Devisenmarkt

Weber bringt den Bund-Future in die Defensive

Bund-Future am 27. August 2008

Bund-Future am 27. August 2008

27. August 2008 Im Gegensatz zu den Börsen machten sich in den vergangenen Tagen vom korrigierenden Ölpreis ausgehend Spekulationen auf einen abflauenden Inflationsdruck und implizit auf fallende Zinsen an den Rentenmärkten und auch am Devisenmarkt bemerkbar.

Der Euro geriet zumindest gegen den Dollar in die Defensive und wertete in sechs Wochen um etwa acht Prozent ab. Dagegen konnte der September-Kontrakt des Bund-Futures von 109,97 auf bis zu 114,65 Prozent zulegen, die Rendite fiel von 4,726 auf bis zu 4,178 Prozent.

Nun scheint der Kontrakt jedoch zu konsolidieren oder gar wieder nach unten zu tendieren. Am Mittwoch zumindest verliert er im Tagesverlauf bis zu 62 Stellen. Dafür mögen Gewinnmitnahmen ebenso verantwortlich sein, wie eine leicht freundlich tendierende Wall Street.

Axel Weber: Zinssenkung steht nicht zur Debatte

Wichtig jedoch ist eine Aussage des EZB-Ratsmitglieds und Bundesbankpräsidenten Axel Weber, für den derzeit eine Zinssenkung nicht zur Debatte steht. Die Europäische Zentralbank werde ihren Leitzins möglicherweise sogar anheben, sollte sich die Konjunktur von ihrer Schwäche erholen, sagte er in einem Bloomberg-Interview.

„Die Geldpolitik ist im Moment ungefähr so, wie sie sein sollte, und ich denke, die Diskussion über fallende Zinsen in Europa ist in weiten Teilen verfrüht“, erklärte der 51-Jährige am Mittwoch in Frankfurt. „Wenn sich der Ausblick für die Wirtschaft gegen Jahresende und nächstes Jahr wieder etwas aufhellt - was ich nach wie vor glaube - werden wir sehen, ob eine Reaktion nötig ist.“

Es ist natürlich, dass im Rampenlicht stehende öffentliche Personen optimistisch sind. Aus psychologischen Gründen vermeiden sie skeptische Aussagen weitgehend, um laufende Entwicklungen nicht zu einer Eigendynamik zu verhelfen. Diese könnte im Moment nur nach unten führen, da die Wirtschaft Europas im zweiten Quartal schrumpfte und da auch für das dritte Quartal steht keine Erholung in Aussicht steht. Die Stimmung sowohl der Unternehmen als auch der Konsumenten tendiert nach unten.

Damit steigt das Risiko, dass es erstmals seit der Einführung des Euro im Jahr 1999 eine Rezession gibt. Nach Webers Worten liegt das Augenmerk der EZB, die ihren Leitzins im Juli um einen viertel Prozentpunkt auf 4,25 Prozent angehoben hat, jedoch weiter auf der Inflationsbekämpfung. „Ich gehe nicht davon aus, dass die Inflation nur wegen des schwächeren Wachstums notwendigerweise nachlassen wird“, sagte Weber. „“Die Inflation ist nach wie vor die Sorge Nummer eins der Notenbanker im Euroraum.“

Mit seinen Aussagen steht Weber im Widerspruch zu den Erwartungen der Anleger. Diese hatten ihre Wetten aufgestockt, dass die EZB (Europäische Zentralbank) den Leitzins demnächst senken wird. Terminkontrakte auf den Tagesgeldzinssatz für den Euro, Eonia, zeigen, dass der Markt zu hundert Prozent davon ausgeht, dass der Leitzins bis Mai nächsten Jahres auf vier Prozent fallen wird.

Nach Webers Ansicht ist er im Moment jedoch angesichts der konjunkturllen Schwächeperiode dieses Sommers „einigermaßen angemessen“. Die Finanzierungskosten lägen immer noch mehr auf der stimulierenden Seite als im neutralen Bereich, erklärte er.

Inflation liegt gegenwärtig deutlich über dem Zielkorridor

Mit vier Prozent ist die Inflation jedoch im Augenblick doppelt so hoch wie von der EZB angestrebt. Auch kommendes Jahr sehe er das Risiko, dass die Teuerung deutlich über dem Stabilitätsziel der EZB von knapp unter zwei Prozent liegen werde. „Und es ist auch noch nicht gesichert, dass wir 2010 darunter kommen“, sagte er. Was die Entwicklung der Konjunktur angeht, so erwartet Weber eine leichte Abwärtskorrektur der Wachstumsprognosen für dieses und nächstes Jahr. „Nach meiner Ansicht wird die Wirtschaft Europas zu Stabilität zurückfinden, wenn wir die Durststrecke einmal hinter uns haben,“ bestätigt er seinen Optimismus.

Faktisch ist noch lange nicht sicher, ob sich die Inflation auf absehbare Zeit tatsächlich zurückbilden wird. Denn da viele Unternehmen sowohl auf der Beschaffungs- als auch auf der Absatzseite mit längerfristigen Kontrakten arbeiten, waren sie bisher nicht oder nur bedingt in der Lage, gestiegene Kosten an ihre Kunden weiterzugeben. Das heißt, die inflationären Impulse sind erst dabei, sich durch das Wirtschaftssystem zu bewegen, wie das von einer Anakonda verschlungene Wildschwein durch den Körper der Schlange - während des Verdauungsprozesses. So plastisch umschrieb zumindest der bekannte Ökonom Paul Krugman die denkbare Entwicklung.

Selbst wenn sich die Inflationsrate zurückbilden sollte, heißt das noch lange nicht, dass die Preise - zum Beispiel für Energie - wieder auf das Ausgangsniveau zurückgehen werden. Erstens ist dafür der Ölpreis trotz der jüngsten Korrektur noch viel zu hoch. Zweitens haben die Unternehmen die Tendenz, das einmal erreichte Preisniveau beizubehalten, selbst wenn sie die Möglichkeit hätten, sie wieder zu senken. In Deutschland sprechen alleine schon hohe Lohnabschlüsse dagegen. Ausnahmen bestätigen die Regel.

Da das Preisniveau voraussichtlich hoch bleiben wird, die verfügbaren Einkommen sich in den vergangenen Jahren jedoch alleine schon aufgrund der steigenden Steuer- und Lohnnebenkosten nicht mit der Preisentwicklung mithalten konnten, hat die Kaufkraft der Konsumenten stagniert. Das dürfte den Konsum bis auf weiteres bremsen. Auf dieser Basis fragt sich, wo angesichts der rezessiven Entwicklungen in weiten Teilen Europas der Wirtschaftsoptimismus herkommen mag.

Auf dieser Basis dürfte der Bund-Future kurzfristig schwächer tendieren können und mittelfristig aufgrund volatiler Erwartungen ebenso volatil bleiben. Ein Trend wird sich erst entwickeln, wenn sich disinflationäre Tendenzen abzeichnen oder sich die inflationären Impulse verstärken.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri
Bildmaterial: dpa, F.A.Z., FAZ.NET, Goldman Sachs, Bundesbank, UBS/Datastream

 
Bund-Future DetailsChart
Chart
NamePunkteProzent
Dax 4.220,20 -3,08
TecDax 431,49 -5,62
DowJones 7.868,25 -1,61
Nasdaq 1.366,03 -1,47
STOXX 50 2.225,99 -3,02
Nikkei 225 7.703,04 -6,89
S&P 500 Zert. 7,98 -6,56
Euro/Dollar 1,25 +0,07
Bund Future 121,11 +0,97
Gold 749,37 +1,76
Öl 49,06 -4,94
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