Ifo-Index

Niedrigster Stand seit fast drei Jahren

24. Juli 2008 Die am Donnerstag veröffentlichten Konjunkturdaten haben die schlimmsten Befürchtungen von Ökonomen bestätigt: Der Euroraum ist womöglich auf dem direkten Weg in eine Rezession.

So ist nicht nur der deutsche Ifo-Geschäftsklimaindex im Juli auf den niedrigsten Stand seit September 2005 gefallen, seine Pendants aus Frankreich und Italien erreichten ihrerseits die niedrigsten Niveaus seit fünf bzw. fast sieben Jahren. Zudem liegen die Einkaufsmanagerindizes für das verarbeitende Gewerbe und den Dienstleistungssektor der Eurozone deutlich unter der Marke von 50, was eine rückläufige Aktivität in beiden Sektoren anzeigt.

Der Ifo-Geschäftsklimaindex sank im Juli auf 97,5 Punkte, nachdem er im Juni 101,2 betragen hatte, und erreichte damit den niedrigsten Stand seit September 2005. Von Dow Jones Newswires befragte Volkswirte hatten für Juli einen Indexstand von 100,2 Punkten vorhergesagt. „Diese Ergebnisse legen nahe, dass der konjunkturelle Aufschwung zu Ende geht“, sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn.

Schlechtere Stimmung in allen Bereichen

Der Index zur Beurteilung der aktuellen Geschäftslage fiel den Angaben zufolge auf 105,7 (Juni: 108,3) Punkte. Die Komponente für die Geschäftserwartungen nahm zudem auf 90,0 (94,6) ab, dies war der niedrigste Stand seit November 2002.

Dabei verschlechterte sich in allen betrachteten Sektoren die Stimmung. Für das verarbeitende Gewerbe fiel der entsprechende Saldenindex im Juli auf plus 2,1 von plus 8,1 im Juni. Sowohl die Lagebeurteilung als auch die Erwartungen trübten sich ein. Das Exportgeschäft werde zudem nach Ansicht der Industrieunternehmen nicht mehr ganz so stark expandieren, erklärte das Ifo. Auch lasse die Einstellungsbereitschaft in der Industrie nach.

Ölpreis und starker Euro belasten die Unternehmen

Bankvolkswirte machten zahlreiche Faktoren für die deutliche Eintrübung des Geschäftsklimas aus. Nach Einschätzung von Gregor Eder, Volkswirt von Allianz/Dresdner Bank, waren es aber vor allem die bis Mitte Juli gestiegenen Energiepreise, die die Stimmung belastet hätten. „Ohne Frage stellt der Ölpreis mittlerweile das mit Abstand größte Konjunkturrisiko dar, nicht nur für die deutsche Wirtschaft“, sagte er. Allerdings könnte der jüngste spürbare Rückgang des Ölpreises - er fiel innerhalb einer Woche um gut 20 Dollar - zu einer leichten Konjunkturbelebung zu Jahresende beitragen, so Eder. Martin van Vliet von ING Bank verwies neben den Energiepreisen auf den starken Euro und die Abkühlung der Weltwirtschaft als Belastungsfaktoren für die Unternehmen.

Da neben dem ifo-Geschäftsklima auch andere Stimmungsindikatoren aus der Eurozone - etwa die Einkaufsmanagerindizes - am Donnerstag mit unerwartet schwachen Werten ausgewiesen wurden, äußerten sich die Experten auch skeptisch hinsichtlich der Möglichkeit weiterer Zinserhöhungen durch die Europäische Zentralbank (EZB). „Die Wahrscheinlichkeit eines abermaligen Zinsschritts hat sich deutlich reduziert“, sagte ING-Ökonom van Vliet. Sollte der Ölpreis weiter kräftig fallen „würden wir nicht länger prognostizieren, dass die EZB ihren Leitzins im Herbst von 4,25 Prozent auf 4,50 Prozent anhebt“, sagte auch Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer.



Text: Dow Jones
Bildmaterial: AFP

Kursabfrage 
NamePunkteProzent
Dax 5.326,63 -1,12
TecDax 573,04 -5,15
DowJones 9.716,72 -2,40
Nasdaq 1.794,50 -3,67
STOXX 50 2.878,82 +0,22
Nikkei 225 10.155,90 -3,03
S&P 500 Zert. 10,50 -1,78
Euro/Dollar 1,36 +0,50
Bund Future 117,30 +0,27
Gold 884,80 +2,68
Öl 85,76 -1,06
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