Von Hans Riebsamen
04. Juli 2008 Im Januar haben die deutschen Sicherheitsbehörden den Leitern des Jüdischen Museums Frankfurt und des Jüdischen Museums Berlin mitgeteilt, ihre Häuser stünden höchstwahrscheinlich im Visier islamistischer Terroristen. Nach unbestätigten Berichten sollen in Berlin vier Araber beim Ausspähen mehrerer jüdischer Objekte beobachtet worden sein.
In Frankfurt hat man auf die Warnung reagiert und jetzt im Jüdischen Museum am Untermainkai und in der Dependance Judengasse Sicherheitsschleusen eingerichtet. Jeweils zwei Wachleute, ein Mann und eine Frau, sitzen nun den ganzen Tag an den Museumseingängen und kontrollieren die Besucher. Getränke dürfen die Gäste im Gegensatz zu den Gepflogenheiten an Flughäfen immerhin mit ins Museum nehmen.
Die Besucher des Jüdischen Museums Berlin sind an diese Prozedur längst gewöhnt. Dort sind schon seit der Eröffnung des Hauses im Jahr 2001 Sicherheitsschleusen installiert, Millionen von Besuchern haben sich seither nach Waffen und Sprengstoff durchsuchen lassen müssen.
Das Jüdische Museum in der Bundeshauptstadt und das in Frankfurt sind die einzigen Museen in Deutschland, die solche Sicherheitsvorkehrungen treffen. Treffen müssen. Denn was blieb dem Frankfurter Direktor Raphael Gross denn anderes übrig, als die dringende Terrorwarnung des Landeskriminalamtes Hessen ernst zu nehmen und Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen?
Weitere jüdische Institutionen in Frankfurt wie das Gemeindezentrum oder die Westend-Synagoge stehen schon seit Jahren unter Dauerbewachung. Darin unterscheidet sich Frankfurt übrigens nicht von anderen deutschen Städten mit jüdischen Einrichtungen. Israel gilt den militanten Islamisten als Erzfeind, Juden in anderen Ländern werden einfach unter dieses Feindbild subsumiert.
Die Museumsbesucher in Frankfurt nehmen die Kontrollen gelassen hin. Direktor Gross dagegen macht sich Sorgen. 100.000 Euro kostet ihn die neue Sicherheitsmaßnahme im Jahr - das ist ein Zehntel seines Etats. Wenn er deswegen sein Programm reduzieren müsse, sagt er, hätten die Terroristen letztendlich doch einen Erfolg errungen.
Text: F.A.Z.