Rentenmarkt

Die Kursrally könnte zu Ende sein

08. September 2008 Die Kurse deutscher Anleihen haben am Montag belastet durch die Übernahme der beiden großen amerikanischen Hypothekenfinanzierer seitens der amerikanischen Regierung mit hohen Verlusten reagiert. Der für die europäischen Anleihemärkte richtungweisende Bund-Future sank am Mittag um 0,78 Prozent auf 114,76 Punkte. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe lag bei 4,105 Prozent.

Die Übernahme der in Schwierigkeiten geratenen Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac durch die amerikanische Regierung hat die Anleihen nach Einschätzung der HSH Nordbank stark unter Druck gebracht. Die Befürchtungen hinsichtlich der sich verschlechternden Bonität der Vereinigten Staaten hätten die Renditen nach oben getrieben.

Höhenflug vorerst gestoppt

Nach der Übernahme von Fannie Mae und Freddie Mac durch den amerikanischen Staat sei der Höhenflug der zuvor teuren amerikanischen Staatsanleihen wohl zunächst gestoppt worden, schreibt die Commerzbank. Die Lage an den Rentenmärkten sei dadurch jedoch nicht mit weniger Unsicherheit behaftet. An den Finanzmärkten werde sich die Verstaatlichung der beiden Banken vermutlich stabilisierend auswirken und für die Weltwirtschaft werde das Abwärtsrisiko geringer. „Wir ziehen uns deshalb auf eine neutrale Position zurück, bis sich sozusagen der Staub etwas gelegt hat“, lautet das Fazit der Commerzbank-Studie.

Mit Erleichterung wurde Marktteilnehmern zufolge aufgenommen, dass die von Fannie Mae und Freddie Mac aufgelegten Anleihen zunächst gesichert sind. „Sie haben viele Bonds ausgegeben, die bei Banken und Versicherern liegen und im Fall eines Zusammenbruchs wertlos geworden wären. Das hat man erst mal gestoppt“, erklärte LBBW-Analyst Olaf Kayser.

Zahlreiche Neuemissionen

Dabei ist die Rettung von Fannie Mae und Freddie Mac nicht das einzige Ereignis, das derzeit auf den Kursen deutscher Anleihen lastet. Hinzu kommt, dass in dieser Woche zahlreiche Emissionen anstehen. Deutschland werde am Mittwoch eine neue zweijährige Schatzanweisung über 8 Milliarden Euro auf legen, während parallel eine Schatzanweisung über 15 Milliarden Euro fällig werde, hieß es in einem Marktausblick von HSBC Trinkaus.

Auch in anderen Ländern der Eurozone werde kräftig aufgestockt. So würden die Niederlande am Dienstag zehnjährige Anleihen mit einem Volumen von 2,5 Milliarden Euro auf den Markt bringen. Portugal werde dann am Mittwoch seine fünfzehnjährige Anleihen um eine Milliarde Euro aufstocken. Italien folge am Donnerstag mit fünf- und dreißigjährigen Anleihen, hieß es weiter.

Den Neuemissionen von zusammen etwa 16 Milliarden Euro stünden aber nach Berechnungen von HSBC Trinkaus 28 Milliarden Euro an Rückzahlungen und 2 Milliarden Euro an Kuponzahlungen gegenüber. „Damit entspannt sich die Liquiditätsposition des Marktes etwas“, schreiben die Experten.

Die Rally wird sich wohl nicht fortsetzen

Daten, die eine Neubewertung der Lage an den Anleihemärkten notwendig machen, stehen erst wieder zum Ausklang der Woche an. Dann werden in den Vereinigten Staaten die Erzeugerpreise für den August und vor allem der Vertrauensindex der Universität Michigan für den September veröffentlicht. Zwar wird auch die Rede von EZB-Präsident Jean-Claude Trichet am Mittwoch vor dem Europäischen Parlament größere Aufmerksamkeit zukommen. Doch von herausragender Bedeutung für die Beurteilung der Rentenmärkte ist in der aktuellen Situation die Entwicklung der amerikanischen Konjunktur.

Vieles spricht laut Commerzbank dafür, dass sich die Rally bei Bundesanleihen nicht fortsetzen wird und dass sich die Anleger auf eine Konsolidierung einrichten sollten.



Text: hlr.
Bildmaterial: F.A.Z.

 
Bund-Future DetailsChart
Chart
NamePunkteProzent
Dax 4.220,20 -3,08
TecDax 431,49 -5,62
DowJones 7.552,29 -5,56
Nasdaq 1.316,12 -5,07
STOXX 50 2.225,99 -3,02
Nikkei 225 7.703,04 -6,89
S&P 500 Zert. 7,98 -6,56
Euro/Dollar 1,25 -0,37
Bund Future 121,45 +1,25
Gold 745,35 +1,22
Öl 49,06 -4,94
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