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Neue Hochschule in Saudi-Arabien

Abdullahs Akademiker

Von Sebastian Balzter



Eine vergleichbare Zeremonie nie erlebt: Wolfgang Herrmann
31. Oktober 2007 
Für Eliteförderung im großen Maßstab braucht man Märchenkönige. Einen wie Ludwig II. von Bayern, der 1868 den Grundstein der Polytechnischen Schule in München legte, die heute als Technische Universität (TUM) eines der Flaggschiffe der deutschen Hochschulforschung ist. Oder einen wie Abdullah bin Abdulaziz Al Saud von Saudi-Arabien. Der hat nun am Roten Meer mit viel Aplomb den Grundstein zu einer neuen Universität der Superlative gelegt. Dazu eingeladen hatte er auch den Mann, der aus Ludwigs Polytechnikum eine Exzellenz-Universität gemacht hat – den TUM-Präsidenten Wolfgang Herrmann.

Wie hat Ihnen die Grundsteinlegung am Golf gefallen?

Ich habe eine vergleichbare Zeremonie noch nie erlebt. Mehr als 1000 Gäste aus aller Welt waren da, das Areal, auf dem der Campus gebaut wird, ist eindrucksvoll. Es liegt etwas außerhalb von Djeddah, wo die Pilgerstrecke nach Mekka und Medina beginnt, direkt am Roten Meer. Und der König selbst sagt in seiner Rede: „There is no limitation in space and money, but there is a limitation of talents.“ Zwei Milliarden Euro hat er für die Universität auf den Tisch gelegt, um sein Land in der Wissenschaft international ganz nach vorne zu bringen.

Blick in die Zukunft: Arbeitszimmer am Roten Meer

36 Millionen Quadratmeter groß ist die Fläche für die neue wissenschaftlich-technische Forschungsuniversität. Die besten Dozenten und Studenten sollen rekrutiert werden. Die ersten Berufungsverfahren haben schon begonnen, denn in zwei Jahren soll die „King Abdullah University of Science and Technology“ (KAUST) ihre Pforten öffnen und später Heimat einer 20.000-köpfigen Forschungsgemeinschaft sein.

Die Technische Universität in München hat auch den Anspruch, internationale Spitze zu sein. Entsteht in der KAUST ein neuer Konkurrent für Sie?

Akademische Stadt am Meer

Wir hatten vor einem halben Jahr Besuch von einer hochrangigen Delegation aus Saudi-Arabien, da waren der zuständige Minister und der Interimspräsident dabei. Die haben sich ausgewählte Forschungseinrichtungen in ganz Europa angeschaut und sprechen mit uns und, wie man so hört, der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich, dem Imperial College in London und dem Institut Francais du Pétrole. Wir sind interessiert, weil wir am Ball bleiben wollen, wenn ein Land ohne Wissenschaftstradition sich auf den Weg in die Zukunft macht. Dabei geht es nicht bloß um ein bisschen Zusammenarbeit, sondern um nachhaltig dotierte Großprojekte im interdisziplinären Bereich der Ingenieur- und Naturwissenschaften. Es wird also Geld aus Saudi-Arabien nach Europa fließen - damit werden wir uns verstärken können. Es wird gewiß auch dazu kommen, dass TUM-Professoren an der KAUST lehren können. Alle Details aber sind offen.

Werden die Professoren denn nach ihrem Einsatz am Golf wieder zurück nach München kommen wollen, wo sie deutlich weniger verdienen?

Das stimmt schon, dass sich Saudi-Arabien nicht an den deutschen Besoldungsrichtlinien orientieren muss. Aber ich hoffe, dass sich auch durch diese Neugründung der Druck auf die deutsche hochschulpolitische Szene verstärken wird und wir bei der Bezahlung unserer Professoren und Dozenten in Zukunft freier sein werden.

Die neue Universität am Roten Meer gilt als persönliches Projekt König Abdullahs, es ist seine Vision für die Zeit nach dem Öl. Für die Entwicklung der Universität ist sinnigerweise der Ölminister des Landes, Ali Ibrahim Al-Naimi, verantwortlich. Und auch der Ölkonzern Saudi Aramco, eines der wertvollsten Unternehmen der Welt, ist eng an ihrem Aufbau beteiligt.

Sind staatliche und wirtschaftliche Interessen nicht zu eng mit der Universität verbandelt, als dass sich dort Spitzenforschung etablieren könnte?

Wir beobachten das aus der Ferne und durchaus kritisch, wir werden durch die Kooperation ja kein intrinsischer Teil der KAUST. Aber ich glaube schon, dass aus dem Projekt etwas wird. Dort wird nach internationalen Spielregeln und mit höchster Professionalität gearbeitet - das sieht man schon daran, dass zu den Beratern auch die früheren Präsidenten des MIT und der Cornell University zählen. Und zum Konzept von Saudi Aramco gehört es, ganz stark auf die Förderung weiblicher Talente zu setzen. Die haben sich eben in Europa und Amerika umgesehen und festgestellt, dass man nicht auf kluge Frauen verzichten kann.

„Die Rolle der Forschungsuniversitäten im 21. Jahrhundert“ war der Titel des Forschungssymposiums, dass anlässlich der Grundsteinlegung stattfand. Um Rohstoffe und Energie, Biotechnologie, Ingenieurwissenschaften, Chemie und Mathematik wird es an der KAUST gehen. Und selten um Budgetfragen, dafür dürften das Geld aus dem Stiftungsvermögen und die Ambitionen des königlichen Gründers sorgen.

Wünschen Sie sich auch manchmal einen so spendablen Förderer wie König Abdullah?

Wir haben keinen Grund zum Klagen - was unser König Ludwig II. 1868 für die Polytechnische Schule, unsere Vorläuferinstitution ausgegeben hat, war ja auch nicht schlecht. Und mittlerweile haben auch die deutschen Parlamente eingesehen, dass man Forschung fördern muss; die Exzellenzintitative ist da ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Aber in Saudi-Arabien hat der Staat nun eben erkannt, dass er für die Zeit vorsorgen muss, wenn die fossilen Ressourcen erschöpft sind. Der Push, der politische Wille und die eingesetzten Ressourcen dahinter sind beeindruckend.

Ob sich kluge Köpfe von Petro-Dollars locken lassen? Der Test läuft schon. Denn „future leaders in science, engineering and technology“, die noch im Grundstudium sind, können sich schon jetzt um ein Stipendium der Stiftung von König Abdullah bemühen. Voraussetzung ist allerdings, dass sie 2009 oder 2010 ans Rote Meer wechseln. Bewerbungen nimmt die KAUST online entgegen – noch bis zum 9. November.

Mehr über die Uni am Golf unter: http://www.kaust.edu.sa/



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: King Abdullah University of Science and Technology, Wolf Heider-Sawall
 
 
Lesermeinungen zum Beitrag [2]
Frauen? 31.10.2007, 22:42
Toll, dass solche Nachrichten die Runde machen 31.10.2007, 17:33
 
   
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