Reaktionen auf Obamas Auftritt

Die Rede eines Weltbürgers - perfekt inszeniert

Vor der Siegessäule

Vor der Siegessäule

25. Juli 2008 Der Aufruf des amerikanischen Präsidentschaftskandidaten Barack Obama zu einem neuen Geist der Zusammenarbeit ist Deutschland auf ein positives Echo gestoßen. Politiker von Union und SPD lobten am Freitag übereinstimmend den Auftritt des demokratischen Senators in Berlin. Heftige Kritik kam dagegen von Obamas republikanischen Widersacher John McCain. Während sich Obama vorzeitig in Berlin feiern lasse und als „Weltbürger“ darstelle, kümmere sich McCain lieber „zuerst um die Amerikaner“, erklärte das Wahlkampfteam des Senators aus Arizona. Obama hatte am Donnerstagabend vor mehr als 200.000 Berlinern und Gästen aus aller Welt gesprochen.

Die Rede des Senators sei „beeindruckend“ gewesen, sagte der außenpolitische Sprecher der CDU/CSU-Fraktion, Eckart von Klaeden. Die Kernbotschaft sei gewesen, dass die Probleme der Welt in den Griff zu bekommen seien, wenn Europa und die Vereinigten Staaten zusammenstünden. „Dazu gehört auch, gemeinsam die Lasten zu tragen und Opfer zu bringen“, sagte Klaeden.

„Im besten Sinne amerikanisch“

Er betonte zugleich, dass Obamas Rede „im besten Sinne amerikanisch“ gewesen sei. „Und bis auf die persönlichen Nuancen hätte sie so oder ähnlich auch von John McCain gehalten werden können.“ Es habe sich um eine „perfekte Wahlkampfinszenierung“ gehandelt und eben nicht um eine historische Rede eines Präsidenten - deshalb sei es auch richtig gewesen, mit der Rede nicht vor das Brandenburger Tor zu gehen, fügte Klaeden hinzu.

Der außenpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Gert Weisskirchen, sagte: „Das war die Rede eines Weltbürgers, die sich nicht nur an Deutsche oder Europäer, sondern auch an die Amerikaner gerichtet hat.“ Obamas wichtigste Botschaft sei gewesen, „dass Europa und die Vereinigten Staaten die Probleme und Krisen der Welt - vom Klimawandel bis hin zur Lösung von gewaltsamen Konflikten - nur gemeinsam lösen können.“

Auch die FDP lobte den Auftritt: „An Obamas außenpolitischer Standfestigkeit gibt es nach seiner ersten Berliner Rede nichts mehr zu zweifeln“, erklärte der FDP-Außenpolitiker Werner Hoyer. Der Bewerber habe „souverän mit eher leisen Tönen anstatt plumper Effekthascherei“ sowohl das europäische als auch sein heimisches Publikum „ausgesprochen klug bedient“.

Obama ermutige all jene Europäer, „die nach Jahren des Auseinanderdriftens der transatlantischen Partner an einer Neubegründung der Idee des Westens als der Gemeinschaft der aufgeklärten, rechtsstaalichen und freiheitlichen Demokratien ernsthaft interessiert sind“. Hoyer verwies zugleich darauf, dass Obama die Europäer herausfordere, „mehr für die Erreichung gemeinsamer Ziele zu tun“.

„Amerika kann das nicht allein“

Auch der CSU-Ehrenvorsitzende Edmund Stoiber würdigte die Rede des Senators, der das verkörpere, „wonach sich viele Menschen sehnen: Charisma und Führung“. Die deutsche Politik werde sich aber auch mit seiner Forderung auseinandersetzen müssen, mehr gemeinsame Verantwortung für globale Probleme in der Welt zu übernehmen, sagte Stoiber. „Amerika setzt auf Deutschland und Europa. Die transatlantische Brücke wird stärker“.

Obama hatte in seiner Rede die Völker der Welt zu einem neuen Geist der Zusammenarbeit aufgerufen und dabei auch mehr deutsches Engagement für den Anti-Terror-Einsatz in Afghanistan verlangt. An der Siegessäule rief der amerikanische Demokrat den Berlinern und der ganzen Welt zu: „Dies ist unser Moment.“ Eine neue Generation müsse der Geschichte ihren Stempel aufdrücken. Dies gelte für den Klimaschutz ebenso wie für den Kampf gegen den Terrorismus: „Amerika kann das nicht allein.“

McCain: Rede im Ausland erst als Präsident

Diese Sichtweise unterstrich Obama anschließend im amerikanischen Fernsehsender NBC. „Ich bin davon überzeugt, dass wir allein die Probleme, denen sich die Vereinigten Staaten gegenüber sehen, nicht lösen können“, sagte er. „Wir können das Problem des Terrorismus nicht ohne die Unterstützung der internationalen Gemeinschaft lösen.“

Heftige Kritik an Obamas Auftritt kam von McCain. Er ziehe Wahlkampfauftritte „im Herzen der Vereinigten Staaten“ vor und spreche lieber „über Dinge, die die Amerikaner bewegen“. Dem Fernsehsender NBC sagte McCain zudem, er wolle erst im Ausland eine große Rede halten, wenn er zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt sei.

Deutschland wird stärker in die Pflicht genommen

Unabhängig vom Ausgang der Wahlen in den Vereinigten Staaten warnte der Politikwissenschaftler Gerd Langguth vor einer Verklärung der künftigen deutsch-amerikanischen Beziehungen. „Mit einem neuen amerikanischen Präsidenten könnten die Beziehungen sogar schwieriger werden. Das gilt für Obama wie für den Republikaner McCain“, sagte er. „Wenn die Zeit der amerikanischen Alleingänge endet, bedeutet das auch mehr Verantwortung für Deutschland und Europa. Der nächste amerikanische Präsident wird die deutsche Regierung stärker in die Pflicht nehmen.“

Leserforum: Ihre Meinung zu Obamas Berlin-Rede



Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AFP, AP, AP , ddp, dpa, picture-alliance/ dpa, REUTERS

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