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Jobs der Woche

Studentische Essvorlieben

Aber bitte mit Kräutern

Von Josefine Janert



„Erstsemester fragen häufiger nach Fast Food”
03. Juli 2007 
Zuerst die gute Nachricht: „Die Studenten essen gesundheitsbewusster als vor zehn Jahren“, sagt Birgit Bornemann vom Studentenwerk Osnabrück. Ähnliches ist auch aus anderen Städten zu hören. Die Mensen warten mit knackigen Salaten, fettarmen Speisen und vitaminreichen Säften auf. Längst nehmen die Köche auch Rücksicht auf Vegetarier, Freunde von Bioprodukten und Moslems. In Osnabrück und anderswo können sich Mensa-Besucher ihr Menü aus verschiedenen Komponenten selbst zusammenstellen.

Schokotrost vor der Prüfung

Doch das leckere Angebot wird nicht von allen angenommen. Viele Studenten verzichten auf die warme Mahlzeit und trösten sich mit Schokoriegeln über den Prüfungsstress hinweg. „Sie nehmen sich nicht genug Zeit zum essen“, erinnert sich die Berliner Ernährungsberaterin Sandra Gärtner an ihre Studienzeit, die noch nicht lange zurückliegt.

Neulich in der Mensa

„Erstsemester fragen in der Mensa häufiger nach Fast Food und wählen gern Pommes, Currywurst, Schnitzel und Pizza“, sagt Diplom-Sozialwirtin Birgit Bornemann. Hannelore Stephan vom Dresdner Studentenwerk hat hingegen beobachtet, dass sich quer durch alle Semester vor allem die Männer gern mal eine üppige Fleischportion oder fettige Kartoffelhappen auf den Teller legen lassen. Frauen, darin sind sich Bornemann und Stephan wiederum einig, speisen lieber leicht – zum Beispiel Gemüse, Salat und Quark. „Von den Studentinnen kriegen wir hin und wieder sogar kritische Mails, wenn ein Gericht zu fett war“, sagt Hannelore Stephan.

Lieblingsspeise Tiramisu

Wenn sie selbst etwas auf den Tisch bringen wollen, entscheiden sich viele Jungakademiker für Spaghetti mit Tomatensoße. Dieses Gericht ist preiswert, einfach und schnell zuzubereiten und wohl deshalb in fast jedem Studentenkochbuch zu finden. Meist steht dort auch ein Rezept für einen anderen Klassiker: Tiramisu. In beiden Lieblingsspeisen stecken etliche Kalorien.

Viele leckere Angebote werden verschmäht

Das stimmt bedenklich, da sich manche Genießer viel zu wenig bewegen: An der Uni Potsdam etwa sind die 5000 Plätze, die pro Semester für den Hochschulsport zur Verfügung stehen, zwar fast restlos ausgebucht. Doch Petra Bischoff-Krenzien, die den Bereich leitet, schaut immer wieder in dieselben Gesichter. „Die Kluft zwischen denen, die etwas für ihre Fitness tun, und denen, die gar nicht dazu bereit sind, ist seit Beginn der neunziger Jahre gewachsen“, klagt sie. Ball- und Trendsportarten wie Pilates und Aerobic sind die Renner in Potsdam. „Leider kommen aber vor allem jene Studenten, die sich ohnehin gesund ernähren und deshalb ein gutes Körpergefühl haben“, sagt Bischoff-Krenzien.

Mit dem Rad zur Uni fahren

Da Studieren eine vorwiegend sitzende Tätigkeit ist, wäre Sport zwei bis drei Mal pro Woche angebracht. Gesundheitsexpertin Jacqueline Dauster von der Techniker Krankenkasse empfiehlt außerdem, „mit dem Rad zur Uni zu fahren, Treppen zu steigen statt den Fahrstuhl zu benutzen und zwischen den Vorlesungen an der Luft spazieren zu gehen.“ Ausgewogene Ernährung sei wichtig, da das Gehirn auf die regelmäßige Energiezufuhr angewiesen ist. „Es ist nicht in der Lage, zugeführte Energie zu speichern“, sagt Dauster. Was auf den vernünftigen Speiseplan gehört, scheint jedoch mancher nicht zu wissen. Zudem hat Birgit Bornemann beobachtet, dass die Jüngeren Auberginen, Zucchini, eingelegte Zwiebeln und andere Gemüsesorten nicht mehr kennen.

Manche Genießer bewegen sich zu wenig

Repräsentative Studien über das Essverhalten der Jungakademiker gibt es kaum. Die Centrale Marketing-Gesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft (CMA) befragte vor ein paar Jahren immerhin 1500 Studenten in Hamburg, Köln, Dresden und Duisburg. Dabei zeigte sich, dass nur 68 Prozent frühstücken, bevor sie zur Uni aufbrechen. Etwa ein Drittel verzehrt vormittags einen Snack – vorzugsweise Obst, Joghurt oder ein anderes Milchprodukt. Das ist gesünder als ein Schokoriegel. „Wenn man etwas Süßes zu sich nimmt, steigt der Blutzuckerspiegel rasch in die Höhe, um dann schnell wieder zu sinken“, sagt die Medizinpädagogin Sandra Gärtner: „Die Folge ist Heißhunger.“

Abfallende Blutzuckerkurve

Statt den leeren Magen mit Schokolade zu füllen, solle man lieber zum Mittagessen ein Dessert wählen, meint Gärtner. Da fällt die Blutzuckerkurve langsamer, weil man schon etwas anderes gegessen hat. Die Ernährungsberaterin empfiehlt drei Hauptmahlzeiten pro Tag, eventuell noch einen Snack. Wer partout Spaghetti mit Tomatensoße kochen will, solle die Nudelmenge reduzieren und zusätzlich Brokkoli, Pilze oder anderes Gemüse in die Soße schneiden. Ein Salat vornweg füllt ebenfalls den Bauch – aber bitte mit Kräutern. Ausgewogene Hauptmahlzeiten sind nach Gärtners Erfahrungen sinnvoller als viele Häppchen über den Tag verteilt. Sofern man sich nicht Obst von zu Hause mitbringt, sind die Snacks ohnehin recht teuer. Das gilt übrigens auch für Tiefkühlpizza und andere Fertiggerichte.

Sandra Gärtner hat sich nach dem Examen als Ernährungsberaterin selbständig gemacht. Diese Dienstleistung wird inzwischen in allen größeren Orten angeboten. Die Krankenkassen übernehmen unter Umständen anteilig die Kosten. Eine Konsultation ist sinnvoll, wenn jemand zum Beispiel übergewichtig ist oder an Diabetes leidet.

Landschaftsarchitekten lieben Fleisch

Birgit Bornemann hat beobachtet, dass sich das Essverhalten sogar nach dem Studienfach unterscheidet. Unter Geisteswissenschaftlern findet man besonders viele Vegetarier, während es angehende Agrarwissenschaftler und Landschaftsarchitekten gern deftig mögen und Fleisch lieben. Bio kommt bei allen gut an, berichtet sie. Diese Produkte sind aber kein Muss. „Manche Studenten glauben, dass nur das Obst und Gemüse aus dem Bioladen gesund ist“, sagt Sandra Gärtner. Wenn das Geld dafür nicht reiche, würden sie ganz darauf verzichten. Das sei falsch , auch die Discounter bieten Frisches an. „15 bis 20 Euro pro Woche sind für eine ausgewogene Ernährung völlig ausreichend“, meint Gärtner. Am günstigsten sei es, zwei Mal wöchentlich einzukaufen, Obst und Gemüse sofort zu putzen und in Plastikschalen griffbereit in den Kühlschrank zu stellen.

Ein leerer Bauch studiert nicht gern!

Deutsches Studentenwerk: Übersicht über Mensen und Cafeterien

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: fotolia.com
 
 
   
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