FAZ.NET
Investor
Märkte
F.A.Z.-Archiv
Abo

FAZJOB.NET

F.A.Z. Career in Finance Forum

12. Oktober 2008

Mein FAZjob.NET:
FAZJOB.NET
NEU FAZjob.NET - Tour




FAZjob.NET >Beruf und Chance >Campus >

   
 Beruf und Chance 
 
Arbeitswelt
Vergütung
Arbeitsrecht
Neue Köpfe
Personalprofi
Campus
Stellensuche
F.A.Z.-Community
 
   

F.A.Z.-Stellensuche

   (Hilfe)


Unternehmen des Monats


Jobs der Woche

Community Colleges

Amerikas unentdeckte Kaderschmieden

Von Katja Gelinsky




20. Januar 2008 
Gouverneur Arnold Schwarzenegger, Space-Shuttle-Kommandantin Eileen Collins, Designer Calvin Klein und Genomforscher Craig Ventor - ihre Karrieren könnten kaum unterschiedlicher sein. Aber eines haben diese vier prominenten Amerikaner gemeinsam: Ihre Ausbildung haben sie an einem Community College begonnen, an einer der fast 1200 kommunalen Institutionen, die möglichst breiten Bevölkerungsschichten in den Vereinigten Staaten Zugang zu höherer Bildung ermöglichen wollen.

Fast die Hälfte der amerikanischen Studenten studiert zunächst zwei Jahre an einem Community College, um dort den "Associate Degree" zu erwerben. Mit diesem Abschluss kann man dann auf ein anderes College wechseln und dort ohne Zeitverlust in zwei weiteren Jahren seinen "Bachelor" machen.

Größter Zulauf ausländischer Studenten

In Deutschland sind die Community Colleges jedoch bislang kaum bekannt. Wer mit dem Gedanken an ein Studium in Amerika spielt, träumt meistens von Eliteuniversitäten wie Harvard und Yale - aber nicht vom "Houston Community College" in Texas, dem "Santa Monica College" in Kalifornien oder dem "Montgomery College" vor den Toren Washingtons. Diese drei Schulen haben den größten Anteil ausländischer Studenten unter den Community Colleges. Insgesamt waren an ihnen 2006/07 mehr als 85 000 Ausländer eingeschrieben, rund 15 Prozent aller ausländischen Studenten in den Vereinigten Staaten.

Verglichen mit den herkömmlichen Colleges, haben die Community Colleges sogar den größten Zulauf ausländischer Studenten. Während der Anteil der ausländischen Bachelor-Studenten 2006/07 insgesamt sogar um 1,5 Prozent sank, verzeichneten sie einen Zuwachs von 6,8 Prozent. So steht es im Bericht "Open Doors 2007", den das "Institute of International Education" jährlich publiziert. Wie generell beim Auslandsstudium in Amerika, sind auch an den Community Colleges Studenten aus Asien am stärksten vertreten. Deutschland belegt mit 659 Studenten den 19. Platz.

Aber was genau haben die Community Colleges ausländischen Studenten zu bieten? "Ein breitgefächertes Studienangebot mit intensiver Betreuung zu relativ geringen Gebühren", sagt Judith Irwin, die Direktorin für internationale Programme beim Dachverband American Association of Community Colleges (AACC). "Die Studiengebühren liegen im Schnitt bei 6500 Dollar im Jahr. Für das Studienjahr an einem vierjährigen staatlichen College zahlt man dagegen im Durchschnitt doppelt so viel. Für ein privates College klettern die Kosten sogar auf durchschnittlich 25 000 Dollar im Jahr."

Die Qualität variiert erheblich

Außerdem hätten die Klassen an Community Colleges meist nicht mehr als 25 bis 35 Studenten, ihnen würden intensive Lernhilfe und Betreuung geboten - zumal da die Dozenten sich hier ganz auf die Vermittlung von Wissen und nicht auf die Forschung konzentrierten.

Besonders beliebt sind bei ausländischen Studenten an Community Colleges Studiengänge wie Unternehmensführung, Informatik, Ingenieurswesen, Hotel- und Restaurantmanagement sowie Multimedia. "Aber man kann im Grunde alles studieren, von Kunst bis Zoologie", erläutert Judith Irwin. Allerdings variieren nicht nur Vielfalt, sondern auch Qualität erheblich von Community College zu Community College. Denn traditionell sind diese auf den Arbeitskräftebedarf der regionalen Wirtschaft ausgerichtet, die auch an der Gestaltung des Lehrangebots mitwirkt.

Je nach Region kann es also gewaltige Unterschiede zwischen den Colleges geben. "Aber man kann nicht generell sagen, dass das Niveau an Community Colleges niedriger ist als an anderen Colleges", sagt Alexandra Michel vom Beratungsdienst "College-Contact.com" in Münster, der kostenlos über Studienmöglichkeiten im Ausland informiert.

Geringe Gebühren, aber strenge Aufnahmekriterien

Insgesamt sind die Aufnahmekriterien jedoch weniger streng als an vierjährigen Colleges, weil man an den Community Colleges darauf setzt, Lücken oder Schwächen durch intensive Betreuung auszugleichen. Das gilt auch bei Englischdefiziten ausländischer Studenten. So brauchen diese oft nicht den Sprachtest TOEFL nachzuweisen. Viele Community Colleges veranstalten stattdessen Eingangstests und machen gegebenenfalls die Teilnahme an Englischkursen zur Auflage.

Dadurch kann sich das Studium allerdings in die Länge ziehen - und damit teurer werden. Der Preisvorteil gegenüber vierjährigen Colleges mag dann nicht mehr so groß sein. "Aber nicht jeder Bewerber hat die Noten, die man braucht, um direkt an einer der guten amerikanischen Unis studieren zu können", gibt Alexandra Michel zu bedenken. Noch wenig bekannt sei, fährt Michel fort, dass auch Bewerber mit mittlerer Reife und abgeschlossener Berufsausbildung die Möglichkeit hätten, am Community College zu studieren und so ins amerikanische Hochschulsystem bis hinauf zu den Graduiertenprogrammen zu gelangen.

Als Sprungbrett taugt ein Community College allerdings nur, wenn "Transfer Agreements" mit guten vierjährigen Colleges bestehen. Dabei handelt es sich um Kooperationen, die sicherstellen, dass die Leistungen am Community College voll auf das Bachelorstudium angerechnet werden. Allein der Abschluss am Community College nützt deutschen Studenten nämlich in der Regel wenig, da der "Associate Degree" in Deutschland nicht als staatlicher Studienabschluss anerkannt ist.

Probleme bei der Anerkennung in Deutschland

"Man muss sich also schon bewusst sein, dass man mindestens vier Jahre, also bis zum Bachelor, in Amerika studieren muss, um einen in Deutschland anerkannten Abschluss zu bekommen", sagt Alexandra Michel. Damit es beim Wechsel keine Probleme gebe, sei es wichtig, sich schon bei der Auswahl des Community Colleges zu überlegen, wo und in welchem Studiengang man später seinen Bachelor machen wolle.

"Man muss schon recht weit vorausplanen", bestätigt Nadine Clarijs, die über "College-Contact.com" an das "College of the Desert" in Palm Desert gelangt ist. In dem südkalifornischen Touristenmekka studiert die 22 Jahre alte Deutsche, die in der Nähe von Darmstadt aufwuchs und nach der mittleren Reife eine Ausbildung zur Hotelfachfrau absolvierte, nun im ersten Semester Restaurant- und Hotelmanagement. Bei der Zusammenstellung der Kurse und des Stundenplans haben ihr Berater am Community College geholfen. "Dabei wurde auch schon berücksichtigt, dass ich meinen Bachelor später am liebsten an der UCLA, also der staatlichen ,University of California', oder an der privaten ,University of Southern California' in Los Angeles machen will", berichtet sie. Mit dem Studium in Palm Desert sei sie bislang sehr zufrieden. Schnell habe sie Kontakt und Freunde gefunden; ihre Kommilitoninnen kommen aus Kanada, Mexiko und Dänemark.

Durchschnittsalter 29 Jahre

Von der internationalen Atmosphäre schwärmen auch die beiden Deutschen Daniela Goerke und Anette Lux, die an der Ostküste, am Montgomery College in Rockville, Restaurant- und Hotelmanagement studieren. Sie waren vor ihrem Studium schon als Au-pair-Mädchen in der Nähe von Washington und kannten daher auch das Montgomery College. Mit 28 beziehungsweise 26 Jahren sind die beiden, verglichen mit den College-Kids, die gleich nach der Highschool auf eines der vierjährigen Colleges gehen, ziemlich alt. An den Community Colleges jedoch liegt das Durchschnittsalter bei 29 Jahren. Denn zahlreiche Amerikaner, die dort studieren, waren berufstätig oder haben Kinder großgezogen, bevor sie ans College wechselten, um einen besser bezahlten Job zu bekommen.

Den ausländischen Studenten der Community Colleges dagegen bleibt der amerikanische Arbeitsmarkt grundsätzlich verschlossen. Mit dem "Associate Degree" allerdings können sie eine Arbeitserlaubnis für ein sogenanntes "Optional Practical Training" (OPT) beantragen. Dabei handelt es sich um eine Art bezahltes Praktikum von bis zu zwölf Monaten, das zum Studienschwerpunkt passen muss.

Rowena Contzen aus Recklinghausen, die am Montgomery College seit Herbst 2005 International Business studiert, hat sich für ihr OTP bei einem Steuerberater in der Nähe von Washington beworben. "Vielleicht gehe ich aber auch nach Kalifornien, weil ich dort ohnehin im September auf die Uni gehen will, um meinen Bachelor zu machen", sagt die 23 Jahre alte Studentin. Ihr Traum wäre, danach bei einem Unternehmen in den Vereinigten Staaten anzufangen. Vielleicht sponsert ihr das dann sogar eine dauerhafte Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis.

-Die ersten Community Colleges wurden Anfang des 20. Jahrhunderts gegründet - als Instrumente gegen den Fachkräftemangel. Sie übernehmen in den Vereinigten Staaten heute ähnliche Aufgaben wie die berufsbildenden Schulen und Fachschulen in Deutschland. Außerdem bieten sie ein zweijähriges Studium, das den Wechsel an ein vierjähriges College ermöglicht.

-Für die Beschaffung eines Studentenvisums (F-1-Visum) ist es wichtig, dass das Community College im Rahmen des „Student and Exchange Visitor Programme“ anerkannt ist.

-Informationen dazu und zu Community Colleges allgemein gibt der Dachverband „American Association of Community Colleges (AACC)“ unter der Internetadresse: www.aacc.nche.edu

-In Deutschland hilft der Beratungsdienst zum Auslandsstudium „College-Contact.com“ unter: www.college-contact.com

Text: F.A.Z., 19.01.2008, Nr. 16 / Seite C8
Bildmaterial: F.A.Z. - Tresckow
 
 
   
 Zum Thema 
 
Universität Santa Fe: Hier soll das kritische Denken gelehrt werden
Geschmacks-Universität: Gegessen wird, was in den Hörsaal kommt
Amerika profitiert von Auslandsstudenten
 
   
   
 Artikel-Service 
 
Seite drucken
Versenden
Lesezeichen
Vorherige Seite
 
   
   
 Neue Köpfe 
   
 
Böhme leitet LBBW-Tochter in Peking  
 
   
     
  FAZ JOB-Blog  
 
Per Anhalter durch die Arbeitswelt
 
 
 
 
 
Karriere im Takt
 
 
 
 
 
Coach Me If You Can
 
     
 





Impressum  |  Datenschutzerklärung  |  Nutzungsbedingungen  |  Preise  |  Über uns

Alle freien Jobs und Stellen  |  Stellenangebote nach Firmen und Unternehmen  |  Vorteile auf einen Blick  |  FAZjob.NET - Tour