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Im Gespräch: Ulf Kesting Ein totaler Ausfall ist kaum vorstellbar
Herr Kesting, ist die deutsche Betriebsrente sicher? Ja, sofern sie vernünftig gestaltet ist und die gesetzlichen Bestimmungen beachtet werden. Was ist das schlimmste Szenario für deutsche Betriebsrentner? Das wäre der Totalausfall seiner vom ehemaligen Arbeitgeber gezahlten Betriebsrente. Hierzu müssten aber sowohl der Arbeitgeber als auch der Pensionssicherungsverein (PSV) zahlungsunfähig sein. Das ist etwa so wahrscheinlich wie der Zusammenbruch unseres gesamten Wirtschaftssystems. Was wäre ein realistischer worst case?
Es gibt so viele Sicherungsmechanismen, dass alle Krisensituationen hypothetisch erscheinen. Wahrscheinlicher ist, dass beispielsweise einem Rentner von der Pensionskasse die Rente ausgezahlt wird und die Pensionskasse ihre Überschussbeteiligung auf null reduziert. Somit erhält der Rentner nur die garantierte Summe und verliert einen Teil der Gesamtrente. Dies kann Einbußen bis zu 30 Prozent ausmachen. Gibt es eine ideale Absicherung der betrieblichen Vorsorge? Die verschiedenen Sicherungsmechanismen sind komplex. Um sie zu optimieren, können sie etwa so kombiniert werden: Der Arbeitnehmer erhält eine Versorgung vom Arbeitgeber über eine Unterstützungskasse, die wiederum bei einer deutschen Versicherungsgesellschaft in vollem Umfang rückgedeckt ist, und der Versicherungsvertrag wird an den Arbeitnehmer abgetreten. Dann müssten für Ihren "worst case" die Versicherungsgesellschaft, die Auffanggesellschaft der Versicherungswirtschaft Protektor, der Arbeitgeber und der PSV zahlungsunfähig werden. Ich glaube, mehr Sicherheiten kann man wohl kaum verlangen - oder kennen Sie etwas Vergleichbares? Welches Vorsorgemodell ist für die Unternehmen das attraktivste? Die Vorgaben und die speziellen Bedürfnisse des Unternehmens sowie die Interessen der Arbeitnehmer sind zu unterschiedlich, um hierzu eine pauschale Antwort zu geben.ANTWORT: Am häufigsten werden gut planbare, sichere, leicht verständliche und verwaltungsarme Lösungen ohne Einfluss auf die Bilanz nachgefragt. Im Bereich der Entgeltumwandlung ist die Direktversicherung bei Arbeitgebern wie bei Arbeitnehmern am stärksten verbreitet. Konzentriert sich das deutsche Betriebsrentengesetz zu wenig auf die Bedürfnisse von Unternehmen? Das Betriebsrentengesetz ist ein Arbeitnehmerschutzgesetz. Beide Interessen zu vereinen ist sehr schwer, das zeigt die Rechtsprechung. Der Gesetzgeber sollte in vielen Bereichen der betrieblichen Altersvorsorge, vor allem in den Steuergesetzen, einfachere, zeitgemäße und klare Regelungen für Unternehmen schaffen. Zum Beispiel? Ein Beispiel betrifft aktuell alle deutschen Unternehmen. Durch die internationalen Bilanzierungsrichtlinien und das kommende Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz entstehen erhebliche Unterschiede zwischen der Handelsbilanz und der Steuerbilanz eines Unternehmens. Im Bereich der Pensionsrückstellungen können die Unterschiede zum Nachteil für das Unternehmen bis zu 50 Prozent betragen. So können etwa laut der Handelsbilanz 7,5 Millionen Euro Pensionsrückstellungen nötig sein, steuerlich werden aber nur 5 Millionen Euro anerkannt. Ulf Kesting ist Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für betriebliche Altersversorgung. Das Gespräch führte Matthias Wyssuwa Bildmaterial: DGbAV, ZB
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