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Firmenkontakte und Lebensberatung

Von Frau zu Frau zum Job

Von Andrea Herzig



Wie sie wohl nach oben kommt...?
15. Juni 2007 
Freitag im Arabella-Sheraton in Frankfurt. Drei Schilder weisen den direkten Weg durch die Lobby in den ersten Stock zur Konferenz-Ecke. Eine Jobmesse, neudeutsch: „Career Forum“. Und zwar für Frauen in Führungspositionen oder kurz davor, die einen „rigorosen Auswahlprozess“ durchlaufen haben, so die Übersetzung aus dem Business-Karriere-Englisch des Anbieters. Wer dessen Homepage studiert, hat ein Bild davon, welcher Frauentyp hier auflaufen soll: Toughe, zielorientierte BWLer-Innen im dunklen Nadelstreif und breitem Stand, straffem Lächeln, den Chefsessel fest im Blick.

Die Realität sieht bunter aus. Neugierige. junge Frauen Ende 20 bis Mitte 30, beileibe nicht nur in blauer Business-Uniform, unter anderem Juristinnen, Naturwissenschaftlerinnen, Ingenieurinnen, Medizinerinnen und - natürlich - jede Menge Betriebswirtinnen, klemmen sich an Stehtische auf der Suche nach dem Überblick: vier international agierende Firmen und ein paar renommierte Job-Vermittler warten auf Talente. Die Begrüßung durch den Veranstalter, dem internationalen Job- und Ausbildungsnetzwerker QS, ist freundlich und vor allem englisch. Das angelsächsische Idiom als Lingua Franca der internationalen Geschäftswelt sei enorm wichtig auf dieser Messe, betont die freundliche Organisatorin. Die jungen Frauen, die allermeisten von deutschen Unis, FHs und anderen privaten Ausbildern oder Arbeitgebern in Deutschland nach Frankfurt gereist, wagen es trotzdem auf Deutsch, untereinander und mit den Firmen an den Ständen, was Professionalität und Internationalität aber nicht zu schaden scheint.

Scheinbar handverlesen

276 scheinbar handverlesene junge Frauen wurden eingeladen, gekommen waren sie nicht alle. Geschätzte 120 verbrachten den Nachmittag zwischen Geschäftspräsentationen, Vorträgen zu Life-Coaching und Gesprächen mit den Firmen an den Ständen. Manche der Damen waren kurzfristig aufgefordert worden, doch „noch eine Freundin“ mitzubringen. „Da fühlte ich mich dann gar nicht mehr so exklusiv“, kommentierte eine Diplomkauffrau enttäuscht. Zudem hatten sich auch einige Geschäfts-Jungmänner unter die zukünftigen Karrierefrauen gemischt, die „mitgebrachten Freunde“?

„Recruiters from A-list companies“ hatte QS versprochen, immerhin vier - Deutsche Bank, Accenture, Cisco und L'Oréal - waren da und gesprächsbereit. Der Berater Capgemini hatte kurzfristig abgesagt. Zu wenig, fanden viele der jungen Frauen, auch wenn die meisten mit denen, die da waren, wohl gute, konstruktive Gespräche führen konnten. Die QS-Homepage habe da mehr versprochen, moniert eine Biochemikerin. Aber das QS-Forum, noch frisch auf dem deutschen Jobmessen-Markt, wollte bewusst als kleine Messe antreten und neben den konkreten Kontakten zu den Unternehmen noch etwas anderes vermitteln, nämlich den spezifischen Frauenblick auf die Business-Karriere. Von Unterstützung der Frauen bei ihrer Entwicklung und einer „Work-Life-Balance“ mit Hilfe dieser Messe spricht Daniela Scakanova von QS.

Was also macht Frauen zu Führern, wie können sie sich positionieren und mit welchen spezifischen Problemen bei ihrer Karriere müssen sie rechnen. Drei Workshops, für die man sich schon bei der Anmeldung entscheiden sollte, und die dann doch letztlich offen waren, diskutierten das Thema. Ein guter Ansatz, fanden die Teilnehmerinnen, doch je älter sie waren, desto weniger zeigten sich beeindruckt von dem, was dabei herauskam. „Nichts, was man eigentlich nicht schon gehört hat“, befand eine 36-Jährige, die mit ihren fünf Jahren Berufserfahrung in fester Anstellung zu den Senioras gehörte. Was ihr fehlten, waren die „klassischen Führungsfrauen“, von deren Persönlichkeit und Erfahrung frau als Nachwuchskraft profitieren kann. Sie hatte gehofft, sagt die Kauffrau mit MBA, die derzeit für eine Wirtschaftprüfungsgesellschaft arbeitet, „dass solche Frauen uns hier Rede und Antwort stehen“. Eine promovierte, 30-jährige Biochemikerin pflichtet ihr bei: „Ein bisschen lau“, eine Referentin habe doch glatt am Ende ihr Buch verkaufen wollen.

„Wir müssen uns doch gegenseitig pushen“

Eine „Misskommunikation“ urteilt die 36-Jährige, die dachte, sie sei „die letzte in der Schlange“ und die in Frankfurt mal ihren Marktwert testen wollte. „Und jetzt erzähle ich hier den anderen Frauen was.“ Wen wollten die Veranstalter eigentlich ansprechen, fragten sich die Kauffrau und die Biochemikerin im Gespräch, die Ersteinsteiger oder die, die vor dem Sprung in Führungsverantwortung stehen? Die Begegnung, das Netzwerken unter den Frauen bewerteten die Teilnehmerinnen jedoch als durchweg positiv. Viele Visitenkarten wechselten die Handtaschen, die Frauen wollen via Xing, vormals Open BC, den Austausch pflegen. „Wir müssen uns doch gegenseitig pushen“, sagt die 36-Jährige.

Für eine 32-jährige Juristin, die gerade im Aufbaustudium den MBA draufsattelt, hat sich der Weg nach Frankfurt auf alle Fälle gelohnt. Sie ist eine eifrige Messebesucherin, immer auf der Suche nach Kontakt zu den „richtig großen“ Firmen mit internationalem Renommee. „Von dort kann man sich besser wegbewerben“. Zwei Mappen hat sie diesmal abgegeben, im Oktober könnte sie mit dem neuen Job anfangen. Der Vorteil von Messen, argumentiert die junge Frau, sei immer das persönliche Gespräch. „Ich passe mit meiner Vita nicht in das übliche Schema vieler Consultingfirmen, bedauert die Juristin.

Schon einmal erfolgreich gewesen

Schon einmal hat es bei ihr aber über ein Gespräch von Frau zu Frau geklappt. Das persönliche Profil schien zu stimmen, das Interesse der Firma war erwacht. „Zwei Wochen später hatte ich ein Bewerbungsgespräch“. Außerdem, kritisiert die junge Frau, sortierten Firmen die unendlich vielen Bewerbungen oft nach Kriterien aus, die nur nach Schema F funktionierten und wenig professionell seien. „Da sitzen manchmal Praktikanten für die Vorauswahl und man ist ganz man schnell draußen.“ Bei einer Messe könne das nicht passieren.

Diese Bewerbungs-Effizienz war auch für eine junge russische Betriebswirtin, die derzeit in Stuttgart bei einer Bank ein Praktikum macht, der Grund, einen Urlaubstag zu opfern. Die üblichen Online-Bewerbungen seien für sie sehr schwer, sagt die Endzwanzigerin, die nach einer festen Stelle sucht. Mit den unflexiblen Profilen bei der Online-Jobsuche hat auch eine 28-Jährige ihre Schwierigkeiten, die an der FH Konstanz Asian Studies abgeschlossen hat, kurz gefasst, Chinesisch mit Betriebswirtschaft. „Ich passe in kein Profil“, stöhnt die junge Frau.

Am Nachmittag sind auch die Firmen zufrieden. Vier „sehr interessante Kandidaten“ habe sie bereits kennengelernt, bilanziert die Kontaktfrau von der Deutschen Bank zur Halbzeit um 15 Uhr, auch wenn die Messe ihrer Meinung nach zu spät im Jahr terminiert ist. Frauen zu finden sei für den Konzern nach wie vor nicht einfach. Doch so langsam interessierten sich endlich auch mehr Damen für Investment Banking und IT-Jobs. Deutschland hinke da noch hinterher, urteilt die Fachfrau aus den Vereinigten Staaten. Auch am Stand des Beraters Accenture ist man zufrieden mit der bisherigen Kontakt-Ausbeute. Unter anderem eine Ingenieurin und eine Umwelttechnikerin, zählt eine Messedame auf, also nicht immer nur die BWLer-Innen, obwohl die, das hat der Veranstalter säuberlich ausgerechnet, 62 Prozent der Eingeladenen stellten.

Mann muss zurückstecken

Doch noch einmal zurück zu den Frauenfragen. In einer Podiumsdiskussion diskutierten vier Firmenrepräsentanten mit dem Publikum über die Führung im 21. Jahrhundert, unter spezieller Berücksichtigung der weiblichen Karriere natürlich. Obwohl es dabei meist politisch korrekt zuging, wurde die Frage einer jungen Frau, ob Frauen-Führung im normalen Leben denn möglich sei, wenn der männliche Partner nicht zurückstecke, ganz unkorrekt ehrlich beantwortet: mit einem Nein.

Da sind die Frauen wieder mittendrin in einer Debatte, die bei dem Forum in Frankfurt trotz des Diversity-Gedankens natürlich nicht wirklich diskutiert wurde. Oder doch? Als kleines Präsent bekamen die Besucherinnen eine Tüte einer teuren Kosmetikfirma in die Hand gedrückt, darin ein geschlechtsneutrales Shampoo und eine edle Tagescreme für die empfindliche Männerhaut. „Liebling“, kann die junge Chefin dann am Messeabend ihrem Hausmann ins Ohr säuseln, „schau, ich hab dir was Hübsches mitgebracht.“

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: fotolia.com
 
 
   
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