McCain holt auf

Schützenhilfe aus Georgien

Von Matthias Rüb, Washington

John McCain

John McCain

22. August 2008 Der Mann, in dessen Augen er nach eigener Aussage die Buchstaben „K - G - B“ sah und eben nicht dessen Seele, ist derzeit sein wichtigster Wahlhelfer: Wladimir Putins Vormarsch nach Georgien hat John McCains Vormarsch in der Wählergunst der Amerikaner beschleunigt. Anders als Präsident Bush hat McCain Putin noch nie über den Weg getraut. Jetzt sieht sich McCain bestätigt - und viele Amerikaner offenbar auch. Jedenfalls zeigen sämtliche Umfragen, deren Ergebnisse am Donnerstag veröffentlicht wurden, dass McCain den Rückstand der vergangenen Monate auf Barack Obama wettgemacht hat.

Das Meinungsforschungsinstitut Zogby sieht McCain gar erstmals mit 46 Prozent Zustimmung vor Obama, für den sich nur noch 41 Prozent aussprachen. Im Juli hatte Zogby noch einen Vorsprung von sieben Prozentpunkten für Obama ermittelt. Eine Umfrage im Auftrag der Zeitung „Los Angeles Times“ offenbarte, dass zahlreiche Wähler erhebliche Zweifel an Obamas Eignung hegen: 48 Prozent der Befragten äußerten die Ansicht, dem Kandidaten der Demokraten mangele es an Erfahrung. Hingegen sagten 80 Prozent, der Republikaner McCain sei erfahren genug für den Posten. Schließlich ermittelte die Universität Quinnipiac, dass McCain von der Kaukasus-Krise profitiert hat. 55 Prozent gaben an, der Republikaner sei am besten qualifiziert, die Beziehungen zu Russland zu gestalten; nur 27 Prozent sagten dies von Obama.

McCain: „Wir sind jetzt alle Georgier“

Von Beginn an verurteilte McCain den russischen Einmarsch in Georgien aufs schärfste - deutlich entschiedener als Bush und schon gar als Obama, der in der ersten Kriegswoche Urlaub auf Hawaii machte. Wie die Staatengemeinschaft auf die russische Aggression reagiere, „wird bestimmen, wie Russland mit seinen anderen Nachbarn umgeht“, sagte McCain. Der UN-Sicherheitsrat müsse sich ebenso damit befassen wie die Nato, um die russischen „Friedenstruppen“ in Südossetien durch internationale Friedenssoldaten zu ersetzen, forderte McCain. Zu dessen wichtigsten außen- und sicherheitspolitischen Beratern gehört der neokonservative Publizist Robert Kagan, der in seinem jüngsten Buch eine Rückkehr der Großmacht- und Einflusssphären-Politik des 19. Jahrhunderts vorausgesagt hat und Russlands Besetzung Georgiens als Beleg dafür sieht.

McCain fordert seit langem den Ausschluss Russlands aus der G 8. Washington müsse sich dem Begehren Russlands, der Welthandelsorganisation beizutreten, offen widersetzen. McCain hat zudem die Nato heftig kritisiert, weil diese Georgien - „eines der ersten Länder, welches das Christentum als offizielle Religion angenommen hat“, wie McCain in seinen Reden stets bekräftigt - auf ihrem Gipfel vom April in Bukarest nicht sogleich den „Aktionsplan zur Mitgliedschaft“ angeboten hat. Möglicherweise habe Moskau dies als „grünes Licht für den Angriff auf Georgien betrachtet“, sagte McCain. Dafür solle die Allianz jetzt sofort über die „Entsendung einer internationalen Friedenstruppe nach Südossetien beraten“, fordert McCain. „Wir sind jetzt alle Georgier“, rief er in einer Rede am 14. August.

Auch Obama kritisiert Russlands Einmarsch in Georgien

Obama beschränkte sich in einer ersten Erklärung zunächst auf die eher allgemein gehaltene Verurteilung des „Ausbruchs von Gewalt in Georgien“ und forderte ein „sofortiges Ende des bewaffneten Konflikts“. Zudem müsse eine diplomatische Lösung mittels eines „wirklichen Dialogs“ mit Moskau gefunden werden, schließlich sei Russland ein strategischer Partner beim Kampf gegen die Weiterverbreitung von Nuklearmaterial und schon gar Atomwaffen. McCains außenpolitischer Berater Randy Scheunemann, der bis Mai als Lobbyist in Washington für die georgische Regierung tätig war, bezichtigte Obama der Naivität und warf ihm vor, Moskau gegenüber eine Politik der Eindämmung (appeasement) zu befürworten.

Barack Obama

Barack Obama

Obamas außenpolitische Beraterin Susan Rice hielt dagegegen, McCain „schießt mit sehr aggressiven Äußerungen aus der Hüfte“. Je länger der Krieg dauerte, desto entschiedener verurteilte aber auch Obama die Haltung Russlands und bekräftigte, die territoriale Integrität Georgiens müsse garantiert werden. Der Forderung McCains nach einem sofortigen Abzug der Russen und der Entsendung einer internationalen Friedenstruppe schloss sich Obama aber an. In einer Rede sagte Obama am Donnerstag, Russland könne „nicht einfach in andere Länder einmarschieren“ und fügte hinzu: „Natürlich wäre es hilfreich, wenn wir in dieser Hinsicht mit gutem Beispiel vorangehen würden.“



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP