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Praktikum 10 Regeln für den Erfolg Von Ursula Kals
Bitte nicht zu forsch auftreten, aber auch nicht duckmäuserisch. Bitte Einsatz zeigen, aber auf keinen Fall aufdringlich nachfragen: Praktika können schön sein und auch ganz schön anstrengend. Sich für einige Wochen in die Berufspraxis zu wühlen und eine Schar neuer Kurzzeitkollegen kennenzulernen, das ist nicht ohne. Manche nehmen das sportlich, andere strengt das Unbekannte an. Zumal auf den Firmenfluren jede Menge Fallstricke lauern. Das Gemeine daran: Welche das sind, darüber spricht man nicht. Irgendwie hat sich der Praktikant in ein bestehendes Getriebe und seine undurchsichtigen Rituale zu fügen. Denn ob er später eine Chance auf eine mögliche Festanstellung haben wird oder zumindest ein vorzeigbares Zeugnis mitnehmen kann, darüber entscheidet bei weitem nicht nur sein Fachwissen. Folgende Regeln sollen den Praktikantenalltag erleichtern. Regel 1: Stellen Sie sich vor Stellen Sie sich vor, und zwar möglichst vielen. Bisher hatten Sie - vielleicht nur virtuell und telefonisch - Kontakt zur Personalabteilung. Und keiner kennt Sie. Jetzt haben Sie die Bringschuld und führen sich ein. Wenn es sein muß, dann tun sie das zwanzigmal am Tag. Das ist nervend, man mag sein Sprüchlein "Guten Tag, mein Name ist . . ., ich komme aus . . ." schon nicht mehr hören, aber das gehört zum guten Ton. Sie sind der oder die Neue und in der Regel auch jünger als die anderen. Stehen Sie am Kopierer, betreten andere den Raum, dann sagen sie freundlich, wer Sie sind. "Das schafft eine enorme Sympathie", sagt Elke Uhl-Vetter, Buchautorin und Fachfrau für Business-Etikette. Regel 2: Nicht zu lässige Kleidung Sie sind jung. Sie sind lässig. Sie sind genervt vom biederen Erscheinungsbild der anderen. Unterschätzen Sie das Thema Kleidung dennoch nicht. "Kleidung ist nonverbale Kommunikation. Kleidung funktioniert als eine sehr starke Signalanlage. Man sendet auch aus, was man von sich hält", sagt Susanne Helbach-Grosser, die unter anderem Führungskräfte schult. Von Ihnen erwartet keiner- es sei denn, Sie sind im konservativen Bankenmilieu unterwegs - den kleinen Kampfanzug. Aber den Lässiglook heben Sie sich für die Freizeit auf. Sie sind - noch nicht - der erfolgreiche Art-Director, der seine Exzentrik ausleben kann. Recherchieren Sie vorab, was im Unternehmen üblich ist. Overdressed ist besser als underdressed und signalisiert, daß Ihnen die Zeit etwas wert ist. Regel 3: Vorher über Spielregeln informmieren Vorabrecherche ist ohnehin sinnvoll. Erkundigen Sie sich vor dem ersten Tag nach den Spielregeln im neuen Umfeld, von Anredeformen über Pausenregelungen bis hin zur Meldeformel am Telefon. Expertin Helbach-Grosser empfiehlt, "ein schlaues Büchlein anzulegen, in dem Namen, Zugehörigkeiten und besondere Umstände gesammelt werden". Regel 4: Mit Urteilen zurückhalten Halten Sie sich mit Urteilen und plumpen Vertraulichkeiten zurück, tratschen Sie nicht mit. "Diskutieren Sie nicht mit anderen Praktikanten lauthals die schlechte Firmenkultur, und erzählen Sie nicht schon in den ersten Tagen alles über die Familie, die Freunde und persönliche Vorlieben", mahnt Susanne Helbach-Grosser. Sie kennen die Seilschaften nicht und wissen nicht, ob der X der Patenonkel vom Kind des Y ist. Nein, Sie gehören anfangs nicht dazu. Nein, mit Ihnen duzt sich nicht die halbe Belegschaft. Bieten Sie von sich aus nicht das Du an. Natürlich, formal dazuzugehören, das fühlt sich besser an. Aber das kommt mit der Zeit. Zum Trost: "Mit jedem Du gibt man etwas vom Sicherheitsabstand auf. Der Schutzschild vor plump-vertraulichen Annäherungsversuchen schmilzt", warnt Elke Uhl-Vetter. Regel 5: Interesse zeigen Zeigen Sie Interesse, stellen Sie fachliche Fragen, und halten Sie Augen und Ohren offen. Drängen Sie auf Beschäftigung. Und zumindest darauf, den Etablierten über die Schultern blicken zu können. Sie sind hier, um zu lernen und zu hospitieren. "Vermeiden Sie es aber, den Leuten auf den Wecker zu fallen, wenn diese beschäftigt sind", sagt Susanne Helbach-Grosser. Wehren Sie sich, wenn Sie ausschließlich die ungeliebten Arbeiten der Festangestellten machen müssen. Arbeiten Sie sich nicht halbtot. Aber lassen Sie auch nicht um 17.05 Uhr den Griffel fallen und ducken sich weg, wenn ein Abendeinsatz gefordert ist. Übrigens: Pünktlichkeit ist immer ein Zeichen von Wertschätzung. "Falls Sie sich doch einmal verspäten sollten, dann ist eine Entschuldigung bei den Kollegen sofort fällig", erklärt Elke Uhl-Vetter. Regel 6: Nicht privat im Internet surfen Widerstehen Sie der Versuchung, das Internet privat zu nutzen und über die Firmen-Telefonleitung Privatgespräche zu führen. Ausnahmen sind erlaubt, sollten aber Ausnahmen blieben. "Gehen Sie nicht an fremde Telefone und Schreibtische, außer das ist ausdrücklich verabredet", sagt Susanne Helbach-Grosser. Regel 7: Kunden freundlich behandeln Behandeln Sie Kunden freundlich, und machen Sie sich bewußt, daß in der Industrie und im Wirtschaftsleben das Dienstleistungs- prinzip herrscht: Der Kunde hat immer Recht. Das ist in der kritischen Wissenschaft anders und läßt die Hochschulzeit in neuem Glanz erstrahlen. Aber kritische Auseinandersetzung ist hier beim ersten Kundenkontakt nicht gefragt. Also angemessen reagieren, auch wenn eine Anordnung nicht gefällt. Bei Unklarheiten höflich nachfragen. Regel 8: Mit zum Mittagessen gehen Gehen Sie mit Ihren Kollegen in die Kantine zum gemeinsamen Mittagessen, netzwerken beginnt mit diesen Gewohnheiten. Werden Sie nicht dazugebeten, dann werden Sie aktiv. Daß man Sie nicht fragt, hat oft nichts mit Geringschätzung zu tun, sondern schlicht mit Gedankenlosigkeit. Elke Uhl-Vetter sagt: "Gute Tischmanieren gehören zum guten Benehmen im Berufsleben. Sie werden beim Essen immer beobachtet." Zu reden, während Sie noch kauen, das geht gar nicht, gängige Mensamanieren sind hier keine Maßstäbe. Regel 9: Guten Abgang verschaffen Verschaffen Sie sich einen guten Abgang, und verabschieden Sie sich mit einem freundlichen Ritual. Fragen Sie nach, was im Unternehmen üblich ist. Von bescheiden bezahlten Praktikanten erwartet niemand ein Scampi-Bufett. Es geht um die Geste. Bedanken Sie sich bei Ihren Ausbildern, auch bei jenen, die Sie nicht ausgebildet haben. Dann können Sie sich immer noch ein neutrales "Danke für die neuen Einblicke" erlauben, nach dem Motto: Der kluge Mund lügt mit der Wahrheit. Regel 10: Kontakt halten Halten Sie die Treue und den Kontakt auch nach Ihrem Praktikum aufrecht. Schließlich haben Sie an einem informellen Stellentest teilgenommen. Wird eine Stelle frei, dann sind Sie nicht nur in den Akten, sondern in den Köpfen potentieller Arbeitgeber präsent. Denken Sie daran, irgendwann sind Sie auf der anderen Seite angelangt und betreuen Praktikanten. Und dann machen Sie vieles anders und besser. Text: F.A.Z., 16.09.2006, Nr. 216 / Seite C8Bildmaterial: Yurok - Fotolia |
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