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Lebensplanung Im Labyrinth der Möglichkeiten Von Philip Plickert
Die Wirtschaftswissenschaften stehen in vielen Bundesländern an der Spitze der beliebtesten Fächer. In der Bankenmetropole Frankfurt liegt es besonders nahe. Mit der Parole GoWiWi! hat der ökonomische Fachbereich der Goethe-Universität etwa hundert Interessenten zusammengetrommelt. Leise tuschelnd sitzen sie in der stuckverzierten Aula, dem historischen Zentrum des sonst betongrauen Campus der Universität. Derzeit sind rund 35 000 Studenten hier eingeschrieben. Studiendekan Heinz Dieter Mathes spricht von einem Uni-Schock, den viele Erstsemester erleben. Die wenigsten kommen gleich mit diesen Massen an Studenten und den amorphen Strukturen zurecht. Um die Neulinge schnell zu integrieren, bietet der Fachbereich Wirtschaftswissenschaften einen dreiwöchigen Vorkurs an. In kleinen Gruppen lernen die Studenten ihre Kommilitonen und die Universität kennen. Die große Sorge der Schüler sind die mathematischen Anforderungen des Ökonomie-Studiums. An dieser Klippe scheitern viele, wenn es gilt, komplizierte Funktionen zu maximieren, Hypothesen anhand statistischer Daten zu testen oder Wahrscheinlichkeiten für strategische Entscheidungen zu errechnen. Sich vor der Mathematik zu verstecken, das ging vor 20 Jahren; heute ist das nicht mehr möglich, warnt Mathes. Wir haben festgestellt, dass bei einigen von Ihnen aus der Schulzeit gelegentlich noch gewisse Lücken bestehen, spricht er ins Mikrophon. Daher empfehle er dringend die Intensivkurse, die sein Fachbereich allen Erstsemestern anbietet. Zur Auffrischung und Erweiterung des Schulwissens. Es gibt viele Ängste wegen der Mathematik, erklärt Vico, einer der Vorzeigestudenten beim GoWiWi-Tag. Aber ich kann Euch beruhigen, mit dem Vorkurs habt Ihr eine gute Grundlage. Keine gnadenlose Auslese Seit vergangenem Jahr hat die Goethe-Universität ihr Wirtschaftstudium ganz auf den Bachelor-Abschluss umgestellt. Wo früher die Studenten ihren Weg und das Tempo bis zum Diplom recht frei bestimmen konnten, herrscht nun mehr Zug. Erst kommt das Orientierungsjahr, dann das Vertiefungsjahr, zuletzt das Spezialisierungsjahr - fertig ist der Bachelor. Sollten Sie nach neun Fachsemestern die erforderlichen Prüfungen nicht abgelegt haben, dann trennen sich unsere Wege, sagt Dekan Mathes. Die Interessenten sollen merken, dass das Studium kein Spaziergang ist; von gnadenloser Auslese kann aber keine Rede sein: Im ersten Jahr können Sie alle Klausuren gleich viermal schreiben. Wer nicht besteht, hat drei weitere Versuche. Im zweiten Jahr wird es 'tougher', da haben Sie nur noch zwei Wiederholungsmöglichkeiten. Die Gesichter im Saal entspannen sich. Mit einer stärkeren Betreuung der Studenten will der WiWi-Fachbereich die Abbrecherquoten senken. Beim alten Diplom-Studiengang warfen bis zu 40 Prozent der Studenten das Handtuch - bundesweit sind es in Wirtschaftswissenschaften etwa 22 Prozent. Seit der Umstellung auf den Bachelor ist diese Quote etwas gesunken, heißt es von den Universitäten, genaue Zahlen liegen aber noch nicht vor. Viele kommen immer noch blauäugig an die Uni, sagt Mathes. Die neuen Möglichkeiten, geeignete Studenten auszuwählen, seien aber sehr hilfreich. Die Studenten erscheinen mir heute deutlich höher motiviert, und sie arbeiten besser mit. Interesse jedenfalls zeigen alle, die sich an den Infotischen warmlaufen. Oliver, ein 19jähriger Zivildienstleistender aus Hannover, hat sich für den GoWiWi-Tag extra Urlaub genommen. An Frankfurt reizt ihn die Verbindung zu den Bankentürmen, die gute Praktika und Kontakte verspreche. Olivers beruflicher Traum? In den Vorstand eines großen Unternehmens kommen, sagt er und lächelt etwas verlegen. Es ist hart, aber man kann es schaffen Der Studiengang Wirtschaftswissenschaften ist sicher hart, aber wenn man sich anstrengt, kann man es gut schaffen, meint Natascha. Sie ist Austauschschülerin aus Lettland, ihre Gastmutter arbeitet in der Pressestelle der Universität. Die Bewerbungsmodalitäten erscheinen ihr kompliziert, dennoch hat sie Hoffnungen. Ich werde mich auch noch an anderen Unis umsehen, etwa in München, und auch an der European Business School, sagt Natascha. Allerdings zahle man an der privaten Hochschule in Oestrich-Winkel fast 5000 Euro Studiengebühren je Semester. Geradezu moderat erscheinen dagegen die 500 Euro staatliche Studiengebühr, gegen die draußen der Frankfurter AStA zum Boykott aufruft. Die Entscheidung für ein Studienfach fällt nicht leicht. Nach einer Studie der Hochschul-Informations-System Gesellschaft (HIS) entscheidet für mehr als 90 Prozent der angehenden Studiosi das Fachinteresse, gefolgt von der Neigung. Nur knapp 50 Prozent gaben ein wissenschaftliches Interesse an. Die Aussicht auf gute Berufs- und Verdienstmöglichkeiten beeinflusst rund zwei Drittel der Studenten bei ihrer Fachwahl. Immerhin 61 gaben an, dass Einführungsveranstaltungen ihnen wertvolle Orientierungshilfe geleistet gaben. Mittlerweile haben die deutschen Universitäten begriffen, dass sie durchaus in einem Wettbewerb um talentierte Studenten stehen. Je attraktiver die Angebote, desto größer der Andrang. In den akademischen Rankings steht der wirtschaftswissenschaftliche Fachbereich der Goethe-Universität im Mittelfeld - einige Plätze hinter den bekannten ökonomischen Spitzenreitern Mannheim, Köln, München oder Münster. Text: F.A.Z.Bildmaterial: © fotolia.com
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