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Studentische Hilfskräfte

Nachtdienst für acht Euro die Stunde

Von Philip Eppelsheim



Dient das der Ausbildung? Tobias Hering kopiert für die Frankfurter Uni-Verwaltung
05. Mai 2008 
Seit vierzehn Semestern fertigt der Politikstudent Tobias Hering an zwei Tagen in der Woche Kopiervorlagen an – 49 Stunden im Monat, als studentische Hilfskraft der Frankfurter Universitätsverwaltung. Damals sei es noch möglich gewesen, auch ohne Vordiplom eine Hiwi-Stelle zu bekommen, sagt Hering. Er entschied sich für den Job, weil er Planungssicherheit gab.

Dafür nahm er hin, dass die Tätigkeit keineswegs den Zweck erfüllte, der im Arbeitsvertrag vorgesehen ist: Sie soll der eigenen fachlichen Aus- und Weiterbildung dienen, heißt es dort. „Warum Kopieren dazugehört, weiß ich nicht.“ Die Hilfskräfte hätten oft schlechte Arbeitsbedingungen, zudem seien im Normalfall die Vertragslaufzeiten sehr kurz, und Überstunden würden nicht bezahlt, sagt Hering. Immer häufiger beobachte er, dass nachts nur noch Hiwis in der Bibliothek tätig seien, für 8,02 Euro in der Stunde. Oder, wie Hering sagt, für einen inflationsbereinigten Lohn von 5,92 Euro.

Stundenlöhne seit 1993 nicht mehr erhöht

Um gegen die von ihm beklagten Zustände vorzugehen, hat er mit anderen Hilfskräften an der Universität Frankfurt eine Initiative gegründet. Ähnliche Zusammenschlüsse gibt es unter anderem schon in Kassel und Marburg. Hervorgegangen ist die Initiative mit dem Motto „Hiwis sind mehr wert!“ aus den Bemühungen der Studentengruppe Erziehung und Wissenschaft (GEW), des Arbeitskreises Studierende von Verdi, des DGB Campus Office und Mitgliedern des AStA.

„Wir wollen aber als eigenständige Initiative wahrgenommen werden“, sagt GEW-Mitglied Hering. Gemeinsam wolle man sich der „miserablen“ Beschäftigungssituation der Hilfskräfte annehmen. „Wir wollen auf unsere Situation aufmerksam machen, da Hiwis zumindest eine wichtige Stütze des universitären Lehrbetriebs darstellen“, sagt Katharina Wagner, ebenfalls GEW-Mitglied. Seit 1993 seien die Stundenlöhne der studentischen Hilfskräfte nicht mehr erhöht worden, während die Kosten für Studium und Lebensunterhalt immer weiter stiegen. „Das ist ein Skandal.“

Die Hilfskräfte beklagen, dass sie oft das Zwei- bis Dreifache der vertraglich vorgesehenen Stunden arbeiten müssten. „Das hat auch damit zu tun, dass es zu wenig Hiwis gibt. Ich habe Tutorien mit 200 Teilnehmern erlebt“, sagt Hering. Vertragsklauseln wie „Vergütung wird nur für tatsächlich geleistete Arbeit vereinbart“ suggerierten, dass die Beschäftigten keinen Anspruch auf Zahlungen bei Urlaub oder Krankheit hätten. „Viele Hiwis kennen ihre Rechte gar nicht“, sagt Hering. Das müsse geändert werden. Zudem seien die Hilfskräfte der Willkür der Hochschullehrer ausgeliefert. „Schließlich kann dein Professor ja auch dein Prüfer sein.“ Viele Hiwis würden unbezahlte Überstunden hinnehmen, weil sie auf eine Verlängerung des oftmals auf ein Semester befristeten Vertrags hofften. Auch ein Kündigungsschutz sei quasi nicht vorhanden.

Uni-Vizepräsident Gold: Es ist nicht mehr Geld im System

Ziel der Initiative ist, dass die Hilfskräfte einen Tarifvertrag erhalten, wie es in Berlin der Fall ist. Zudem fordern die Studenten eine Personalvertretung und höhere Löhne. Sie verweisen auf die Fachhochschule Frankfurt: Dort verdienen Hiwis seit September 2007 neun Euro je Stunde. Auch an der Universität Kassel bekommen Hilfskräfte ohne Abschluss mittlerweile 8,50 Euro in der Stunde und Hilfskräfte mit Bachelor zehn Euro.

Eine Erhöhung des Stundenlohns um sechs Prozent, worüber das Frankfurter Universitäts-Präsidium diskutiere, sei nicht ausreichend, sagen Hering und die anderen Hiwis. „Die Befürchtung ist, dass dann einfach die Stunden gekürzt werden und man das Gleiche nur anders ausdrückt.“ Noch sei nichts entschieden, sagt dazu Uni-Vizepräsident Andreas Gold. Allerdings sei nun einmal nicht „mehr Geld im System“. Eine Gehaltserhöhung könne also dazu führen, dass weniger Hiwis eingestellt würden oder die Studenten nicht mehr so lange arbeiten dürften.

Unterstützung erhalten die Hilfskräfte aus Marburg. Dort habe eine Initiative erreicht, dass Hilfskräfte vom 1. Oktober an sechs Prozent mehr Lohn erhielten, sagt GEW-Gewerkschaftssekretär Andreas Staets. Das könne aber nur der Anfang sein. „Die Bedingungen sind haarsträubend. Man muss es sich leisten können, Hilfskraft zu sein.“

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z. - Daniel Pilar
 
 
Lesermeinungen zum Beitrag [1]
Löhne sollten frei verhandelbar sein 05.05.2008, 23:15
 
   
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