zudem noch deutlich brillantere Bilder.
Na, dann her damit. Warum ist die Ifa-Messe noch nicht voll von Oled-Bildschirmen? Die Hersteller zeigen nur Prototypen.
Die Geräte sind noch zu teuer. Die technischen Probleme sind lösbar. Es geht nur um den Preis. Die Verbraucher wären sicher bereit, etwas mehr für einen Oled-Fernseher zu zahlen. Der ist aber bisher bis zu doppelt so teuer wie ein normaler Flachbildschirm. Das ist noch zu viel.
Wann werden wir denn mehr davon zu günstigeren Preisen sehen?
Ich gehe davon aus, dass die Hersteller im Jahr 2010 mehr Geräte zeigen werden. Dann geht es auch mit der Massenproduktion los, was den Preis nach unten treiben wird.
Das Gespräch führte Johannes Winkelhage
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Matthias Lüdecke - FAZ, obs
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