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Jobs der Woche

Karriereberatung

Auf der Hebebühne zum Traumjob

Von Doris Brenner



Einstieg in den Aufstieg
29. November 2007 
Regina Möhrle gerät geradezu ins Schwärmen. "Uns wurde gezeigt, wie wir uns professionell in Jobbörsen zurechtfinden können", berichtet die 29 Jahre alte Geschichtsstudentin vom Workshop "Online bewerben" im Career Center der Universität Freiburg. "Direkt am Laptop lernten wir unser Profil einzugeben und zielgerichtet passende Jobs zu finden. Klick, klick, klick - so effizient war ich vorher nicht." Durch die Beratung habe sie noch etwas Wesentliches gelernt: "Da ich mein Studium selbst finanzieren musste, habe ich vorwiegend gejobbt, statt Praktika zu machen. Ich sah das immer als ein großes Defizit." Nun sei ihr bewusst geworden, dass ihr die Jobs in einer Werbeartikelfirma und als Haushaltshilfe eine Menge gebracht haben. "Potentielle Arbeitgeber sehen, dass ich bereit bin, hart zu arbeiten. Gleichzeitig habe ich viel im Umgang mit ganz unterschiedlichen Menschen gelernt." Jetzt hat sie eine Strategie entwickelt, um ihren Traumjob in einem Comic-Verlag zu bekommen. "Ohne die Hilfe des Career Centers wäre ich noch nicht so weit."

Solche Erfahrungsberichte hört Claudia Fink gerne. Sie ist die Vorsitzende des Career Service Netzwerks Deutschland (CSND), der Verband vertritt insgesamt 70 dieser Einrichtungen. Die Hilfestellung beim Berufseinstieg, die sie leisten, wird ihrer Meinung nach vielerorts noch nicht ernst genug genommen. "Erst langsam setzt sich auch hier die Sichtweise durch, dass die Unterstützung der Studenten beim Einstieg in die Berufswelt ein Qualitätskriterium darstellt", sagt sie. Sie wünscht sich von Unis und Fachhochschulen deutlich mehr Unterstützung für ihre Arbeit - so wie es in den Vereinigten Staaten, von woher das Konzept der Career Center stammt, längst der Fall sei.

In Amerika längst bekannt


Dort waren Career Center aus dem Bilderbuch schon vor zehn Jahren Realität, etwa an der University of Maryland, der mit 35 000 Studenten größten Hochschule im Ballungsraum Washington. Ein gediegenes Interieur, ein großzügiger Empfangsbereich mit Mediathek und Beratungsmöglichkeiten für die Studenten gehören dort zum Standard. Für Interviews mit Kandidaten stehen Unternehmensvertretern 15 Besprechungsräume exklusiv zur Verfügung. Und 40 hauptamtliche Mitarbeiter haben nur ein Ziel - den Studenten den Einstieg in die Berufswelt so problemlos wie möglich zu gestalten.

In Deutschland sucht man Vergleichbares noch heute vergeblich. Die Career Center an den staatlichen und staatlich anerkannten privaten Hochschulen sind zumeist "One Man"-, noch häufiger "One Woman"-Einrichtungen. Das soll sich ändern. Der Stifterverband, die Hochschulrektorenkonferenz und das Beratungsunternehmen Deloitte haben zu diesem Zweck in diesem Jahr erstmals einen Wettbewerb ausgeschrieben: Insgesamt 300 000 Euro wurden ausgelobt für die drei Center, die beispielhaft zeigen, wie die Arbeit an der Schnittstelle zwischen Unternehmen und Hochschule funktionieren kann. Aber nicht nur dieser Wettbewerb spielt dem Verband und seiner Vorsitzenden in die Karten, sondern auch der Bologna-Prozess, der mehr Praxisbezug und die Vermittlung von überfachlichen Kompetenzen bereits während des Studiums einfordert.

Wie sieht „best practice“ im Career Center aus?

Wie aber sieht "best practice" im Career Center aus? Das Angebot, das die Hochschulen zurzeit bieten, ist bunt gemischt und in Umfang und Qualität sehr unterschiedlich. Das Spektrum reicht von der Bereitstellung von Infomaterial über Beratungs- und Qualifizierungsangebote und die Durchführung von Firmenkontaktmessen bis zur konkreten Vermittlung von Praktika, Diplomarbeiten und Einstiegsstellen. Jede Hochschule kocht dabei in der Regel ihr eigenes Süppchen. "Eine gemeinsame Firmenkontaktmesse der verschiedenen Berliner Hochschulen wäre schon erstrebenswert", merkt dazu Marion Senf-Denker an, die Leiterin der Zentralen Studienberatung und des Career Centers an der Fachhochschule für Wirtschaft in Berlin.

Damit spricht sie vielen Arbeitgebern aus dem Herzen. Andreas Tenkmann, bei der Unternehmensberatung Bearing Point für das europaweite Recruiting verantwortlich, wünscht sich einen einfacheren Zugang zu den Absolventen. "Wir stellen jährlich rund 400 Mitarbeiter im deutschsprachigen Raum ein und stehen mit einem Team von 15 Mitarbeitern mit rund 30 Hochschulen in engem Kontakt", berichtet er. "Wir sehen die Career Center als kompetente Rekrutierungspartner."

Aber nicht nur für international aufgestellte Unternehmen mit großem Bedarf an Absolventen sind die Career Center wichtige Ansprechpartner. Gerade kleinen und mittelständischen Unternehmen können sie helfen, sich bei Studenten sichtbar zu machen. Christine Altmaier etwa, Personalreferentin bei Hüttinger Elektronik in Freiburg, sucht vorwiegend Elektroingenieure. "Für uns ist die Möglichkeit, uns zielgerichtet interessanten Kandidaten präsentieren zu können, besonders wichtig", sagt sie. "Indem wir im direkten Kontakt unser Unternehmen darstellen, gelingt es uns, Studenten auf uns aufmerksam zu machen, die wir sonst nicht erreichen können." Auch Jutta Lanzl vom Softwaredienstleister sd&m aus München berichtet von positiven Erfahrungen an den Hochschulen: "Statt mit Hochglanzbroschüren zu werben, gilt es, dort sein Gesicht zu zeigen. Nur so können Absolventen wirklich einschätzen, was sich hinter einem Unternehmen verbirgt." Der Mittelstand konzentriert sich beim Recruiting allerdings gerne auf Hochschulen in seinem regionalen Umfeld. "Wir arbeiten sehr eng mit der Hochschule Regensburg und der Fachhochschule Deggendorf zusammen", bestätigt Daniela Eck von der Krones AG im bayerischen Neutraubling, die speziell an Automatisierungs- und Verfahrensingenieuren interessiert ist.

Überwiegend kostenlos

So unterschiedlich wie das jeweilige Angebotsspektrum der Career Center sind auch die Modalitäten für ihre Nutzung. Teilweise werden Studenten für Trainings separat zur Kasse gebeten. Überwiegend sind die Beratungs- und Vermittlungsangebote jedoch kostenlos. "Unsere Studenten kaufen über die Gebühren auch diesen Service ein", erläutert Dr. Jürgen Albers, Leiter des Career Centers der privaten International School of Management in Dortmund, das dort geltende Prinzip. "Dies ist ein wichtiges Kriterium für die Aufnahme eines Studiums bei uns." Bei der Zusammenarbeit mit den Unternehmen setzt Albers auf langfristige Kontakte. "Unser Absolventenbuch erhalten die Unternehmen kostenlos. Dafür bekomme ich auch mal drei Praktikumsplätze in China exklusiv angeboten."

Auch bei den staatlichen Hochschulen ist die Bandbreite des Angebots für Studenten wie Unternehmen groß. Das Career Center der Universität Freiburg, mit dem Regina Möhrle so gute Erfahrungen gemacht hat, nimmt mit 13 Mitarbeitern eine Vorreiterrolle unter ihnen ein. Der Leiter Michael Borchardt, ein Banker mit Soziologiestudium, setzt auf Innovation und Kundenorientierung. Anders als die meisten Mitarbeiter in Career Centern ist er kein Eigengewächs der Uni, sondern ein Quereinsteiger mit mehrjähriger Erfahrung in der Wirtschaft. Sein Center hat eine eigene Internetplattform entwickelt, die "Career Bench". Beim Abgleich von Stellenangeboten und Kandidatenprofilen liegt der Fokus besonders auf Kompetenzprofilen. "Entscheidend ist, was ein Kandidat kann - nicht, welche Fachrichtung er studiert hat", argumentiert Borchardt. Die Zusammenarbeit mit der Agentur für Arbeit laufe unproblematisch. Ein Beleg dafür: Die Fachleute aus dem Hochschulteam der Agentur beraten auch regelmäßig im Career Center, das nur einen Katzensprung entfernt von der Freiburger Universitätsbibliothek liegt.

Melanie Hildmann kommt gerne hierher. "Alles ist übersichtlich gestaltet; ich kann mich an der Infothek über Berufsfelder informieren, Suchstrategien besprechen und auch gleich meine Bewerbungen erstellen." Sie ist 27 Jahre alt und studiert Erziehungswissenschaften. Sie sitzt im Rollstuhl, deshalb spielt für sie auch der leichte Zugang zu allen Einrichtungen mittels Aufzug eine wichtige Rolle. Als besonders hilfreich hat sie das eintägige Bewerbungstraining mit einer ehemaligen Personaltrainerin empfunden. "Jetzt weiß ich besser, worauf ich bei einer Bewerbung wirklich achten muss."

Was Melanie Hildmann und Regina Möhrle, die Historikerin auf dem Weg zum Comic-Verlag, berichten, ist kein Zufall - findet jedenfalls die Jury des Stifterverband-Wettbewerbs. Sie hat das Freiburger Career Center am Mittwochabend ausgezeichnet. Borchardt und sein Team bekommen - wie ihre Kollegen von der TU Berlin und der privaten WHU Vallendar - je 100 000 Euro. Damit ihre Hebebühnen ins Berufsleben noch besser werden.

Karriereleiter

  • Wo überall in Deutschland es berufsvorbereitende Einrichtungen für Studenten gibt, steht auf der Homepage des Career Service Netzwerks Deutschland: www.csnd.de
  • Was Career Center leisten sollten, beschreiben Hans-Jürgen Puhle und Hans N. Weiler in ihrem 169-seitigen Buch „Career Centers“, das in der Edition Körber Stiftung erschienen ist.
Text: F.A.Z., 24.11.2007, Nr. 274 / Seite C10
Bildmaterial: F.A.Z. - Tresckow, fotolia.de
 
 
   
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