03. Juli 2008 Nach der Zinserhöhung auf 4,25 Prozent hat die Europäische Zentralbank (EZB) vorerst keine weiteren Zinsschritte signalisiert. Die Geldpolitik wird nach der heutigen Entscheidung zum Ziel der Preisstabilität beitragen, sagte EZB-Präsident Jean-Claude Trichet am Donnerstag nach der Ratssitzung in Frankfurt. Wir sind nicht von vornherein festgelegt. Wir werden tun, was notwendig ist, um die Kaufkraft zu wahren. Die Bürger können auf uns zählen.
Erstmals seit Juni 2007 hob die EZB am Donnerstag wieder ihre Leitzinsen an. Der neue Satz von 4,25 Prozent liegt 0,25 Prozentpunkte über dem bisherigen Niveau. Der Schritt war angesichts der kräftig gewachsenen Inflation erwartet worden. Steigende Leitzinsen machen Kredite teurer und dämpfen damit tendenziell das Wirtschaftswachstum.
Inflation ist Sorge Nummer eins der Europäer
Die EZB nahm mit dem Zinsbeschluss ihren vor mehr als einem Jahr wegen der Finanzkrise unterbrochenen Kampf gegen die Inflation wieder auf. Die Teuerungsrate in der Währungsunion war zuletzt wegen kräftig kletternder Energie- und Nahrungsmittelpreise auf den Rekordwert von vier Prozent gestiegen. Die Inflation ist die Sorge Nummer eins der Bürger Europas, sagte Trichet.
Vor der Entscheidung der Notenbanker war ein Streit über den weiteren Kurs der Geldpolitik entbrannt. Zahlreiche Politiker und Gewerkschafter hatten verlangt, auf die Zinserhöhung mit Rücksicht auf die schwächelnde Konjunktur zu verzichten. Von der deutschen Wirtschaft und vielen Ökonomen waren die Pläne der EZB dagegen begrüßt worden.
Geteiltes Echo auf Leitzins-Beschluss
Das Echo auf den Leitzins-Beschluss der Frankfurter Währungshüter war entsprechend geteilt. Industrie-Präsident Jürgen Thumann sagte in Berlin: Die Entscheidung (...) mag unbequem sein, ist aber notwendig und richtig. Der Zinsschritt sei eine unmissverständliche Warnung an die Tarifparteien, keine neue Lohn-Preis-Spirale loszutreten.
Der wirtschaftspolitische Sprecher der Linken, Herbert Schui, erklärte dagegen, der EZB gehe es nicht um den Kampf gegen die Inflation, sondern um Lohndrückerei. Die Zinserhöhung soll in erster Linie die Gewerkschaften disziplinieren. Von diesen kam ebenfalls harsche Kriritk am Kurs der EZB. DGB-Chefvolkswirt Dierk Hirschel sagte, die Frankfurter Währungshüter gefährdeten durch ihre harte Haltung hunderttausende Arbeitsplätze.
Amerikaner und Briten dürften noch 2008 nachziehen
Die EZB ist die erste große Notenbank, die seit dem Ausbruch der Finanzkrise im Sommer vergangenen Jahres ihren Leitzins heraufgesetzt hat. Experten erwarten, dass die Federal Reserve in Amerika und die Bank von England noch in diesem Jahr nachziehen. Allerdings trübt sich das konjunkturelle Klima wegen des Preisdrucks vor allem beim Öl derzeit weltweit ein.
Steigende Leitzinsen führen dazu, dass es für die Banken teurer wird, sich bei der Notenbank mit Geld einzudecken. Dadurch werden Kredite für Unternehmen und Haushalte teurer. In der Folge lassen Investitionsbereitschaft und Konsum nach. Das drückt zwar die Inflation, belastet aber auch die Konjunktur.
Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AP, F.A.Z.
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